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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 20.09.2015

LacrosseVoll auf die Bälle

Von Elmar Krämer

Harte Gangart: Lacrosse-Meisterschaften in Duisburg. (dpa / picture alliance / Roland Weihrauch)
Harte Gangart: Lacrosse-Meisterschaften in Duisburg. (dpa / picture alliance / Roland Weihrauch)

Schlagen und schubsen - beim Lacrosse ist das kein Problem. Die Ballsportart ist vor allem in den USA und Kanada beliebt. Die Mitglieder des Berliner Vereins Blax geben alles dafür, dass sich Lacrosse auch in Deutschland durchsetzt.

"Lacrosse nennt sich auch 'Kleiner Bruder des Krieges'. Man hat einfach tagelang Lacrosse gespielt, man hat aber eben nicht die ganzen Toten und die Verluste des Krieges gehabt."

Das Spiel wurde von Indianern im heutigen Kanada entwickelt, die es auch als Vorbereitung oder sogar als Alternative zum Kampf nutzten. Vor allem in den USA und in Kanada ist Lacrosse Volksport und wird in Schulen und Universitäten gespielt. Der Berliner Lacrosse-Verein Blax war der erste Verein seiner Art in Deutschland.

"Der Verein wurde 1993 von Studenten gegründet, die den Sport in Amerika kennengelernt hatten, bei einem studentischen Austausch. Denen hat das dort sehr viel Spaß gemacht, und so wollten sie den Sport auch nach Deutschland bringen und haben hier in Berlin den Blax gegründet."

Mittlerweile hat der Verein rund 130 Mitglieder und ist sowohl bei den Frauen und Männern als auch in der Jugend in der Bundesliga erfolgreich. Allein die Männer wurden fünfmal Deutscher Meister. Lacrosse ist eine harte Sportart: Zahnschützer sind Pflicht, bei den Männern auch Helme. Einige Spieler tragen auch Unterarmschützer, Handschuhe und Brustpanzer. Ungewöhnlich sind die Schläger. Lars Nitz, Trainer der Blax und Mitglied im Nationalkader:

"Jeder Spieler hat einen Schläger, der aus einem Stock besteht, mit einem Fangkorb oben, der aus einem Netz besteht. Mit dem fängt man den Ball in der Luft, passt den Ball durch die Luft und kann den Ball auch übers Spielfeld tragen. Verteidiger spielen mit einem 1,80 Meter langen Schläger und Angreifer und Mittelfeldspieler spielen mit einem ein Meter langen Schläger."

Das Team des Lacrosse-Vereins Blax aus Berlin. (Deutschlandradio / Elmar Krämer)Das Team des Lacrosse-Vereins Blax aus Berlin. (Deutschlandradio / Elmar Krämer)

Beim Zuspiel erreicht der Ball eine Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h, bei Torschüssen auch mal 150 km/h – ein gutes Schlägergefühl und schnelle Reflexe sind das A und O beim Lacrosse. Sprintet ein Spieler in Ballbesitz über den Platz, dreht er den Schläger:

"Das Drehen nennt sich 'cradlen'. Das ist eine Technik, die man anwendet, damit der Ball im Laufen nicht rausfällt."

Kleine Tore wie beim Eishockey

Gespielt wird auf einem Fußballplatz mit, wie beim Eishockey, eingerückten kleinen Toren in die mit den Schlägern der tennisballgroße Hartgummiball geschleudert werden soll. Bei den Männern spielen zehn gegen zehn, bei den Frauen zwölf gegen zwölf. Männer-Lacrosse ist deutlich körperbetonter:

"Bei den Herren spielt man mit Vollkörperkontakt, das heißt man darf seinen Gegenspieler schlagen mit dem Schläger, auf seine Arme und auf den Schläger. Man darf ihn auch wie beim Eishockey Bodychecken, mit der Schulter in ihn reingehen und versuchen, ihn zu Fall zu bringen. Das ist auch das was Spaß macht, dass man mit seinem ganzen Körper in den Zweikampf gehen kann."

Bei den Frauen ist das anders, erklärt Wiebke Gergeleit, Kapitän des Blax-Frauenmannschaft.

"Bei den Damen ist das mehr reguliert. Es findet Kontakt statt, aber man darf zum Beispiel nicht schubsen, man darf sich auch nicht in den Gegner reinlegen, wenn man selber den Ball hat und im Angriff ist. Was man aber darf ist auf den Schläger schlagen, wenn der Ball im Schläger ist, sodass er rausfällt und man ihn dann aufheben kann."

Körpergefühl, Reaktion, Kampf- und Teamgeist – Lacrosse ist ein Sport, bei dem es vor allem auf die Koordination von Ball und Schläger ankommt:

Lars: "Also mir macht es Spaß, mich komplett auszupowern, dafür ist Lacrosse auch sehr gut. Es sind auf jeden Fall harte Elemente dabei."

Wiebke: "Man kann vieles auf dem Platz ausprobieren und seine eigenen moves entwickeln und es sieht halt auch verdammt gut aus, dass muss man einfach mal sagen."

Lacrosse hat etwas für Taktiker, Techniker und Kämpfer. Und vielleicht wird "Der kleine Bruder des Krieges" ja eines Tages auch bei uns so beliebt wie in Amerika und Kanada – der Berliner Lacrosseverein gibt jedenfalls alles dafür.

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