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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.03.2016

Kunstmesse Armory-ShowAfrikanische Künstler, zeigt Euch!

Von Leonie March

Eine Nahaufnahme des Kunstwerkes "Cry havoc" von Mary Sibande auf der 7. Internationalen Jorburg Art Fair in Johannesburg. (dpa/ picture-alliance/ Kim Ludbrook)
Kunstwerke wie "Cry havoc" stellt Mary Sibande in der ganzen Welt aus. (dpa/ picture-alliance/ Kim Ludbrook)

Die New Yorker Armory Show ist eine der bedeutendsten Kunstmessen der Welt. Ihr diesjähriger Schwerpunkt liegt auf Afrika, denn afrikanische Künstler haben mehr zu bieten als bunte Masken. Für viele noch unbekannte Künstler eine große Chance.

So klingt die Megametropole Lagos. Der Künstler Emeka Ogboh bringt diesen Klang mit seiner Soundinstallation nach New York. Hier wird das zeitgenössische Nigeria, jenseits der alten Afrikaklischees, spürbar. Genau das ist eines der Ziele des Afrika-Fokus bei der Armory Show. Das neue Interesse an der Kunst des Kontinents und seiner Diaspora, begeistert Igsaan Martin, Co-Direktor der Galerie Momo, einer der führenden Galerien Südafrikas:

"Vor vier Jahren hat mir in New York jemand gesagt, dass Afrika demnächst sehr angesagt sein wird. Und das hörte ich dann immer wieder. Für mich hätte die Kunst von unserem Kontinent dieses Interesse schon lange verdient. Es gab hier schon immer große Talente, die jedoch aus verschiedenen Gründen kaum Aufmerksamkeit bekommen haben. Jetzt ist ihre Zeit endlich gekommen. Afrika kann endlich glänzen. Wir haben es uns verdient international ganz vorne mitzuspielen."

Künstlerinnen hinterfragen kolonial geprägte Bilder

Auf ihrem New Yorker Messestand zeigt die Galerie Momo unter anderem Werke der Südafrikanerin Mary Sibande und der Afroamerikanerin Ayana V Jackson. Beide beschäftigen sich in einem Großteil ihres Werks mit Fragen der Identität, der Darstellung und der damit verbundenen Wahrnehmung insbesondere von Afrikanerinnen. Sie hinterfragen kolonial geprägte Bilder, spielen mit Stereotypen, konfrontieren Klischees. Afrika sei zu lange durch westliche Augen beobachtet und bewertet worden, betont Ayana V Jackson. Auch in der Kunstwelt:

"Ich bin eine schwarze US-Amerikanerin, aber ich habe in den letzten Jahren mehr Zeit in Afrika verbracht als in den USA. Die Leute fragen mich ständig: Siehst Du Dich als Afrikanerin? Du bist schließlich dunkelhäutig. Bist Du dies oder das? Sie können mich nicht einordnen. Das ist für meinen Begriff symptomatisch für den Versuch, schwarze oder afrikanische Künstler in Kategorien zu stecken, die für mich keinen Sinn machen. Wir wollen im Zusammenhang mit zeitgenössischer Kunst gesehen werden und nicht auf afrikanische oder schwarze Kunst reduziert werden. Was bedeutet eine Afrika-Ausstellung - verbinden uns wirklich nur die Geografie und die Hautfarbe? Ist das ein kuratorischer Ansatz? Diese Fragen stoßen langsam auf offene Ohren."

Die Künstler bestehen auf Augenhöhe mit dem Rest der Welt. Viele haben einen multikulturellen Hintergrund, haben auf anderen Kontinenten studiert oder gelebt, pendeln bis heute etwa zwischen London und Lagos, New York und Nairobi. Ihr Horizont geht weit über den großen afrikanischen Tellerrand hinaus und genau das mache ihre Kunst auch international so reizvoll, sagt Suzette Bell-Roberts, Herausgeberin des Kunstmagazins "Art Africa":

"In den Werken wird sich immer ein Teil der afrikanischen Identität wiederspiegeln. Gleichzeitig aber greifen Künstler auch hier globale Themen auf. Gerade junge Künstler reflektieren sie auf sehr drastische und direkte Weise. Sie sind noch nicht vom Kunstbetrieb glatt geschliffen worden. Zu den beherrschenden Themen gehören Geschlechterrollen, Rassismus, Religion und Konflikte in allen Schattierungen. Auch die afrikanische Mystik spielt eine Rolle. Aber sie wird mit den Einflüssen aus aller Welt verbunden. Mit neuen Materialen, technischen Möglichkeiten und Trends. Afrika ist heute längst mehr isoliert und somit ist auch unsere Kunstszene globaler geworden. Sowohl von den Themen her als auch von der Herstellung der Kunstwerke."

Abstrakte Werke lassen sich nicht geografisch zuordnen

Wer Exotik sucht, stammt also mental aus dem letzten Jahrhundert. Das haben mittlerweile auch die südafrikanischen Galerien trotz ihres traditionell eher eurozentrischen Kundenkreises begriffen, meint Matthew Partridge, langjähriger Kunstkritiker und neuer Direktor der Kunstmesse in Kapstadt.

"Die Galerien widersetzen sich dieser Vorliebe für Exotik und verhindern, dass ihre Künstler in die abgegriffene Schublade eines tribalistischen, dunklen Kontinents gesteckt werden. Sie bestärken sie stattdessen darin, avantgardistische Ideen auszuprobieren, Fragen zu stellen, mit verschiedenen Materialien und Medien zu experimentieren. Meiner Meinung nach nimmt unsere Kunstszene gerade eine Vorreiterrolle bei der Innovation ein."

Mit viel Elan und Selbstbewusstsein präsentieren die Galerien ihre Künstler also in den kommenden Tagen in New York. Wäre da nicht das Etikett "Afrika", könnte man viele der abstrakten Werke nicht so einfach geografisch zuordnen. Gleichzeitig dient jedoch dient es inmitten des gegenwärtigen Hypes um afrikanische Kunst als Verkaufsargument. Für Künstler wie Galerien bleibt ein Spagat.

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