Seit 15:05 Uhr Entdeckertag
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 15:05 Uhr Entdeckertag
 
 

Kommentar | Beitrag vom 06.01.2016

Kurznachrichtendienst TwitterWenn weniger mehr ist

Von Falk Steiner

Beitrag hören
Ein Gadget mit dem Logo des Kurznachrichtendienstes Twitter Deutschland auf einem Besprechungstisch mit eingraviertem Zeichen Hashtag. (dpa/picture-alliance/Christian Charisius)
Hat den Hashtag berühmt gemacht: der Kurznachrichtendienst Twitter (dpa/picture-alliance/Christian Charisius)

Twitter überlegt, das Limit für die Länge eines einzelnen Beitrages von 140 auf 10.000 Zeichen anzuheben. Das würde den Charakter nachhaltig verändern – vor allem zum Schlechten.

"Fasse Dich kurz!" forderte einst die Bundespost von ihren Kunden. Kurz, das ist das Markenzeichen von Twitter, seitdem es existiert. 140 Zeichen, dann ist Schluss. Kein Platz für Schwurbeleien, kein Platz für Bundestagsreden. Nun heißt es, Twitter würde das Limit auf 10.000 Zeichen anheben wollen. 10.000 Zeichen, das sind drei sportlich eng beschriebene DIN-A4-Seiten. Die Redezeit der kleinen Bundestagsfraktionen in einer aktuellen Stunde passt dort schon fast hinein. Und wer will das wirklich lesen?

Es lebe die Verkürzung

Ja, es gibt Themen, für die 140 Zeichen zu kurz sind. Doch Twitter ist Verkürzung, Verknappung, Verdichtung, teils dadurch auch mal entstellend. Doch wer mehr sagen will, wer meint, wirklich mehr zu sagen zu haben, muss dies an einem anderen Ort im Netz tun – und kann per Twitter darauf hinweisen. Verlinkung, und das wird viel zu oft schon vergessen, ist das Wesen des Netzes. Nicht alles muss an einem Ort in aller Ausführlichkeit ausgebreitet sein – das hat schon Facebook nicht gut getan und Google Plus kaum benutzbar gemacht.

Ein Tweet zu einem Artikel, der zu einer wissenschaftlichen Veröffentlichung, einer gegenteiligen Meinung, einem Film, Audio oder einem Bild führt, das alles macht das Netz stark – unabhängig von der Frage, wie stark die Firma Twitter dasteht. Die Fehler der anderen zu wiederholen, dürfte dem kleinen der großen Social Media-Anbieter seinen Charakter und damit auch die Zukunft nehmen.


Programmtipps: 

Frage des Tages: XXL-Tweets - Mehr oder weniger Charme? - Streitgespräch aus "Kompressor"

Ein Kreuz macht Karriere - Kleine Kulturgeschichte des Hashtags 

Hier nachlesen und nachhören

 

Reaktionen bei Twitter

Mehr zum Thema

Netzreaktionen auf Übergriffe in Köln - Henriette Reker erntet Spott für Armlängen-Tipp
(Deutschlandradio Kultur, Aktuell, 06.01.2016)

Twitter-Hashtags 2015 - #JeSuisParis und #RefugeesWelcome
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 22.12.2015)

Frage des Tages: #BrusselsLockdown - Wofür stehen diese Katzen-Bilder?
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 23.11.2015)

#DoItLikeDeMaiziere - Wenn aus Verunsicherung Spott wird
(Deutschlandradio Kultur, Aktuell, 18.11.2015)

Kommentar

Nach dem BrexitAufstehen, besser machen, Europa!
Eine barmende Ökonomin in Frankfurt nach der Brexit-Abstimmung (dpa)

"Aufstehen, Kleider abklopfen, besser machen!", könnte man nach dem Brexit raten, wenn da nicht genug Populisten wären, die nach dem Ergebnis die gesamte Europäische Gemeinschaft in Frage stellen. Hans Dieter Heimendahl meint, die Krise gilt es für einen Neustart zu nutzen.Mehr

weitere Beiträge

Politisches Feuilleton

150 Jahre KöniggrätzDas Europa der Nationalstaaten scheitert
Das Denkmal für die Gefallenen der österreichischen "Batterie der Toten" in der Schlacht von Königgrätz im tschechischen Chlum, aufgenommen 2016 (picture alliance / dpa / Michael Heitmann)

Vor 150 Jahren siegte nicht nur Preußen über Österreich und dessen deutsche Verbündete: In Königgrätz wurde der Liberalismus vernichtet. Und mit ihm die Idee eines multikulturellen europäischen Reiches der Regionen. Daraus lassen sich Lehren für Europa heute ziehen, meint Wolfgang Herles.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur