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Konzert / Archiv | Beitrag vom 03.04.2012

"La Boulangerie"

Auf den Spuren von Lili und Nadia Boulanger

Musikhochschule Stuttgart (Martin Storz)
Musikhochschule Stuttgart (Martin Storz)

La Boulangerie – die Bäckerei. In diesem Fall: Ein Familienbetrieb, zwei Schwestern arbeiten für das Produkt. Aus dem Ofen kommen allerdings keine Brötchen, sondern Musik. Ein Ohrengenuss ist zu entdecken: die Musik der Schwestern Lili und Nadia Boulanger.

Alphabetische Ordnungen sind nüchtern, in ihrer stummen Neutralität aber manchmal auch komisch. Der alphabetische Zufall will es, dass in Musiklexika auf Boulanger Boulez folgt. Eine heikle Konstellation: Man mochte sich nicht sonderlich, kämpfte man doch für entgegengesetzte Ziele – der Komponist und Dirigent Pierre Boulez für die Neuerfindung der Musik aus dem Geiste der Zahl, die eine Generation älteren Schwestern Lili und Nadia Boulanger für die Neubelebung der Musik aus dem Geiste der klassischen Form. Ein epochaler Richtungsstreit der Musik in Paris.

Wenn heute der Name Boulanger fällt, ist zumeist Nadia (1887-1979) gemeint. Sie war eine brillante Organistin und Chorleiterin, die bei Gabriel Fauré studiert hatte. Das Komponieren stellte sie aber nach anfänglichen Versuchen bald ein. Dafür verlegte sie sich aufs Dirigieren (als eine der ersten Frauen überhaupt stand sie am Pult großer Orchester) und vor allem aufs Unterrichten, worin sie eine Koryphäe wurde: Herausragende Komponisten wie Leonard Bernstein, Elliott Carter und Aaron Copland kamen aus Amerika, um sich von ihr unterweisen zu lassen; Interpreten von Dinu Lipatti über Daniel Barenboim bis hin zu John Eliot Gardiner ließen sich von "Mademoiselle" zeigen, wie’s geht.

Im Gegensatz zu ihrer legendären älteren Schwester hatte Lili Boulanger (1893-1918) nicht viel Zeit: Wegen einer chronischen Krankheit konnte sie nur phasenweise arbeiten und ging dabei überaus selbstkritisch vor. In den fünf Jahren, die zwischen ihrem musikalischen "Durchbruch" und ihrem Tod lagen, schrieb sie ein paar Instrumental- und etwas mehr Chorwerke. Sie sind heute nur sehr selten zu hören, obwohl sich in ihnen eine originelle Antwort auf den großen Vorgänger Claude Debussy verbirgt. Ein Gesprächskonzert der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie Stuttgart bringt uns ein faszinierendes Kapitel der Klassischen Moderne näher und präsentiert uns eine im nahezu wahrsten Sinne des Wortes unerhörte Musik.



Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
Konzertsaal
Aufzeichnung vom 1.4.12

"La Boulangerie"
Ein Gesprächskonzert über die komponierenden Schwestern
Lili und Nadia Boulanger

Ausgewählte Werke für Klavier solo, Stimme und Klavier
sowie Chor und Klavier

ca. 20:50 Uhr Konzertpause mit Nachrichten

Sophie Marilley, Mezzosopran
Marcelo Amaral, Klavier
Württembergischer Kammerchor
Leitung: Dieter Kurz
Moderation: Helmut Wolf

Konzert

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