Seit 23:05 Uhr Fazit
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 23:05 Uhr Fazit
 
 

Lesart / Archiv | Beitrag vom 01.03.2009

Kurz und kritisch

Jean-Paul Mulders: "Auf der Suche nach Hitlers Sohn"; Andreas K. Gruber: "Der Weg nach ganz oben"; Barbara Hahn, Christine Zimmermann: "Von B und C"

Aufgeschlagenes Buch (Deutschlandradio / Bettina Straub)
Aufgeschlagenes Buch (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Jean-Paul Mulders geht in "Auf der Suche nach Hitlers Sohn" dem Gerücht nach, dass der Diktator während des Ersten Weltkriegs einen Nachfahren gezeugt habe. Andreas K. Gruber nimmt in "Der Weg nach ganz oben" die Karriereverläufe deutscher Politiker unter die Lupe. Und Barbara Hahn und Christine Zimmermann ziehen in "Von B und C" gegen unübersichtliche Infografiken zu Felde.

Jean-Paul Mulders: Auf der Suche nach Hitlers Sohn
Herbig Verlag, München

Jean-Paul Mulders: Auf der Suche nach Hitlers Sohn (Herbig Verlag)Jean-Paul Mulders: Auf der Suche nach Hitlers Sohn (Herbig Verlag)Das Y-Gen macht Geschichte. Es kennzeichnet seinen Träger als Sohn eines Vaters ... und der mag beispielsweise Adolf Hitler heißen! Jahrzehntelang geisterte das Gerücht durch die Welt, der spätere Diktator habe im Ersten Weltkrieg einen Sohn gezeugt. Nicht schlecht für eine Sommerlochstory, befand der flämische Journalist Jean-Paul Mulders, denn: Was wäre, wenn sich mit modernen Gen-Analysen Hitlers Vaterschaft zweifelsfrei nachweisen oder verwerfen ließe? Selbst bei fehlender Diktator-DNA kann das funktionieren. Hitler hatte einen Halbbruder, und dessen männliche Nachkommen leben bis heute in den USA. Wie alle anderen Söhne, Enkel und Urenkel von Adolf Hitlers Vater Alois tragen sie ein fast identisches Y-Gen in ihren Zellen. Dieses müssten die vermeintlichen männlichen Diktatornachfahren auch aufweisen. Tun sie es? Nein ... Gerücht perdu, Buch zu Ende. Historische Forschung, wie sie die Boulevardpresse betreibt.

Andreas K. Gruber: Der Weg nach ganz oben – Karriereverläufe deutscher Spitzenpolitiker
VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden

Andreas K. Gruber: Der Weg nach ganz oben (VS Verlag für Sozialwissenschaften)Andreas K. Gruber: Der Weg nach ganz oben (VS Verlag für Sozialwissenschaften)"Ich will hier rein!" brüllt der Kandidat und rüttelt am Tor des Kanzleramts. Das war einmal! Heute hilft die Wissenschaft weiter. Andreas K. Gruber hat über Karriereverläufe deutscher Spitzenpolitiker promoviert, und seine Arbeit endet mit einem praktischen Tipp: "Sollte man als karriereinteressierter Jungpolitiker die Möglichkeit bekommen, in einen ‚Andenpakt’ oder andere Seilschaften aufgenommen zu werden, sollte man nicht lange zögern." Zuvor bestätigt die penible sozialwissenschaftliche Untersuchung, was man schon ahnt: Ohne Parteibuch geht nichts. Und: "Die Ochsentour ist der reguläre Weg zum Erfolg." Soll heißen: Es dominiert die jahrelange ehrenamtlicher Schufterei an der Parteibasis. Doch die Jungen scharren schon mit den Hufen: 44 Prozent der befragten Jungabgeordneten waren nie berufstätig. Sie wechselten vom Studium gleich in bezahlte politische Ämter. Ob das der Demokratie besser tut als die viel gescholtene Ochsentour der Alten?

Barbara Hahn, Christine Zimmermann: Von B und C
Christoph Merian Verlag, Basel

Barbara Hahn, Christine Zimmermann: Von B und C (Christoph Merian Verlag)Barbara Hahn, Christine Zimmermann: Von B und C (Christoph Merian Verlag)Wir ersticken in Informationen, gleichwohl treffen wir auf ihrer Basis schwerwiegende Entscheidungen. Weil den meisten Menschen die Interpretation nackter Zahlen schwerfällt, stehen Heerscharen von Infografikern bereit. Den Schweizer Kommunikationsdesignerinnen Barbara Hahn und Christine Zimmermann sind konventionelle Balkendiagramme und Tortenstückgrafiken indes ein Graus. In ihrem großformatigen Bildband demonstrieren sie originellere, schönere und manchmal auch optisch plausiblere Versuche, Zahlenverhältnisse in Bilder umzuwandeln. Das Datenmaterial entnehmen sie der gemeinsamen Arbeit: Körpertemperatur, Worthäufigkeit in E-Mails, Lesegeschwindigkeit, zurückgelegte Wege verwandeln sich in musikähnliche Notate oder Formen der konkreten Poesie. Das ist verspielt und – noch – ohne Nutzwert, doch regt es zum Weiterspielen an. Und wer weiß: Vielleicht sehen Infografiken bald so aus?

Lektüretipp von Kurt Beck, Ministerpräsident Rheinland-Pfalz, SPD:
Volker Schlöndorff: Licht, Schatten und Bewegung. Mein Leben und meine Filme
Hanser Verlag, München

Lesart

VilniusDie Stadt, die ihre Seele verlor
Bildnummer: 52641172 Datum: 29.06.2008 Copyright: imago/Jochen Tack St. Johannis Kirche im Großen Hof der Universität in der Altstadt von Vilnius - Litauen, Gebäude, außen, Außenansicht; 2008, Vilnius, Litauen, Sehenswürdigkeit; , quer, Kbdig, Totale, Kirchen, , Reisen, Europa Bildnummer 52641172 Date 29 06 2008 Copyright Imago Jochen Tack St Johannis Church in grand Yard the University in the Old Town from Vilnius Lithuania Building exterior exterior view 2008 Vilnius Lithuania Landmark horizontal Kbdig long shot Churches Travel Europe (Imago/Jochen Tack)

Der litauische Schriftsteller Laimonas Briedies hat ein Buch über Vilnius geschrieben. Es sei eine Stadt "ohne Tiefengedächtnis", sagt der Autor. Für die europäische Identität spiele Vilnius dennoch eine zentrale Rolle.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

Primo Levi: "So war Auschwitz" Mit wissenschaftlicher Präzision
Der italienische Schriftsteller Primo Levi (1919 - 1987), geschätzt im Jahr 1980 (imago/Leemage)

Der Italiener Primo Levi nahm sich 40 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das Leben. Er hatte Auschwitz überlebt und schrieb später viel darüber. Nun ist ein Sammelband erschienen, der seine eigenen Notizen über seine Zeit im Lager mit Briefen und Prozess-Aussagen verknüpft. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur