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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 07.05.2008

Las-Vegas-Ehe mit Folgen

Neu im Kino: "Love Vegas", "Badland"

Vorgestellt von Hans-Ulrich Pönack

In der Komödie "Love Vegas" wird aus einem One-Night-Stand eine Blitzheirat, die das Paar – gespielt von Cameron Diaz und Ashton Kutcher – schnell wieder lösen will. Doch ein Richter verpflichtet sie auf eine sechsmonatige Probeehe. "Badland" ist das erschütternde Psychogramm eines Menschen, der als Soldat in Irak und Afghanistan war.

"Love Vegas"
USA 2008, Fox - Regie: Tom Vaughan, Hauptdarsteller: Cameron Diaz, Ashton Kutcher, ab sechs Jahren

Der englische Regisseur Tom Vaughan debütierte 2006 in Hollywood mit dem - bei uns unbekannt gebliebenen - Film "Starter For 10". Hier nun ist voll Komödie annonciert: Mit Joy und Jack. Sie, eine erfolgreiche New Yorker Börsenfrau, Marke: clevere, rassige Blondine, wird gerade von ihrem Lover vor all ihren Freunden aus der Beziehung "entlassen". Er dagegen, Marke: Jungspund-Hallodri, hat gerade seinen Job im elterlichen Betrieb verloren.

Was macht man, wenn man sich "drüben" im Herz-Schmerz-Vergessen-Wollen-Taumel befindet (und die nötige Kohle hat) - man düst schnell mal, mit Kumpel bzw. Kumpeline, am Wochenende gen Las Vegas, um sich ausgiebig zu amüsieren. Und dort treffen die beiden natürlich aufeinander. Und es kommt wie es (im Kino) nun mal kommen muss, anmachen, saufen, tanzen, saufen, anmachen usw. usw. Am nächsten Morgen ist aus dem One-Night-Stand eine Über-Nacht-Blitz-Heirat geworden. Der Kater ist bombastisch. Und ernüchternd. Natürlich will man die schnelle Scheidung.

Doch dann knackt Jack mit einem Geldstück von Joy - eher beiläufig - den Jackpot eines Automaten. Drei Millionen Dollar lautet der Gewinn, den nun beide voll und ganz für sich beanspruchen. Doch der zuständige Richter ist genervt. Von all diesen unreifen jungen Erwachsenen, die nur Spaß haben und keine Verantwortung übernehmen wollen. Sechs Monate Probe-Ehe diktiert er. Wer aufgibt, verliert das viele Geld. Fortan ist "Rosenkrieg" angesagt.

Leichtes, aber keineswegs nur seichtes Kintopp. Angesiedelt zwischen Gefühl und Gags. Mit romantischem Augenzwinkern und hübschen Pointen. Unterhaltung wird bedient, und das gar nicht einmal so schlecht: Weil sich Cameron Diaz (35) und Ashton Kutcher (31) mächtig ins Kabbel-Zeug legen. Wobei eindeutig sie die Punktsiegerin ist. Aus dem ewigen Strahlemädchen mit Grinse-Standard ist eine "interessante" Schauspielerin geworden (siehe auch zuletzt "In den Schuhen meiner Schwester", 2005, mit Toni Collette und Shirley MacLaine; davor war sie einer der "3 Engel für Charlie", 2003, 2000 und als Objekt der Begierde in "Verrückt nach Mary", 1998 zu sehen).

Er dagegen kommt nicht so recht in die A-Darsteller-Puschen; sieht auch immer wie so ein "betroffener junger Hund" aus, der während seiner Prägungsphase zu viel Prügel bezogen hat (zuletzt "Jede Sekunde zählt - The Guardian", 2006, neben Kevin Costner; davor in "Partyalarm - Hände weg von meiner Tochter", 2003 und "Wild Christmas", 2000). An Traumpaare à la Katharine Hepburn, Cary Grant aber darf man nicht im Entferntesten denken, soll man aber wohl auch gar nicht. Stattdessen: Hier setzt man auf ordentliche Hausmannskost "von der hollywoodschen Unterhaltungsstange": Also auf ganz ulkiges, recht flottes, frisch-fröhlich-fromm-freies Schnellverbrauchs-Okay-Kino.

"Badland" (NUR IM ZUSAMMENHANG MIT DEM FILMSTART)"Badland"
USA 2007, Regie: Francesco Lucente, Hauptdarsteller: Jamie Draven, Grace Fulton, ab 16 Jahren

Die ersten beiden Spielfilme von Francesco Lucente (B+R), einem 48-jährigen Kanadier, dessen erste beiden Spielfilme waren die Teenager-Komödie "The Virgin Queen Of St. Francis High" (1987) und das Drama "The Inner Voice" (1992). Hier nun blickt er auf das aktuelle Amerika, auf das traumatisierte Land USA, wobei er in der Spur von Filmen wie "Im Tal von Elah" (von Paul Haggis, mit Tommy Lee Jones), "Machtlos" (von Gavin Hood, mit Jake Gyllenhaal), "Operation Kingdom" (von Peter Berg, mit Jamie Foxx) von den fürchterlichen seelischen Qualfolgen von aktiven wie ehemaligen Irak-Soldaten erzählt. Der Krieg mag woanders stattfinden, doch seine Auswirkungen finden sich erst recht zu Hause.

Jerry war Soldat, hat in Afghanistan und im Irak gekämpft, bevor er unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde. (Warum, erfahren wir nicht.) Jerry haust in irgendeinem Wohnwagen in Wyoming. Der dreifache Familienvater lebt am Rande der Existenz, ist randvoll mit nicht bewältigten Gedanken, Gefühlen, Erlebnissen. Er hat ständig Albträume, kann seine (Dauer-)Wut kaum kontrollieren. Das Heim wirkt auf ihn wie ein Gefängnis, es ist ein schlimmes Leben. Weil Jerry gelernt hat, notfalls mit Gewalt "Probleme" zu lösen, rastet er eines Tages aus. Löscht seine Familie - fast - aus, erschießt seine ständig nörgelnde, schimpfende Ehefrau und seine beiden Söhne. Mit der überlebenden Tochter Celina begibt er sich auf den Fluchtweg.

Fortan konzentriert sich der Film auf das Innenleben dieses Mannes, der sowohl Täter wie auch Opfer zugleich ist. Ein Harter-Toback-Film, dieses ununterbrochen an die Birne hauende Psychogramm eines verständlicherweise "abscheulichen Menschen". Ebenso einfühlsam wie oftmals kaum nachvollziehbar - weil man ja den überraschenden, verblüffenden und sinn-ergebenden Schluss nicht kennt - geht es um einen "amtlich" entmenschten Menschen, der nicht mehr weiter weiß und nur noch "schuldig zu reagieren weiß". Ein Mensch zerfällt in seine seelischen Dunkelteile.

Schwer verdaulich dieser Film, aber notwendig mit all seinen schrecklichen wie erschreckenden Gedanken. "Badland", der in den USA äußerst kontrovers bis ablehnend aufgenommen wurde, ist ein Film, den man erst demnächst "komplett" werten, bewerten, auswerten, entdecken wird. Er benötigt viel (Nach-)Denk- und Diskussions-Zeit, und die gibt es heute - noch - nicht (der Krieg ist ja noch in vollem Gange, wie da schon reflektieren...). Sein Ungehorsam, seine bohrenden, quälerischen Fragen aber heben ihn schon heute aus der Masse der kommenden Irak-&-Folgen-Filme außerordentlich hervor.

Mit den ziemlich unbekannten Schauspielern Jamie Draven (der ältere Filmbruder von "Billy Elliot - I Will Dance"), der kleinen, bezaubernden Grace Fulton sowie Joe Morton ("Paycheck - Die Abrechnung"), Vinessa Shaw und Chandra West. Ein hochinteressant wie brandaktuell diskutabel aus dem Rahmen fallender "Kriegsfilm" als Co-Produktion USA, Deutschland. Mit Songs von Bruce Springsteen, Ray Lamontage und Joe Morton.

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