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Lesart / Archiv | Beitrag vom 25.11.2012

Kurz und kritisch

Rabaya Müller und Lamya Kaddo: "Der Islam: Für Kinder und Erwachsene"; Malek Chebel: "Islam für Anfänger"

Von Patrick Wellinski

Ein gläubiger Muslim blättert in einem Koran. (Daniel Kopatsch/dapd)
Ein gläubiger Muslim blättert in einem Koran. (Daniel Kopatsch/dapd)

Rabaya Müller und Lamya Kaddo nähern sich in "Der Islam: Für Kinder und Erwachsene" den Glaubensgrundfragen der Religion über Alltagsfragen. Der arabische Intellektuelle Malek Chebel hat mit Islam für Anfänger" ebenfalls ein Einstiegs- und Orientierungswerk in die Geschichte des Islam geschrieben.

In Zeiten, in denen Karikaturen und schlecht gefilmte Schmäh-Parodien auf den Propheten Mohammed Konjunktur haben, ist ein Buch, das sich hellsichtig und intelligent dem interreligiösen Dialog verschreibt, eine reine Wohltat. Besonders, wenn es dazu noch so reich verziert und prächtig bebildert ist wie "Der Islam für Kinder und Erwachsene" der beiden Islamwissenschaftlerinnen Rabaya Müller und Lamya Kaddo.

Cover: "Der Islam für Kinder und Erwachsene" von Lamya Kaddor und Rabeya Müller (C.H. Beck)Cover: "Der Islam für Kinder und Erwachsene" von Lamya Kaddor und Rabeya Müller (C.H. Beck)Die Autorinnen nähern sich den Glaubensgrundfragen des Islam über Alltagsfragen, an denen sie gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet haben. Respekt, Liebe, Tanz oder die Eheschließung von einem Muslim und einem Nicht-Muslim rücken so ins Zentrum der Betrachtungen. Hier spürt man das ehrliche Bemühen der Autorinnen, den behandelten Themenkomplexen möglichst liberal und kritisch zu begegnen - und das über ein junges Publikum hinaus.

Ein heikler Balanceakt, der wohl leider auch dazu führte, dass drängende Fragen keinen Einzug ins Buch hielten. So bleibt die undurchsichtige Rolle der Koranschulen ebenso unerwähnt wie die Praxis der Ehrenmorde oder der Zwangsehe.

Nichtsdestotrotz steht die Notwendigkeit eines derartigen literarischen Vermittlungsversuches außer Frage. Unter dem Strich: eine Wohltat.

"Der Islam: Für Kinder und Erwachsene" von Rabaya Müller und Lamya Kaddo ist im Verlag C.H. Beck erschienen."

Cover: "Islam für Anfänger" von Malek Chebel (Primus Verlag)Cover: "Islam für Anfänger" von Malek Chebel (Primus Verlag)In Frankreich ist Malek Chebel einer der bekanntesten arabischen Intellektuellen. Dort widmet er sich in aller Regelmäßigkeit den große Konfliktpunkten zwischen Islam und Moderne. Dieser Gestus prägt auch den "Islam für Anfänger". Das Buch versteht sich als Einstiegs- und Orientierungswerk in die Geschichte des Islam und erörtert grundlegende theologische Fragen. Was sind die Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten? Was ist Sufismus? Und wie verhält es sich mit Liebe und Nichtliebe im Islam?

Zwar schildert Chebel die Entwicklungen und Positionen des Islam präzise, verständlich und anekdotenreich, doch als Grundlagenbeschreibung unterscheidet sich das Buch wenig von ähnlichen Überblickswerken.

Interessant sind bei Chebel deshalb jene Passagen, die sich mit aktuellen Tendenzen und Debatten auseinandersetzen, in denen er beispielsweise nach der Zukunft eines Hightech-Islam fragt. Dabei stört bei Chebels Argumentation seine rigorose Geradlinigkeit, die nur selten nach alternativen Deutungsmöglichkeiten sucht.

Wie in den meisten seiner vorherigen Werke, bleibt für ihn auch in "Islam für Anfänger" die islamische Orthodoxie die Wurzel vieler Missverständnisse. Ein sicherlich wichtiger Punkt, der durchaus eine Vertiefung verdient hätte.

"Islam für Anfänger" von Malek Chebel. Primus Verlag.

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