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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 25.02.2010

Lebensweg einer starken Frau

Ellen Johnson Sirleaf: "Mein Leben für Liberia", Krüger Verlag, Frankfurt am Main 2009, 432 Seiten

Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf. (AP)
Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf. (AP)

Sie ist das erste gewählte weibliche Staatsoberhaupt eines afrikanischen Staates: Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf. In ihrem Leben hat sie viele Rückschläge in Kauf nehmen müssen. Wie sie dennoch in der Politik Karriere machte, beschreibt sie in ihrer Autobiografie.

Ellen Johnson Sirleafs Autobiografie ist mehr als die persönliche Geschichte einer Politikerin, sie ist auch die politische Geschichte eines Landes. Johnson Sirleaf erzählt nicht nur von den ereignisreichen jüngsten Jahrzehnten, sondern auch von den Anfängen des Landes als "Kolonie" befreiter schwarzafrikanischer Sklaven im 19. Jahrhundert und der Etablierung eines Staates mit einer an den USA orientierten Verfassung, in dem aber eine "amerikoliberianische" Oberschicht die politische Macht fest in der Hand behielt, zum Nachteil der indigenen afrikanischen Völker. Sie selbst entstammt nicht dieser Schicht. Ihr Vater wurde in den 1940er-Jahren als erster Angehöriger der indigenen afrikanischen Bevölkerung ins liberianische Repräsentantenhaus gewählt, aber mit ihrer Bildung und Weltläufigkeit gehört sie zweifelsohne der Elite ihres Landes an.

Als 17-jährige heiratete Ellen Johnson Sirleaf und wurde Mutter von vier Söhnen; später ging das Ehepaar zum Studium in die USA, nach der Rückkehr nach Liberia ließ sie sich von ihrem zunehmend gewalttätigen Ehemann scheiden. Solche familiären Ereignisse machen allerdings nur den kleinsten Teil von Johnson Sirleafs Buch aus; der größte Teil ihrer Autobiografie ist der Politik Liberias und ihrer politischen Karriere gewidmet: der Tätigkeit im Finanzministerium in den 1970er-Jahren, dem Militärputsch von 1980, den sie als eines von wenigen Regierungsmitgliedern überlebte, die langen Jahre des Exils, in denen sie für US-amerikanische Banken und internationale Organisationen wie die Weltbank und die Vereinten Nationen tätig war. Liberia versank unter dem nächsten Putschisten, dem berüchtigten Charles Taylor, zunehmend im Chaos äußerster Gewalt.

Ellen Johnson Sirleaf erzählt die bewegte Geschichte ihres Lebens und ihres Landes anschaulich, aber auch selbstkritisch. Dass sie Kompromisse und manchmal auch Fehler gemacht hat, gibt sie zu, dass ihr Aufstieg zunächst durchaus im Rahmen einer alten Elite stattfand, ebenfalls – aber gerade das macht sie glaubwürdig. Dass sie immer eine kritische und unerschrockene Stimme war, belegt ihr politisches Verhalten der letzten Jahrzehnte. Ihre Biografie gibt einen guten Eindruck davon, wie schwer es ist, durch so viele politische Wirrnisse und Gewalt nicht nur am Leben zu bleiben, sondern auch die eigene Integrität zu bewahren – und die Hoffnung, dass alles trotzdem noch besser werden kann.

Dass Johnson Sirleaf diese nie aufgegeben hat, zeigt das ganze Buch, aber besonders die letzten Seiten, in denen sie darstellt, wie sie sich die Zukunft Liberias vorstellt, und worum sie sich als Präsidentin kümmert: Bildung, Infrastruktur, internationale Kooperationen – riesige Aufgaben für ein kriegszerstörtes Land. Johnson Sirleaf ist davon überzeugt, das wird im Buch offensichtlich, dass sie die fähigste Person dafür ist – nicht zuletzt aufgrund ihrer vielen internationalen Kontakte.

Vor wenigen Wochen gab die Präsidentin übrigens bekannt, dass sie nächstes Jahr für eine zweite Amtszeit kandidieren will.

Besprochen von Catherine Newmark

Ellen Johnson Sirleaf: Mein Leben für Liberia. Die erste Präsidentin Afrikas erzählt.
Krüger Verlag, Frankfurt am Main 2009
432 Seiten, 19,95 Euro

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