Seit 06:40 Uhr Aus den Feuilletons
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 06:40 Uhr Aus den Feuilletons
 
 

Feiertag / Archiv | Beitrag vom 28.02.2016

Leben im KlosterBesondere Orte, um Gott zu dienen

Von Harald Schwillus

Die Benediktinerabtei Kloster Ettal in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen (dpa / picture alliance / Andreas Gebert)
Die Benediktinerabtei Kloster Ettal in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen (dpa / picture alliance / Andreas Gebert)

Wie wohnen die Menschen in Klöstern? Sind Fernseher, Handy und Computer erlaubt? Stimmt es, dass die Benediktiner bei der Mahlzeit schweigen müssen? Beim Eintreten in ein Kloster begibt man sich in eine andere Welt – die aber nicht isoliert von ihrer Umgebung ist.

Langsam geht nun – Ende Februar – auch die Zeit der Neujahrsempfänge zu Ende. Aus beruflichen, aber auch aus persönlichen Gründen werde ich da und dort in dieser Jahreszeit dazu eingeladen. Auf eine Einladung freue ich mich dabei immer wieder ganz besonders. Es ist die für den Neujahrsempfang in Kloster Medingen in der Lüneburger Heide: mit Gottesdienst in der Klosterkirche, Empfang im Festsaal und Ansprachen und guten Gesprächen im Brauhaus bei leckeren Schnittchen. Seit nun schon etlichen Jahren bin ich dort aus diesem und anderen Anlässen gern zu Gast. Medingen ist seit der Reformation ein evangelisches Damenstift. Es ist ein besonderer Ort am Rande von Bad Bevensen mit einer wunderschönen geschlossenen Bauanlage aus dem 18. Jahrhundert. So gern wie in Medingen bin ich auch einmal im Jahr im Herbst in einem anderen Kloster: in Ettal bei Oberammergau. Dort leben Benediktinermönche.

Beide Klöster sind besondere Orte, und es ist gut, dass es sie gibt. Doch damit dies so sein kann, müssen Menschen dort wohnen und diese Orte lebendig halten. Da geht es natürlich um deren geistliches Selbstverständnis. Doch dazu gehören auch Fragen der täglichen Lebensführung: Wie und in welchen Räumen wohnen die Menschen, die die Klöster lebendig erhalten heute? Wie sind die Mahlzeiten gestaltet, welche Bedeutung hat die Gemeinschaft mit den anderen Mitgliedern des Hauses? Das katholische Benediktinerkloster Ettal und das evangelische Damenstift Kloster Medingen bei Uelzen sind zwei sehr unterschiedliche Orte mit ebenso unterschiedlichen Organisationsformen des täglichen Lebens.

Klöster sind besondere Orte. Das sieht man bei den meisten schon an ihrer Baugestalt. Natürlich gibt es auch die vielen kleinen unscheinbaren Klöster, die in Mietshausetagen eingerichtet sind oder sich in den Städten in die Fassaden der Straßen einfügen. Doch alle – die deutlich sichtbaren und die wenig erkennbaren Klöster – sie alle sind 'andere Orte'. Spätestens beim Eintreten in das Innere wird das deutlich. Es sind Räume für Menschen, die miteinander leben – und ein Leben lang miteinander auskommen wollen. Lage und Architektur eines Klosters können dies unterstützen. Im Zentrum steht jedoch: Klöster sind Orte, die den Menschen deutlich machen können, dass für Christinnen und Christen Gott ausdrücklich im Mittelpunkt steht.

Das beginnt schon mit scheinbaren Äußerlichkeiten wie den baulichen Bedingungen. Frater Karl Pierz, Mönch in Kloster Ettal, beschreibt dies so:

"Was für mich wichtig ist am Klosterleben fängt ganz banal an; die Äußerlichkeiten müssen für den einzelnen stimmen. Bei uns ist natürlich die Landschaft sehr schön; ein sehr schönes Haus, ein weites Haus und auch eine sehr schöne Kirche natürlich; eine sehr helle und lichte Kirche. Daneben eine Gemeinschaft, zu der man gehört – mit dem Chorgebet, das einen durch das Leben mittragen muss. Ich hab‘ früher den Novizen im Unterricht immer gesagt, wenn ich das Chorgebet mittrage durch mein regelmäßiges, ständiges Mitbeten, aktives Mitbeten, dann kann es in schwierigen Zeiten, das Chorgebet auch mich wieder tragen. Neben dem Chorgebet natürlich auch die Messe und vor allem auch die feierlichen Gottesdienste – Ostern, Weihnachten, Pfingsten und Mariä Himmelfahrt, dem Patrozinium –, wenn wirklich sehr festliche Gottesdienste gefeiert werden, gegebenenfalls auch mit Kirchenchor und schöner Musik."

Das tägliche Leben in Kloster Ettal folgt auch heute einem jahrhundertealten Rhythmus von Gebet und Arbeit. Das Gemeinschaftsleben der Mönche nimmt einen großen Teil des Tages ein: viermal täglich verrichten sie gemeinsam das Chorgebet, gemeinsam nehmen sie an der Messe teil, gemeinsam sitzen sie bei den Mahlzeiten. Schon dieser Rhythmus macht das Kloster zu einem besonderen Ort, an dem – so heißt es in der Benediktsregel – dem Gottesdienst nichts vorgezogen werden soll. Diese Regel stammt aus dem 6. Jahrhundert, doch ist sie kein Museumsstück. Was Benediktiner-Sein zu einer bestimmten Zeit an einem konkreten Ort bedeutet, muss immer wieder neu ‚durchbuchstabiert‘ werden. Dies gilt für die Gestaltung des Gemeinschaftslebens und die Gottesdienste ebenso wie für das Wohnen des einzelnen Mönchs. So schliefen die Mönche in den mittelalterlichen Klöstern noch gemeinsam in einem großen Schlafsaal, später dann hatte jeder seine eigene Zelle, um dort allein sein zu können. Auch im 20. und 21. Jahrhundert gilt es, die Benediktsregel angesichts der Lebensumstände vor Ort in Mitteleuropa neu zu lesen und das Verhältnis von Gemeinschaft und Individuum neu auszutarieren. Und das hat auch für die Ausstattung eines Mönchszimmers Folgen. Frater Karl Pierz, der seit nunmehr 34 Jahren in Ettal lebt, erläutert dies so:

"Jeder hat sein eigenes Zimmer seit den 50er Jahren, mit den Einrichtungsgegenständen, die man halt braucht fürs Leben: ein Bett, Schreibtisch, Stuhl, Kniestuhl zum Beten, wenn jemand das mag; und seit etwa 20 Jahren hat auch jeder seine eigene Nasszelle, braucht also nicht mehr auf den Gang hinausgehen, um Wasser zu holen, sich zu duschen oder auf die Toilette zu gehen. Was einerseits natürlich sehr praktisch ist, sehr gut ist, kann aber auch im Zweifelsfall zu einer gewissen Ausgrenzung führen, wenn man sich zu sehr aufs Zimmer flüchtet; aber das kommt eigentlich nur relativ selten vor."

Doch wie ist ein solches Zimmer noch eingerichtet? Dazu noch einmal Frater Karl Pierz:

"Also mit den Einrichtungsgegenständen kann das eigentlich jeder handhaben wie er möchte. Er kann von zuhause, von sich Möbelstücke mitbringen oder es gibt natürlich auch einen Fundus hier im Haus von den verstorbenen Mitbrüdern, zum Teil auch sehr schöne alte Möbel. Es kann sich also jeder einrichten wie er mag; und heutzutage gehört natürlich auch zwangsläufig Computer oft dazu, wenn man ihn wirklich braucht, und Telefon ist mittlerweile ganz selbstverständlich: Haustelefon, aber auch ein Telefonanschluss nach draußen, wie man sagt, wenn man ihn wirklich braucht; aber viele Mitbrüder, die wirklich ständig an ihren Arbeitsplatz gerufen werden müssen, die haben auch mittlerweile ein Handy."

Frater Karl Pierz hat ein Handy. Er muss ständig erreichbar sein, da er sich um die kranken Schüler des Internats kümmert. Zudem ist er Organist und leitet den Kirchenchor. Auch in seiner Freizeit, auf seinem Zimmer, hört er gern Musik.

"Also, auf dem Zimmer kann man auf jeden Fall Radio haben, eine Musikanlage, wenn jemand gerne Musik hört. Fernsehen ist etwas eingeschränkt; die älteren Mitbrüder haben öfter mal einen Fernseher, wenn sie nicht mehr so mobil sind. Aber auch das setzt sich mittlerweile langsam durch, weil man auf dem Computer auch alles anschauen kann mittlerweile. Es wird halt immer auch mit dem Abt dann abgesprochen, ob ich so etwas besitzen darf oder eben nicht. Was aber im Normalfall eigentlich kein Problem darstellt."

Im 16. Jahrhundert wurden in vielen evangelisch gewordenen Ländern die Klöster aufgelöst und ihr Vermögen in öffentliche Kassen überführt. Dennoch traf dieses Schicksal nicht alle. So führten nicht wenige Frauenkonvente – vor allem im heutigen Niedersachsen – zwar die Reformation ein, doch blieben sie als religiöse Gemeinschaften bis heute bestehen.

Neben anderen zählen zu diesen die sogenannten Lüneburger Klöster Ebstorf, Isenhagen, Lüne, Medingen, Walsrode und Wienhausen. Sie sind durch Herzog Ernst von Celle in 16. Jahrhundert nicht aufgehoben, sondern in evangelische Damenstifte umgewandelt worden. Ihr Vermögen zog der Herzog zwar in weiten Teilen ein, doch verpflichtete er sich und seine Nachfolger, für den Unterhalt der Einrichtungen zu sorgen. Seit 1963 ist dafür im Land Niedersachsen die Klosterkammer Hannover zuständig. So bestehen bis in unsere Tage auch die mittelalterlichen Gebäude der Lüneburger Klöster, in denen heute die Stiftsdamen, die Konventualinnen, eigene Wohnungen haben. Eine architektonische Besonderheit ist jedoch das Kloster Medingen: die Klostergebäude brannten in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1781 vollständig nieder; auch die Kirche war erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Wahrscheinlich war ein überhitzter Ofen die Ursache für die Feuerkatastrophe. Aber alles Schlimme hat auch seine guten Seiten. Der Brand machte einen kompletten Neubau von Kloster und Kirche nötig. Und die Wohnungen der Konventualinnen konnten sich dabei an den Raum- und Lebensbedürfnissen von Damen aus der adeligen oder städtischen Führungsschicht orientieren.

Die damals entworfenen Räumlichkeiten entsprechen auch heute noch den Wohnvorstellungen. Ich habe darüber mit Frau Dr. Kristin Püttmann gesprochen. Die Kunsthistorikerin leitet seit 2012 das evangelische Damenstift Kloster Medingen als Äbtissin.

 "Da wir, wenn man so will, eine Bauidee des End-18. Jahrhunderts darstellen, einen Neubau, der bedingt ist durch einen entsetzlichen Brandschaden, können wir sagen, dass wir in einem wunderschönen baulichen Zusammenhang leben, da die einzelnen Wohnungen der Konventualinnen in gleicher Weise über eine Grundfläche von 80 m² verfügen, eigene Bäder, eigene Küchen haben, und sehr schöne große Sprossenfenster und wunderhübsche Holzböden. Das ist dem Umstand geschuldet, dass wir hier in einem Neubau wohnen und nicht auf die alten baulichen Verhältnisse zurückgreifen."

Die Wohnungen der Konventualinnen des evangelischen Damenstiftes Kloster Medingen bestehen aus drei Zimmern, Küche und Bad. Wie sie sich einrichten, ist den Damen selbst überlassen, betont die Äbtissin:

 "Man hat im Wesentlichen seine eigenen Möbel in den Räumen. Die Damen, die hierher ziehen, bringen ihre persönlichen Gegenstände und Möbel mit. Sie verschenken also niemandem irgendetwas, weil sie entsagungsvoll in eine Klosterzelle übersiedeln, sondern nehmen die Dinge, die ihnen ans Herz gewachsen sind, mit; ergänzen sie hier und da. Gleichzeitig haben wir einen wunderbaren alten Möbelbestand im Haus, der durch den Umstand existiert, dass mit dem Sterben der einzelnen Konventualin jeweils ein Gegenstand dem Haus vermacht wurde – testamentarisch. Und da vermachte man dem Haus gerne Schränke, die vielleicht die übrige Familie nicht mehr zu stellen wusste."

Die Mönche im katholischen Kloster Ettal verbringen viel Zeit in Gemeinschaft. Neben Gottesdienst und Chorgebet gehören dazu auch die Mahlzeiten, da die Zimmer über keine Küche oder Kochgelegenheit verfügen. Bei Mittag- und Abendessen wird in der Regel geschwiegen und einer Tischlesung zugehört. Doch was gibt es zu essen? Auch dazu Frater Karl Pierz aus dem Benediktinerkloster Ettal:

//"Das Frühstück wird, wie alle Mahlzeiten, im Refektorium eingenommen. Da kann aber jeder kommen, wann er will; also zwischen etwa Dreiviertel Sieben und neun Uhr. Es ist alles dort auf einem Buffet, Brot, Semmeln, Butter und Marmelade, Käse, Aufschnitt, Quark, Honig, Marmelade – ist das normale Frühstück. Da kann sich jeder nehmen. Mittag- und Abendessen werden ja gemeinsam eingenommen und da kommt das Essen aus der Küche. Normalerweise weiß man nicht, was es gibt, wird aber dem Fest, dem Werktag, je nachdem entsprechend bereitet, oder wenn Fasttag ist, freitags oder Fastenzeit überhaupt, wird auf Fleisch weitestgehend verzichtet; außer beim Mittagessen. Und es ist eigentlich ganz normales Essen, wo jeder das gleiche bekommt. Wenn man zwischendurch etwas essen möchte, gibt’s im Refektorium die Möglichkeit, wo Getränke stehen. Und man kann da dann Brot, bissel Obst, Butter, Marmelade holen, wenn man das möchte."

Anders als in Kloster Ettal ist das Gemeinschaftsleben im evangelischen Damenstift Kloster Medingen geregelt. Dies beginnt schon bei den Mahlzeiten, die jede Dame für sich selbst in ihrer eigenen Küche zubereitet. Überhaupt folgt das Leben dort einem anderen Rhythmus, wie Äbtissin Kristin Püttmann erzählt:

"Wir leben hier nicht in, sagen wir mal, katholisch-klösterlichem Zusammenhang. Unser Tag ist auch nicht strukturiert durch Stundengebete. Dadurch dass wir evangelisch sind, führt jede Dame ihren individuellen Haushalt und wir haben nicht einen regelmäßigen gemeinschaftlichen Mittagstisch. Den haben wir übrigens schon seit dem Ende des 16. Jahrhunderts nicht mehr. Also: jede Dame wirtschaftet für sich, aber wir haben natürlich gemeinschaftliche Veranstaltungen und Tagesordnungspunkte. Das heißt, wir treffen uns regelmäßig im sogenannten Konvent hier in dem wunderbaren alten Kapitelsaal und besprechen die Dinge, die unser Haus betreffen. Es geht dabei um Führungen, es geht dabei um kulturelle Veranstaltungen, es geht dabei darum, wer jeweils für einen Monat im Jahr die Andachten vorbereitet, denn freitags abends haben wir regelmäßig Wochenschlussandachten, die wir selber bestreiten. Dann nehmen wir auch regelmäßig an den sonntäglichen Gottesdiensten teil. Das ist in gewisser Weise auch eine – aber gern wahrgenommene – Verpflichtung. Und dann gibt es neben dem Führungsdienst in der Sommersaison für die Damen hier und da Ämter, die sie mit Freude erfüllen und die eigentlich nur dazu beitragen, dass dieser historisch gewachsene Komplex erhalten bleibt. Nicht zuletzt Gartenarbeit."

Klöster sind "andere Orte". Sie machen sichtbar, dass es im Leben nicht nur um die Frage von Nützlichkeiten geht. Sie weisen auf anderes hin. Dieses andere kann darin bestehen, dass eine Gemeinschaft vorlebt, dass dem Gottesdienst und dem Gebet nichts vorzuziehen ist, wie dies etwa die Benediktiner in Kloster Ettal tun.  Das bedeutet jedoch nicht, dass sie sich von der Welt einfach fernhalten – und das geht auch gar nicht – schon allein aufgrund der Tatsache, dass das Kloster seinen Lebensunterhalt selbst erwirtschaften muss. Aber auch jenseits dieser Notwendigkeit ruhen die Mönche nicht in sich selbst: neben Brauerei, Buchhandlung, Hotel und anderen Wirtschaftsbetrieben unterhält das Kloster ein Internat und eine Schule. Der andere Ort Kloster Ettal steht dadurch in lebendigem Kontakt mit der Welt. All dies bedeutet für jeden Mönch die Aufgabe, eine Balance zwischen dem Leben im Kloster und seinen Bezügen nach außerhalb der Klostermauern zu finden. Frater Karl Pierz aus diesem Benediktinerkloster fasst dies so zusammen:

"Man ist natürlich zunächst mal fest an diesen Ort, dieses Haus und diese Gemeinschaft gebunden, aber heutzutage gehen natürlich viele Aufgaben auch nach draußen. Das fängt beim Studium oder Berufsausbildung an. Da ist man auch draußen in der Welt. Man hat also immer wieder auch Kontakt nach draußen, wie man sagt, auch über Familie, Freunde, Bekannte. Man macht ja auch Urlaub, man darf drei Wochen im Jahr Urlaub machen. Was aber eigentlich ganz schön ist, dass man wirklich an diesem Ort und in dieser Gemeinschaft familiär eingebunden ist; sollte man zumindest sein. Und dann kommt man immer wieder auch gerne zurück in den Schoß der Familie. Das muss durchs Leben natürlich tragen, die anderen müssen einen mittragen, ich muss die anderen mittragen, damit das Ordensleben dann auf Dauer auch gelingen kann."

Das Leben im Kloster steht in beständiger Beziehung zum gesellschaftlichen Umfeld, in dem es liegt. Und zugleich ist es eine besondere Wohn- und Lebensform, die sich vor aller Augen unter den Anspruch der christlichen Botschaft stellt. Klöster sind damit besondere Orte, wie es die Äbtissin des evangelischen Damenstifts Kloster Medingen für ihr Haus beschreibt:

"Die Bedeutung eines solchen Ortes ist – über die Jahrhunderte immer wieder modifiziert, aber im Kern eigentlich dieselbe geblieben – es ist ein anderer Ort. Das heißt, die Gesellschaft braucht diese anderen Orte. Es heißt nicht, dass man nun ständig uns aufsucht, aber dass wir da sind, das ist vielleicht das Wichtige. Unsere spezielle ureigene Idee ist natürlich Christentum zu leben. Wir zeichnen uns jetzt nicht durch Rückzugstätigkeiten aus oder irgendwelche spirituellen Angebote, wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir mitten im Leben stehen und immer mehr versuchen an der Seite der Menschen zu sein. Das heißt, die großen Fragestellungen, die gerade Christsein heute betreffen können, machen vor unserer Tür nicht halt."

Klöster sind "andere Orte", in ihnen leben aber keine anderen Menschen als wir es sind. Dort wohnen und arbeiten Christinnen und Christen, die sich entschlossen haben, in einer Gemeinschaft unter dem Anspruch des Evangeliums unter den Bedingungen von Zeit und Gesellschaft heute zu leben; und sie leben dies sichtbar vor aller Augen. Dabei geht es nicht um persönliche spirituelle Höchstleitungen, sondern um das Ernstmachen mit einem gemeinsamen Leben, bei dem Gott im Mittelpunkt steht. Fragen des Wohnens und des täglichen Lebens gehören dabei notwendig dazu.

Und all das kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen: im Rhythmus eines gemeinsamen Tagesablaufs wie im Benediktinerkloster Ettal oder in christlicher Gemeinschaft mit individuellerer Tagesgestaltung wie im Damenstift Kloster Medingen, in größerer Zurückgezogenheit oder in bewusster Öffnung auf Welt und Gesellschaft hin, evangelisch und katholisch.

Männer und Frauen, die in Klöstern leben und wohnen, halten auf jeden Fall "andere Orte" offen und weisen damit auch auf den ganz Anderen, auf Gott und seine Frohe Botschaft für die Menschen hin.

Mehr zum Thema:

Allein, für Gott und die Menschen - Ein christlicher Eremit in Brandenburg
(Deutschlandradio Kultur, Feiertag, 13.9.2015)

Klosterfrau Melissengeist - Das besondere Heilwasser einer Nonne
(Deutschlandradio Kultur, Religionen, 14.2.2016)

Dominikaner in Hamburg - Meister Eckhart und die Obdachlosenhilfe
(Deutschlandradio Kultur, Religionen, 14.2.2016)

Feiertag

Bei den Dresdner Kapellknaben zu HauseVerkündigung direkt ins Herz
Die Dresdner Kapellknaben stehen am 19.12.2013 in der Staatskanzlei in Dresden (Sachsen) beim Adventssingen nebeneinander. Foto: Sebastian Kahnert/dpa | (dpa-Zentralbild/Sebastian Kahnert)

"Wer singt, betet doppelt", sagt Augustinus. Die Dresdner Kapellknaben folgen diesem Rat seit mehr als 300 Jahren. An Sonn- und Feiertagen erklingt ihr Gotteslob in der Dresdner Kathedrale, der einstigen Hofkirche. Durch seinen exzellenten Gesang schaffte es der Knabenchor sogar auf die Welterbeliste. Ebenso gepflegt wird ein christliches Gemeinschaftsleben, das Kinder und Jugendliche nachhaltig prägt. Ein Porträt.Mehr

weitere Beiträge

Religionen

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur