Dienstag, 28. April 2015MESZ20:16 Uhr

Buchkritik

Erzählungen von Ismail KadareParabeln über den albanischen Alltag
Die Flagge von Albanien (dpa / picture-alliance / Tim Brakemeier)

Um die Atmosphäre der Denunziation und Gewalt im kommunistischen Albanien darzustellen, wich der Schriftsteller Ismail Kadare oft in andere Epochen aus. In den drei unter dem Titel "Schleierkarawane" neu aufgelegten Erzählungen aus den 1980er-Jahren ist es das Osmanische Reich, zu dem Albanien bis 1912 gehörte.Mehr

Neuer Roman von Siri HustvedtIm Korsett Frau fast erstickt
Die US-amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt posiert am 15. November 2011 in Barcelona. (picture alliance / dpa / Alejandro Garcia)

Der neue Roman von Siri Hustvedt "Die gleißende Welt" spielt in der New Yorker Kunstwelt. Im Fokus eine begabte Künstlerin, die Ehefrau eines Kunsthändlers ist, lange ihr Licht unter den Scheffel stellt, sich versucht daraus zu befreien, scheitert und zerbricht. Mehr

weitere Beiträge

Literatur

Ein literarischer RaumflugWort und Weltall
Andromedagalaxie, aufgenommen am 27.10.2010 (picture alliance / dpa  / Nasa)

Rainer Maria Rilke und Vladimir Nabokov haben über Sterne und Schwerelosigkeit geschrieben, bevor sie erkundet wurden, William Carlos Williams und Allen Ginsberg sind mittels Sprache zum Mond gereist. Was passiert bei der Begegnung mit dem Weltall? Und: Wie drückt der Mensch das aus? Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 16.07.2012

Kunst und Technik auf der Spur

Bauhaus-Archiv Berlin u.a. (Hrsg.): "Bauhaus Reisebuch", DuMont Verlag, Köln 2012, 304 Seiten

Bauhaus Dessau - eine der Stationen des Reisebuchs (Stiftung Bauhaus Dessau/Yvonne Tenschert)
Bauhaus Dessau - eine der Stationen des Reisebuchs (Stiftung Bauhaus Dessau/Yvonne Tenschert)

Endlich ist es da, das längst überfällige Buch zur Orientierung der Bauhaus-Touristen. Die Route folgt chronologisch den Stationen Weimar, Dessau und Berlin. Aber wie es sich für ein gutes Reisebuch gehört, beschreiten die Autoren auch so manchen Nebenweg.

Die Wagenfeld-Lampe, der Freischwinger, Häuser als kubistische Würfel, sachlich, klar und zweckbetont – so sieht man das Bauhaus und seine Hervorbringungen vor sich. Bald 100 Jahre nach seiner Gründung ungebrochen lebendig, hat es als Schule, in der Kunst und Technik gelehrt wurde, alle Moden der Architektur und des Designs überdauert. Und es bestimmt bis heute unsere Vorstellung von gutem Geschmack.

Umso verwunderlicher, dass in der schier uferlosen Fachliteratur über diesen Olymp der klassischen Moderne ein Band fehlte, der verspricht, den seit Jahren florierenden Bauhaus-Tourismus zuverlässig durch die drei einstigen Standorte der Schule zu lotsen, durch Weimar, Dessau und Berlin. Diese Lücke schließt nun, höchst verdienstvoll, das "Bauhaus-Reisebuch".

Die Tour beginnt, ordentlich chronologisch, in Weimar, wo Walter Gropius 1919 das Bauhaus in einem Jugendstilbau Henry van de Veldes gründete und alsbald eine stolze Schar von Avantgardekünstlern – Wassily Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger – um sich versammelte.

Dann führt das Buch in die einstige Industriestadt Dessau, wo die ursprüngliche romantische Idee vom Gesamtkunstwerk aus Architektur, Bildhauerei und Malerei von der Parole "Kunst und Technik als Einheit" abgelöst wurde: sinnbildlich ins Werk gesetzt durch Schulgebäude, Meisterhäuser oder die Siedlung Törten, sichtbar aber auch in der praktischen Kooperation etwa mit den Flugwerken von Hugo Junkers.

Dritte Station ist schließlich Berlin, die Metropole des Neuen Bauens, in der viele Bauhäusler wie Hannes Meyer oder Mies van der Rohe immer schon ihr zweites Standbein hatten, bevor die Nazis 1933 die Schule schlossen.

Indem die drei Autoren, Susanne Knorr, Ingolf Kern und Christian Welzbacher, die einzelnen Schauplätze samt ihrer architektonischen Zeugnisse auskundschaften, zeichnen sie biografische Eckpunkte nach, die kunsttheoretischen Visionen des Bauhauses, aber auch den wirtschaftlich-politischen Druck, unter dem das Ideenlabor der chronisch knappen Einnahmen wegen immer wieder in die Knie ging.

Wie es sich für ein gutes Reisebuch gehört, werden auch Nebenwege beschritten. So geht es von Weimar aus nach Probstzella etwa, in Alfred Arndts, heute wieder als Hotel betriebenes "Haus des Volkes" oder in die Dornburger Töpferwerkstätten. In Bernau ist Hannes Meyers Gewerkschaftsschule seit Kurzem aufs Schönste restauriert, während das Kornhaus an der Dessauer Elbe erst demnächst wieder geöffnet wird. Rund hundert Orte insgesamt nehmen die Autoren ins Visier, kursorisch auch die "Migrations"-Stationen der Bauhäusler nach ihrer Vertreibung aus Deutschland.

In lockerem Ton geschrieben, dabei fachlich versiert, bietet das Buch neben reichhaltigem Bildmaterial – historischen Fotos und zeitgenössischen Abbildungen - einen nützlichen Serviceteil mit Lageplänen, Öffnungszeiten und probaten Tipps für Ruhepausen, zum Beispiel, wo man in Dessau zur blauen Stunde am besten den Aperitif nimmt. So eignet sich das Buch als vorzüglicher Reisebegleiter. Wem es mit seinen 300 Seiten in der Handtasche zu schwer ist, der liest es, egal ob Experte oder Laie, nicht weniger gewinnbringend zu Hause.

Besprochen von Edelgard Abenstein

Bauhaus-Archiv Berlin, Stiftung Bauhaus Dessau und Klassik Stiftung Weimar (Hrsg.): Bauhaus Reisebuch
DuMont Verlag, Köln 2012
304 Seiten, 19,95 Euro

Mehr zum Thema bei dradio.de:
Wegweiser für Bauhaus-Reisende - Ein Reisebuch und eine App passen auch ins Handgepäck, (DKultur, Fazit) -