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Lesart / Archiv | Beitrag vom 23.01.2016

"Le Monde diplomatique" über KolonialismusGeschichten von Gewalt und friedlichem Widerstand

Dorothee D'Aprile im Gespräch mit Shelly Kupferberg

Tänzer von der Insel Okinawa performen während des 51. Eisa Festival im August 2006 (picture alliance / dpa / epa Hitoshi Maeshiro)
Tänzer auf Okinawa - die Insel war nicht immer japanisch (picture alliance / dpa / epa Hitoshi Maeshiro)

Um Kolonialismus geht es in der neuen Edition "Le Monde diplomatique". Auf über 100 Seiten sind hier die besten Texte zum Thema aus der Monatszeitung vereint. Und auch wer sich auf dem Gebiet schon auskennt, erfährt Neues - zum Beispiel über das Kaiser-Wilhelm-Land.

Das neueste Heft der Edition "Le Monde diplomatique" widmet sich dem großen Thema Kolonialismus. Auf gut hundert Seiten kann die Globalgeschichte des Kolonialismus mit seinen Auswirkungen auf die Gegenwart natürlich nur exemplarisch dargestellt werden.

Drei Aspekte bestimmten die Auswahl der Texte aus dem riesigen Fundus der Monatszeitung "Le Monde diplomatique":

1. Inwiefern ragt die koloniale Vergangenheit in die Gegenwart hinein?
2. Ist das Thema originell? Was könnte die Neugier der LeserInnen wecken?
3. Kolonialismus ist nicht nur eine Geschichte der Gewalt, sondern, im Sinne von Gayatri Chakravorty Spivak, auch eine "befähigende Verletzung" (enabling violation), und eine Geschichte gegenseitiger Abhängigkeiten.

Ein wunderbarer Aufsatz ganz am Ende

Neben den bekannten Kolonialismus-Themen (Ausbeutung der Silberminen, Sklavenhandel, Abolitionismus-Bewegung oder Unabhängigkeitskriegen von Algerien bis Vietnam) werden manche Leser sicher Neues erfahren: Dass zum Beispiel die Insel Okinawa, wo sich die Bevölkerung gerade vehement gegen eine neue gigantische US-Militärbasis wehrt, nicht immer japanisch war, dass es in Neuguinea einmal eine deutsche Kolonie gab, die Kaiser-Wilhelm-Land hieß, dass die Gründer der baltischen Hafenstädte übelste Rassisten waren, die sich in Livland wie die Spanier in Peru aufführten...

Kolonialismus ist nicht nur eine Geschichte der Gewalt. Es ist auch eine Geschichte des friedlichen Widerstands und kulturellen Austauschs, wie last not least der wunderbare Aufsatz von Tahar Ben Jelloun zeigt: "Meine zweisprachige Sprache. Vom Ein- und Auswandern der Worte. "Der Marokkaner schreibt ausschließlich auf Französisch und endet mit einem Plädoyer, das man allen bornierten Nationalisten dieser Welt entgegenschleudern möchte: "Sprache ist ein Land ohne Grenzen, ohne Polizei, ohne Staat, ohne Gefängnisse. Sprache gehört niemandem."

Edition Le Monde diplomatique: Auf den Ruinen der Imperien Geschichte und Gegenwart des Kolonialismus
112 Seiten, 8,80 Euro

 

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