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Lesart / Archiv | Beitrag vom 11.07.2010

Kurz und kritisch

Carl Schmitt: "Gespräch über die Macht und den Zugang zum Machthaber"; Klaus Bellin: "Es war wie Glas zwischen uns"; Ibrahim Evsan: "Der Fixierungscode"

Wie nützlich sind Internet-Ratgeber wie "Der Fixierungscode"? (Deutschlandradio - Jan-Martin Altgeld)
Wie nützlich sind Internet-Ratgeber wie "Der Fixierungscode"? (Deutschlandradio - Jan-Martin Altgeld)

In "Gespräch über die Macht und den Zugang zum Machthaber" geht es um die Machtfrage. "Es war wie Glas zwischen uns" zeigt die Geschichte von Mary und Kurt Tucholsky. "Der Fixierungscode" ist ein Internet-Ratgeber.

Carl Schmitt: Gespräch über die Macht und den Zugang zum Machthaber
Verlag Klett-Cotta

Cover: "Carl Schmitt: Gespräch über die Macht und den Zugang zum Machthaber" (Verlag Klett-Cotta)Cover: "Carl Schmitt: Gespräch über die Macht und den Zugang zum Machthaber" (Verlag Klett-Cotta)Noch immer, lange nach seinem fast 100-jährigen Leben und seinem Tod im Jahre 1985, bleibt Carl Schmitt eine faszinierende, widersprüchliche, und, ja, geniale Figur: universell gebildet, brillanter Schriftsteller, Politiker, Philosoph und Jurist. In seinen Schriften kreist sein Denken immer wieder um eine zentrale Frage: Was ist Macht und was macht sie aus dem Menschen? Dabei spielte für Schmitt die sich entfaltende Massengesellschaft eine große Rolle. Gewissermaßen als Extrakt dieser vielfältigen Gedanken kann sein kleinstes Buch gelten. Es hat nur 50 Seiten.

Darin heißt es: "Im letzten Jahrhundert hat sich uns das Wesen menschlicher Macht in ganz besonderer Weise enthüllt. Es ist nämlich seltsam, dass sich die These von der bösen Macht gerade seit dem 19. Jahrhundert verbreitet. Wir hatten doch gedacht, das Machtproblem wäre gelöst oder doch entschärft, wenn die Macht weder von Gott noch von der Natur stammt, sondern etwas ist, was die Menschen unter sich ausmachen ...

Aber gerade seit dem Zeitalter, in dem diese Vermenschlichung der Macht sich zu vollenden scheint – seit der Französischen Revolution -, verbreitet sich nun unwiderstehlich die Überzeugung, dass die Macht an sich böse ist." Zitat Ende. Hier haben wir was zum Nachdenken! Dabei hilft das sehr überzeugende Nachwort von Gerd Giesler, der dem Leser den zeitgeschichtlichen Kontext des Büchleins vermittelt …


Klaus Bellin: Es war wie Glas zwischen uns. Die Geschichte von Mary und Kurt Tucholsky
VBB Verlag

Cover: "Klaus Bellin: Es war wie Glas zwischen uns" (VVB Verlag)Cover: "Klaus Bellin: Es war wie Glas zwischen uns" (VVB Verlag)Mary Gerold war die zweite Ehefrau von Kurt Tucholsky und eine von vielen Frauen in seinem Leben. Die gebürtige Baltin lernte den Schriftsteller während des Ersten Weltkriegs kennen, sie lebten zusammen, sie heirateten, sie trennten sich. Sie blieb in Deutschland, als er 1933 in die Emigration ging, sie korrespondierten bis zu seinem Freitod. Nach 1945 hat die Witwe sich um den Nachlass gekümmert, ein mustergültiges Tucholsky-Archiv aufgebaut und sich völlig dessen Erhalt gewidmet; alle seither erschienen Tucholsky-Ausgaben entstanden dank Marys nachdrücklicher Mithilfe.

Ihr Leben an der Seite des berühmten Mannes ist Inhalt eines Buches des Journalisten Klaus Bellin: gediegen in der Recherche und sprachlich von beträchtlicher Souveränität. Wer sich künftig dem Autor mit den fünf PS - was hier für Pseudonyme steht - zuwenden möchte, wird auf Bellins Arbeit nicht verzichten können. Unbedingt zu empfehlen:


Ibrahim Evsan: Der Fixierungscode. Was wir über das Internet wissen müssen, wenn wir überleben wollen
Zabert Sandmann Verlag

Cover: "Ibrahim Evsan: Der Fixierungscode" (Zabert Sandmann Verlag)Cover: "Ibrahim Evsan: Der Fixierungscode" (Zabert Sandmann Verlag)Die Blütezeit von Internet-Ratgebern liegt lange zurück – zu Beginn des Jahrtausends füllten sie ganze Regale im Buchhandel. Braucht man solche Bücher wieder, heute, da das Medium doch allen so vertraut vorkommt wie die heimische Waschmaschine? Ja, sagt Ibrahim Evsan, denn längst leisten wir uns eine "digitale Fixierung", die normales Nutzungsverhalten bei technischen Geräten weit übersteigt.

Wo die Gefahren lauern, wie in Spielsucht und fahrlässigem Umgang mit Daten, und wie man emanzipiert mit dem Internet umgeht, erklärt der Web-Pionier Evsan auf eine angenehm untechnische Weise. Kein Buch für abgeklärte Spezialisten, die schon alles wissen, aber eines, das man getrost auch Spät-Einsteigern in die Hand drücken kann. Sie lernen nämlich zusätzlich ihre Vorurteile abzubauen: Das Internet kann bereichern - wenn man es richtig nutzt.

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