Seit 04:05 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 04:05 Uhr Tonart
 
 

Kulturnachrichten

Samstag, 25. Februar 2017

Gabriel drängt zu schneller Entscheidung im Fall Yücel

Jetzt sei der Moment für die türkische Justiz, über unbehinderte Arbeit freier Medien zu entscheiden

Außenminister Sigmar Gabriel hat die Dauer des Ermittlungsverfahrens gegen den in der Türkei festgehaltenen Journalisten Deniz Yücel kritisiert. "Es ist weder nötig noch fair, Deniz Yücel bis zu einer staatsanwaltschaftlichen Vernehmung so lange seine Freiheit zu nehmen", sagte Gabriel der "Welt am Sonntag". Er habe sich ja gerade aus freien Stücken gestellt, um eine Aussage zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen machen zu können. Der "Welt"-Korrespondent Yücel befindet sich seit dem 14. Februar im Istanbuler Polizeipräsidium in Gewahrsam. Nach Angaben der Polizei wird gegen ihn wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Terrorpropaganda und Datenmissbrauchs ermittelt. Unter dem Ausnahmezustand in der Türkei können Verdächtige bis zu 14 Tage in Polizeigewahrsam gehalten werden. Demnach muss Yücel spätestens kommenden Dienstag entweder freigelassen oder einem Haftrichter vorgeführt werden. In Flörsheim, der hessischen Heimatstadt Yücels, demonstrierten rund 150 Fahrer mit einem Autokorso für seine Freilassung. Mit dem Korso solle ein Zeichen für Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei gesetzt werden, heißt es in einem Flugblatt, das die Teilnehmer verteilten.

Offener Brief gegen Auftritt von AfD-Politiker Jongen

Kulturschaffende kritisieren geplante Podiumsteilnahme von Marc Jongen in der Gessnerallee Zürich

Etwa 350 Kulturschaffende haben einen offenen Brief an das Theater Gessnerallee in Zürich geschrieben, in dem sie eine dort geplante Podiumsteilnahme von AfD-Politiker Marc Jongen kritisieren. Jongen ist als Diskussionsteilnehmer zu der Veranstaltung "Die neue Avantgarde" eingeladen, zusammen u.a. mit dem Kunstwissenschaftler und Journalisten Jörg Scheller und Laura Zimmermann von der liberalen Bewegung "Operation Libero". Der Ankündigungstext beschreibt Jongen, seiner eigenen Darstellung folgend, als "avantgard-konservativ". Die Briefunterzeichner kritisieren unter anderem, dass man den Begriff der "Avantgarde" auf diese Weise der Rechten überlasse, die sich ohnehin immer wieder bemühe, sich den Begriff zu eigen zu machen. Dies könne "für politisch Unbedarfte gefährlich anziehend" wirken. Der Brief schließt mit einer "Gretchenfrage" - "Würde die AfD einen Kulturort wie die Gessnerallee nicht zuallererst abschaffen?" - und der Forderung an die Gessnerallee sowie alle anderen Akteure der Theaterlandschaft, der AfD keine Bühne zu bieten. Marc Jongen ist Philosophiedozent an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und stellvertretender Sprecher und Programmkoordinator der AfD Baden-Württemberg.

US-Medien kritisieren Ausschluss von Pressebriefing

NY Times-Chefredakteur Baquet: So etwas habe es noch nie gegeben

Der Ausschluss von mehreren namhaften US-Medien von einem Pressebriefing des US-Präsidialamts ist in der Branche auf scharfe Kritik gestoßen. "So etwas hat es im Weißen Haus in unserer langen Geschichte der Berichterstattung über viele Regierungen verschiedener Parteien noch nie gegeben", erklärte der Chefredakteur der "New York Times", Dean Baquet. CNN nannte den Vorgang auf Twitter inakzeptabel: "Offenbar ist das die Art, wie sie zurückschlagen, wenn man über Fakten berichtet, die ihnen nicht gefallen." Der Präsident der White House Correspondents' Association (WHCA), Jeff Mason von der Nachrichtenagentur Reuters, legte im Namen des Verbandes Protest ein. Am Freitag hatte das Weiße Haus sein tägliches Pressebriefing kurzerhand auf eine kleine Fragerunde mit ausgewählten Medienvertretern begrenzt, darunter eine Reihe von kleineren Medien, die als ausgesprochen konservativ bekannt sind. Renommierte Medienhäuser wie die "New York Times", "Politico", die "Los Angeles Times" und der Sender CNN blieben dagegen außen vor. Präsidialamtssprecher Sean Spicer verteidigte dieses Vorgehen: "Wir wollen sicherstellen, dass wir Ihre Fragen beantworten", sagte er. "Aber wir müssen nicht jeden Tag alles vor laufender Kamera machen." Ein Reporter von Hearst Newspapers bereitete einen Pool-Bericht für die ausgeschlossenen Medien vor, andere teilnehmende Journalisten gaben ihre Tonaufnahmen an Kollegen weiter.

Pollesch: Theater ist keine Dienstleistungsvorrichtung

Orientierung an der Zuschauerperspektive bewirke reines Repräsentationstheater, so der Regisseur

Für seine Arbeit sei es wichtig, gerade nicht die Zuschauerperspektive einzunehmen, sagte der Theaterregisseur René Pollesch im Interview im Deutschlandradio Kultur. Das Theater habe nicht den Auftrag, sich zu fragen, was das Publikum interessiere und was tagespolitisch relevant sei: "Die Volksbühne war immer ein Ort, wo die Schauspieler sprechen, um sich selber zu hören, und nicht, um irgendetwas ins Publikum zu senden." Wenn man sich bei der Arbeit im Theater mit der Zuschauerperspektive befasse und im Stück entsprechende Änderungen vornehme, dann entstehe reines Repräsentationstheater, so Pollesch: "Das ist der Moment, wo du dann wirklich Männer mit Männern besetzt, Frauen mit Frauen, Behinderte mit Behinderten, Türken mit Türken u.s.w." Wenn man nur darauf achte, dass man verstanden wird, dann sei nichts mehr möglich, "dann zensiert man sich ununterbrochen." Polleschs Stück "Ich kann nicht mehr" wird heute Abend im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführt.

Protestaktionen vor der Oscar-Verleihung

Schauspieler und Regisseure kritisieren öffentlich die Politik des US-Präsidenten

Kinostars wie Jodie Foster und Michael J. Fox haben sich bei einer Protestkundgebung in Beverly Hills für Pressefreiheit sowie die Rechte von Einwanderern und Minderheiten engagiert. Zu der Aktion "United Voices" hatte die Künstleragentur United Talent Agency (UTA) eingeladen, mehr als 1500 Menschen beteiligten sich am Freitag (Ortszeit). Der von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreisestopp für Menschen aus bestimmten Ländern war für die Agentur Anlass, ihre traditionelle Oscar-Party abzusagen und das Party-Budget für Flüchtlings- und Bürgerrechtsorganisationen zu spenden. Die Kundgebung war nicht die einzige Protestaktion: Sechs Regisseure von Filmen mit Aussichten auf den Auslands-Oscar veröffentlichten ein Statement, in dem sie "das Klima von Fanatismus und Nationalismus" verurteilen, "das wir heute in den USA und in so vielen anderen Ländern sehen, in Teilen der Bevölkerung, und, was am bedauerlichsten ist, unter führenden Politikern". Zu den Unterzeichnern gehören der iranische Regisseur Asghar Farhadi, der Däne Martin Zandvliet, Hannes Holm aus Schweden, die deutsche Filmemacherin Maren Ade und das australische Regisseur-Duo Martin Butler und Bentley Dean. Die sechs Filmemacher erklärten, der Auslands-Oscar würde Menschen gewidmet, die sich für die Förderung von Eintracht und Verständigung einsetzten - ganz egal wer den Preis gewinnen werde.

Beschwerde aus Ungarn über Berlinale-Siegerin Enyedi

Ungarischer Europaabgeordneter Tamás Deutsch klagt über Äußerung der Regisseurin

Der Europaabgeordnete der ungarischen konservativen Fidesz-Partei Tamás Deutsch hat sich über die Gewinnerin des diesjährigen Goldenen Bären, Ildiko Enyedi, beschwert. Anstoß nimmt er an Äußerungen Enyedis im Deutschlandradio Kultur. Im Interview sagte die ungarische Regisseurin: "Was jetzt in unserem Land passiert, ist eine Schande und macht wirklich Angst. Das einzig Gute, was man daran noch finden kann, ist, dass es nur ein kleines Land ist." Daraufhin beschwerte sich der Abgeordnete auf seiner Facebook-Seite persönlich bei Enyedi und fragte, wieso sie solche Angst vor ihrem Land habe, wenn man ihr doch erlaubt hätte, diesen Film zu machen? Auf Facebook schreibt er: "Liebe Ildiko, habe keine Angst vor ihm (also Ungarn) und schäme dich nicht." Enyedis Film "Körper und Seele", der auf der Berlinale den Preis für den Besten Film gewann, wurde vom staatlichen ungarischen Filmfonds mitfinanziert.

Bürgermeister von Rio fehlt bei Eröffnung des Karnevals

Marcelo Crivella erschien nicht zur traditionellen Schlüsselübergabe an König Momo

Der neue, streng religiöse Bürgermeister von Rio de Janeiro, Marcelo Crivella, ist am Freitagabend nicht zur traditionellen Schlüsselübergabe an König Momo erschienen, mit der das Ereignis offiziell eröffnet wird. Organisatoren in weißer Sambakleidung, Stelzenläufer und die städtische Blaskapelle warteten zweieinhalb Stunden vergeblich auf das Stadtoberhaupt. "Wo ist Crivella?", riefen einige der 70.000 Zuschauer in dem Stadion. Schließlich tauchte die Kulturbeauftragte der Stadt, Nilcemar Nogueir, auf und vollzog die symbolische Schlüsselübergabe. Schon in den Tagen zuvor war spekuliert worden, ob der ultrakonservative Crivella der Veranstaltung fernbleiben würde. Crivella ist Bischof der "Universellen Kirche des Königreichs Gottes", einer evangelikalen Mega-Kirche, und kann dem Karneval nichts abgewinnen.

Thriller "Elle" mit zwei Césars ausgezeichnet

Regisseur Verhoeven nimmt Preis für besten Film entgegen

Der Thriller "Elle" von Paul Verhoeven ist nach seinem Erfolg bei den Golden Globes auch bei den französischen Filmpreisen Césars zum besten Film gekürt worden. Das Psychodrama des niederländischen Regisseurs wurde am Freitagabend in Paris mit dem Hauptreis ausgezeichnet. Der Film erzählt von einer Frau, die von einem Einbrecher vergewaltigt wird. Isabelle Huppert, die die Hauptrolle spielt, bekam dafür den César als beste Schauspielerin. Drei Césars erhielt der Film "Einfach das Ende der Welt": Als bester Schauspieler wurde Gaspard Ulliel für seine Rolle als kranker Homosexueller geehrt, der nach nach langjähriger Abwesenheit zu seiner Familie zurückkehrt, um sie über seinen baldigen Tod zu informieren. Der 27-jährige Xavier Dolan bekam die Auszeichnung als bester Regisseur und für den besten Schnitt. Zum besten ausländischen Film gekürt wurde "Ich, Daniel Blake" vom britischen Regisseur Ken Loach. Das Sozialdrama war bereits beim Filmfestival in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden. Hollywood-Star George Clooney nahm einen Ehren-César entgegen.

Unesco vereinbart Schutz von irakischen Kulturgütern

Ein Aktionsplan soll beschädigte Kulturstätten in ehemaligen IS-Gebieten retten

Die Unesco hat mit dem Irak einen Aktionsplan zum Schutz beschädigter Kulturgüter in den aus der Hand der Terrormiliz Islamischer Staat befreiten Gebieten vereinbart. "Wir wissen, dass der Schaden schwerwiegend ist", sagte der Vizedirektor der UN-Kulturorganisation, Francesco Bandarin, nach einem zweitägigen Expertentreffen in Paris. Kurzfristig stellt die Unesco Mittel bereit, um dabei zu helfen, Plünderungen und weitere Zerstörungen zu vermeiden - einen Geldbetrag nannte Bandarin allerdings nicht. Mittelfristig sollen dann Wissenschaftler die Schäden erfassen, bevor langfristig die Restaurierung beschädigter Kulturgüter in Angriff genommen werden könnte. Man müsse dabei eher in Jahrzehnten als in Jahren denken. Als Beispiele für zu schützende Stätten nannte der irakische Kulturminister das Museum von Mossul und den Tempel von Nimrud.

Guntram Vesper mit Erich-Loest-Preis geehrt

Jury würdigt sein Werk "Frohburg", das die Verlogenheit diktatorischer Regime entlarve

Für seine literarische Zeitreise in die deutsch-deutsche Geschichte ist der Schriftsteller Guntram Vesper mit dem Erich-Loest-Preis geehrt worden. Sein autobiografischer Roman "Frohburg" sei ein "lebendiges Plädoyer für eine Erinnerungskultur", hieß es bei der Preisvergabe in Leipzig. Mit dem 2016 erschienenen Roman habe er eine in Sachsen beheimatete Sittengeschichte der vergangenen 70 Jahre geschaffen. Die von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig erstmals vergebene Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert. Sie erinnert an den Schriftsteller Erich Loest (1929-2013), der im sächsischen Mittweida geboren wurde und später viele Jahre in Leipzig lebte.

Kulturnachrichten hören

Februar 2017
MO DI MI DO FR SA SO
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 1 2 3 4 5

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur