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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 17.11.2012

Leben mit Tod und Sterben

Gast: Der Bestatter und Trauerbegleiter Fritz Roth

Moderation: Gisela Steinhauer

"Trauer ist eine Form von Liebe", sagt Fritz Roth. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
"Trauer ist eine Form von Liebe", sagt Fritz Roth. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Fritz Roth setzt sich für einen offeneren und selbstbestimmten Umgang mit dem Tod und dem Sterben ein. Die Bestatterbranche hat er mit seinen unkonventionellen Ideen kräftig aufgemischt. Wir sprechen mit ihm über originelle Formen der Trauer - und bürgerlichen Ungehorsam.

"Den Wert des Lebens spürt nur, wer den Tod kennt", lautet das Credo von Fritz Roth. Der Bestatter und Trauerbegleiter setzt sich seit Langem für einen offeneren und selbstbestimmten Umgang mit dem Tod und dem Sterben ein und hat die Bestatterbranche mit seinen unkonventionellen Ideen kräftig aufgemischt. Sein "Haus der menschlichen Begleitung" in Bergisch-Gladbach ist nicht nur ein Ort, an dem Trauernde nach ihren Wünschen Abschied von ihren Verstorbenen nehmen können. Fritz Roth bietet auch Kochkurse und Reisen für Trauernde an, Musikabende, Führungen für Schüler, Theater und Tanz.

"Trauer ist eine Form von Liebe", sagt der 63-Jährige, der auch für seine meinungsstarken Vorträge bekannt ist. "Wir lassen uns die Toten stehlen, bahren sie in kalten Leichenhallen auf. In einer Kühltruhe kann Liebe nicht gedeihen." Der Tod – so seine Überzeugung – gehöre untrennbar zum Leben. "Für mich ist ein Leitgedanke, den Mascha Kaléko gesagt hat: 'Den eignen Tod, den stirbt man nur, den Tod der anderen muss man leben!'"

Deshalb sollten sich Trauernde auch jede Freiheit nehmen: "Ich erlaube meiner Klientel umzusetzen, was sie in ihrer Trauerliebe will." Hinterbliebene dürfen bei ihm den Sarg selbst bauen, die Toten waschen und anziehen. Roth gestattet ihnen auch, die Verstorbenen mit nach Hause zu nehmen - auch mal länger, als es das Gesetz erlaubt: "Der Tod ist der beste Lehrmeister zu bürgerlichem Ungehorsam."

Diese Überzeugung setzt er auch auf seinem privaten Friedhof um, dem ersten seiner Art in Deutschland – für ihn ein "Platz der Kommunikation". Es gibt kein Eingangstor, keine Öffnungszeiten und keine Vorschriften, wie die Gräber auszusehen haben.

Seine Ermunterung: "Feiert die Toten, wo ihr mit ihnen die Geburtstage gefeiert habt. Denn das steckt ja im Wort Trauerfeier. Trauern bedeutet: Gefühle zeigen. Feiern heißt: Danke, dass dieser Mensch gelebt hat."

Fritz Roth ist heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr zu Gast bei Gisela Steinhauer.
Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Literaturhinweis:
Fritz Roth: "Das letzte Hemd ist bunt: Die neue Freiheit in der Sterbekultur", Campus Verlag 2011

Internetseite von Fritz Roth

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