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Studio 9 | Beitrag vom 28.12.2015

Kultusministerkonferenz Auf dem Weg zum digitalen Bildungssystem

Von Almuth Knigge

Mit einem speziellen Tablet arbeitet am 20.02.2015 ein Schüler am "Tag des digitalen Lernens" am Ökumenischen Domgymnasium in Magdeburg (Sachsen-Anhalt).  (picture alliance / dpa / Jens Wolf)
Ein Schüler arbeitet mit einem speziellen Tablet (picture alliance / dpa / Jens Wolf)

Die Bremer Senatorin Claudia Bodegan ist vom 1. Januar 2016 neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Sie will die digitale Bildung vorantreiben. Keine leichte Aufgabe: Bisher haben die Bundesländer ganz unterschiedliche Auffassungen von Medienkompetenz.

In Studien zum Thema klassischer Schulbildung hat das kleine Bundesland Bremen bislang nie besonders gut abgeschnitten. Die rote Laterne bei fast allen Pisa-Tests leuchtete die Bildungsmisere im Nordwesten immer ganz gut aus.

Anders ist es beim Thema digitale Bildung:  Beim Länderindikator Schule digital der Telekom-Stiftung liegt Bremen an der Spitze: 70% der befragten Bremer Lehrkräfte gaben an, dass die Schule über ein Medienkonzept für den Einsatz des Computers im Unterricht verfügt. Der Anteil der Lehrkräfte, die gemeinsam mit Kollegen computergestützte Unterrichtsstunden entwickeln, ist in Bremen mit ca. 50% besonders hoch.

Und in Bremen gilt, dass Schulen nicht mit PCs ausgestattet werden, wenn kein Nutzungskonzept vorliegt – das mag daran liegen, dass das Bundesland genauso klein wie arm ist und deshalb nicht verschwenderisch mit Mitteln umgehen kann. Das hat die Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan, seit Mitte 2015 im Amt, schnell gelernt

"Wir haben in Bremen ein Bundesland mit besonderen sozialen Lagen. Das führt an vielen Stellen dazu, dass wir an Schulen immer mehr leisten müssen als das in anderen Bundesländern vielleicht auch der Fall ist - um auch ein Stück weit Reparaturbetrieb zu sein für bestimmte soziale Schieflage. Und das ist das, was uns an zweiter Stelle auch herausgefordert hat zu sagen 'Es geht auch ganz massiv um Bildungsgerechtigkeit, die hergestellt werden soll.'"

Wird der Unterricht mit digitalen Medien besser?

Im nächsten Jahr ist sie die Chefin der Kultusminsterkonferenz (KMK). Sie will die digitale Bildung in den Mittelpunkt stellen.

"Das Vorhandensein von Geräten und die Dauer oder die Nutzungslänge sagt erstmal gar nichts darüber aus, ob man dabei auch irgendwelche Kompetenzen  erwirbt.

Was also wollen wir erreichen?  Wird der Unterricht besser, wenn digitale Medien benutzt werden? Werden die Kinder schlauer? International konkurrenzfähiger?

In Australien zum Beispiel nutzten schon  85 Prozent der Viertklässler regelmäßig den Computer im Unterricht, in Deutschland sind es nur 28 Prozent. Auch deswegen hat  sich Bodegan für ihren KMK-Vorsitz im kommenden Jahr vorgenommen, die digitale Bildung in den Mittelpunkt zu stellen

"Es geht ja darum, dass wir uns darüber verständigen müssen, welche Kompetenzen wir eigentlich erreichen wollen bei dem Umgang mit digitalen Medien.

Alles, was lernen befördert, soll genutzt werden

Denn was Medienkompetenz genau ist, was zur digitalen Bildung überhaupt gehört, dazu hat jedes Bundesland, ja beinahe jede Kommune eine eigene Auffassung.  Grundsätzlich gilt: Alles, was lernen befördert, soll genutzt werden.

Auf der anderen Seite hat die jüngste OECD Studie auch festgestellt: Allein der Einsatz von digitalen Medien in der Schule erzielt noch  keine positiven Lerneffekte – im Gegenteil. Wenn ein schlechter Lehrer versucht, seinen Unterricht mit dem Einsatz digitaler Medien aufzuwerten, wird er nicht besser – wenn ein guter Lehrer das macht, hingegen schon.  Was ist die Antwort`? Lehrerfortbildung?  Neue Curricula  - den Fragen will sich die Bremer Bildungssenatorin Bogedan im nächsten Jahr stellen-

"Das ist ja auch die klassische Aufgabe in der KM: Eben die Kompetenzbilder zwischen den Ländern zu vereinheitlichen bzw. anzupassen. Und über eine gemeinsame Verständigung dann auch dahin zu kommen, sich zu verständigen, was das bezüglich der Infrastruktur heißt."

Schnelles Internet ist nötig

Das heißt nämlich auch ganz banal: Bund und Länder müssen mehr aufs Gas treten, wenn es um die Versorgung mit schnellem Internet geht, meint Bodegan:

"Vom Breitbandausbau beispielsweise können die Schulen auch nur dann profitieren, wenn sie überhaupt erstmal ans Netz angeschlossen werden."

Das wäre der erste Schritt: Denn alle Konzepte nützen nichts, wenn sie nicht in die Praxis umgesetzt werden können.

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