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Lesart / Archiv | Beitrag vom 27.02.2011

Kurz und kritisch

Grüne/Slanicka: "Korruption"; Diestel: "Aus dem Leben eines Taugenichts"; Beutler: "Das weiße Gold der Zukunft"

Buchseiten (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Buchseiten (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

In "Korruption" geht es um Bestechung in der Vergangenheit. "Aus dem Leben eines Taugenichts" ist die Autobiografie des letzten DDR-Innenministers. In "Das weiße Gold der Zukunft" geht es um Rohstoffvorkommen in Bolivien.

Niels Grüne/Simona Slanicka: Korruption. Historische Annäherung
Verlag Vandenhoek&Ruprecht

Cover: "Niels Grüne/Simona Slanicka: Korruption" (Verlag Vandenhoek&Ruprecht)Cover: "Niels Grüne/Simona Slanicka: Korruption" (Verlag Vandenhoek&Ruprecht)Sie ist vermutlich das zweitälteste Gewerbe der Welt, die Korruption. Eine schwergewichtige Anthologie versucht, einige historische Aspekte dieses Themas zu beleuchten. So wird zum Beispiel über die Korruption im Amerika des 19. und 20. Jahrhunderts berichtet. Wir lesen, wie mangelhafte Gesetze eine Atmosphäre schaffen, in der korrupte Politiker feinsinnig zwischen "ehrbarer" und "nichtehrbarer" Bestechung unterscheiden: zum Schutz einer Prostituierten Geld zu verlangen, war nicht in Ordnung, Insidergeschäfte im Bauwesen ganz klar eine feine Sache. Andere Aufsätze berichten über das alte Rom, die römisch-deutschen Königswahlen ab 1346 und die Korruption unter Friedrich dem Großen. Das Buch versammelt ehrbares akademisches Handwerk und hat das Zeug zu einem Grundlagenwerk der Geschichtswissenschaften zu werden.


Peter Michael Diestel/Hannes Hofmann:
Diestel - Aus dem Leben eines Taugenichts

Verlag Das Neue Berlin

Cover: "Diestel/Hofmann: Diestel - Aus dem Leben eines Taugenichts" (Verlag Das Neue Berlin)Cover: "Diestel/Hofmann: Diestel - Aus dem Leben eines Taugenichts" (Verlag Das Neue Berlin)Die Autobiografie von Peter Michael Diestel, dem letzten, immerhin demokratisch gewählten Innenminister der DDR, ist für Insider durchaus interessant, aber verlogen, eitel und extrem nostalgisch. Sie ist etwas für Historiker. Allgemein zu empfehlen ist sie nicht. Bemerkenswert ist - allerdings in negativer Hinsicht – der vordemokratische Ehrbegriff von Diestel. Dieser hat dazu geführt, dass er als Minister der alten kommunistischen Garde vom Ministerium des Innern und dem Ministerium für Staatssicherheit auf den Leim gegangen ist.

Er ließ sich von ihnen eine Politik der Aktenvernichtung diktieren. Soweit ist es bekanntlich nicht gekommen. Aber Diestel fällt schon auf als Typus jener bürgerlichen Politiker, die in der SED-Diktatur politisch angepasst gelebt hatten, und erst in der Wende aktiv wurden. Lothar de Maiziere, der letzte frei gewählte Ministerpräsident der DDR hatte in seiner Regierung einige von ihnen um sich versammelt. Diese Truppe hat sich zweifellos Verdienste um die Deutsche Einheit erworben, aber sie war eben auch ein Sammelbecken deformierter bürgerlicher Charaktere, wie sie nur in der DDR entstehen konnten.


Benjamin Beutler: Das weiße Gold der Zukunft. Bolivien und das
Lithium

Rotbuch Verlag

Lithium-Batterien treiben Handys, Laptops und Elektroautos an. Doch Lithium ist knapp. Ein Salzsee in Bolivien ist weltweit eine der wenigen Lagerstätten des leichten Metalls. Ob Zinn oder Gas – über die Jahrhunderte haben die bolivianischen Rohstoffvorkommen immer zur Bereicherung Weniger gedient. "Doch diesmal soll die Geschichte umgeschrieben werden", heißt es im Klappentext des Buches über "das weiße Gold der Zukunft, dem Lithium". Die Antwort auf die Frage, welche politischen, wirtschaftlichen und strukturellen Voraussetzungen erfüllt sein müssten, damit das Lithium im Lande verarbeitet werden und dem Armenhaus Südamerikas endlich mehr Wohlstand bescheren könnte, bleibt Autor Benjamin Beutler jedoch schuldig. Vielmehr verfehlt er sein Thema und referiert mit klassenkämpferischem Impetus die längst bekannte Geschichte der bolivianischen Rohstoffausbeutung. Über Industrialisierungspläne der bolivianischen Regierung lässt sich der Autor nur vage aus, und über die gesellschaftliche Diskussion bezüglich des Umgangs mit dem kostbaren Metall erfährt man ebenso wenig wie über Abbauverfahren oder mögliche Umweltfolgen.

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