Fazit / Archiv /

Kurt Maetzig wollte "Filmpädagoge" sein

DEFA-Stiftung-Vorstand Schenk zum Tod des DDR-Regisseurs

Ralf Schenk im Gespräch mit Vladimir Balzer

Der Regisseur und DEFA-Mitbegründer Kurt Maetzig (2010)
Der Regisseur und DEFA-Mitbegründer Kurt Maetzig (2010) (picture alliance / dpa)

Der Publizist Ralf Schenk hat den DEFA-Mitbegründer Kurt Maetzig als Regisseur gewürdigt, der keine Filme abseits der Zeit drehen wollte. Er habe immer zum Nachdenken über die Gesellschaft anregen wollen, so der Vorstand der DEFA-Stiftung.

Der im Alter von 101 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern verstorbene Kurt Maetzig habe immer in aktuelle gesellschaftliche Diskussionen und Prozesse eingreifen wollen, so Schenk: "Ein Maetzig-Film war ein Film, der sich in die Politik und in die Zeitgeschichte eingemischt hat." Dabei hätten Maetzig auch philosophische und geschichtliche Fragestellungen interessiert.

Der Mitbegründer der DEFA sei allerdings intensiv in die politischen Strömungen seiner Zeit geraten. Mit seinen allerersten Filmen habe Maetzig sehr dazu beigetragen, eine antifaschistische Filmkunst in Deutschland mitzuentwickeln. Dies gelte für den Spiel- und Dokumentarfilm gleichermaßen, erläuterte Schenk: "Ehe im Schatten" sei der erste Film über den Holocaust überhaupt gewesen.

Als im Lauf der Zeit ab Ende der 40er-, Anfang der 50er-Jahre die DEFA unter politische Kontrolle gestellt wurde, habe sich Maetzig der herrschenden Parteidoktrin sehr angepasst. Seine propagandistischen Filme über Ernst Thälmann seien im Staatsauftrag entstanden, zu einer Zeit des "heftigen" Stalinismus in der DDR.

Als später ein leichtes gesellschaftliches Tauwetter begonnen habe, habe Maetzig das wiederum mit einem Film wie "Schlösser und Katen" umgesetzt, der auch offen Tabuthemen angesprochen habe. Das Verbot seines Filmes "Das Kaninchen bin ich"von 1965, die Adaption eines ebenfalls verbotenen Romans von Manfred Bieler, sei für Maetzig ein regelrechter Schock gewesen, blickte der Publizist Schenk zurück auf den größten Einschnitt in der Karriere Maetzigs.

In gesamten Werk des 30-jährigen Schaffens Maetzigs als Regisseur - von 1946 bis 1976 - sei zu erkennen, dass sich dieser sehr abhängig von den jeweiligen kulturpolitischen Wellenbewegungen gemacht habe, sagte Schenk: So habe er letztlich alle Höhen aber auch Tiefen der DEFA mitgemacht.

Sie können das vollständige Gespräch mit Ralf Schenk mindestens bis zum 8.1.2013 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

Mehr zum Thema auf dradio.de:
DEFA-Mitbegründer und DDR-Filmregisseur - Vor 100 Jahren wurde Kurt Maetzig geboren, (DKultur, Kalenderblatt vom 25.1.2011)



Mehr bei deutschlandradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons"Der größte Dramatiker der Menschheit"

William Shakespeare - eine zeitgenössische Darstellung des erfolgreichsten Bühnenautors aller Zeiten.

Anlässlich des 450. Geburtstages von William Shakespeare geht es in der Kulturpresseschau vor allem um den Lyriker und Schauspieler. "Er zeigt den Menschen und die Welt so böse wie sie sind", schreibt der "Tagesspiegel".

 

Fazit

Kino"Irre sind männlich"

Die Schauspieler Peri Baumeister (l-r), Fahri Yardim, Milan Peschel und Marie Bäumer kommen am 10.04.2014 zur Premiere des Films "Irre sind männlich" in den Mathäser Filmpalast in München (Bayern).

Die Titelhelden und Programmierer Daniel und Thomas begeben sich in "Irre sind männlich" aufgrund ihrer Beziehungsprobleme in Therapie. Was komisch sein soll bleibt vorhersehbar und lahm und enttäuscht auf ganzer Linie.

RegiedebütLärmende Zukunftswarnung

Wally Pfister lächelt in die Kameras, seinem Oscar für die beste Kamera im Film "Inception" bei den 83. Academy Awards 2011 in der Hand.

In dem Cyber-Thriller "Transcendence" digitalisiert der Wissenschaftler Dr. Caster (Johnny Depp) kurz vor dem Tod sein Gehirn, um so als Daten-Mensch weiterzuleben. Die Geschichte bleibt aber allzu fade.

Schwabinger KunstfundWie geht es weiter mit den Gurlitt-Bildern?

Ingeborg Berggreen-Merkel 27.11.13

Eine Taskforce untersucht derzeit die verdächtigsten Bilder des Schwabinger Kunstfundes. Das Ziel: Innerhalb eines Jahres soll weitgehend aufgeklärt sein, wem die Bilder aus der Sammlung zustehen.