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Aus den Feuilletons"Mit Schnappatmung geht man unter"
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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.07.2012

Kulturkritiker: Eine Absage an das Frankreich-Bild Sarkozys

Für den französischen Kulturwissenschaftler Jürgen Ritte hat Sarkozy "einen eigenwilligen Umgang mit Daten"

Jürgen Ritte im Gespräch mit Gabi Wuttke

Mit Nicolas Sarkozys Abtreten von der Staatsspitze nimmt das Land auch Abschied von seinem Frankreich-Bild. (picture alliance / dpa / Christophe Karaba)
Mit Nicolas Sarkozys Abtreten von der Staatsspitze nimmt das Land auch Abschied von seinem Frankreich-Bild. (picture alliance / dpa / Christophe Karaba)

Nach Einschätzung von Jürgen Ritte, Literaturprofessor an der Sorbonne, ist die Absage der französischen Kulturministerin Aurélie Filippetti an die Einrichtung eines Hauses der französischen Geschichte nicht den fehlenden Finanzen geschuldet, sondern habe politische Hintergründe.

Geld sei nicht das entscheidende Argument, erklärte Ritte: "Das entscheidende Argument ist ein politisches, denn das Projekt eine Maison de l'Histoire de France, also ein Haus der französischen Geschichte, in etwa nach dem Vorbild des deutschen Hauses der Geschichte (...) einzurichten, war von vornherein politisch sehr umstritten." Die Initiative für das Projekt von Nicolas Sarkozy sei bestimmt gewesen von der ganz eigenen Geschichtsvision des nunmehr abgewählten französischen Staatspräsidenten. "Und diese Geschichtsversion war, wie man zuletzt ja noch gesehen hat im Wahlkampf, sehr stark auf die Herausarbeitung einer französischen nationalen Identität ausgerichtet, und das haben viele Historiker für sehr tendenziell gehalten."

Dabei habe man sich "abgearbeitet" an "Sarkozy, dem konservativen Politiker", betonte Ritte. Allerdings sei diese Annahme, Sarkozy habe mit diesem Maison de l'Histoire de France - ebenso wie in seinen Reden - seinen ganz eigenwilligen Umgang mit den Daten der französischen Geschichte pflegen wollen, nie dingfest belegt worden. Der Vorwurf sei hier, Sarkozy sehe die Geschichte des Landes als eine "eingleisige Erfolgsgeschichte hin zur Herausbildung der nationalen Identität". Insbesondere die Zuwanderer aus Nordafrika wären in dieser Version der französischen Geschichte außen vor geblieben, sagte Ritte.

Hinzugekommen sei der Fokus auf die französische Nation als eine ausschließlich katholisch-christliche Kultur, unterstrich Ritte. Für die Gegner der Sarkozy-Idee sei dies der entscheidende Angriffspunkt: "Frankreich ist eben auch in großen Teilen ein muslimisch geprägtes Land inzwischen mit einem Bevölkerungsanteil von über sechs Millionen." Frankreich sei kein Land, das man allein auf solche christlich-abendländischen Wurzeln zurückführen könne.

Das vollständige Gespräch können Sie bis zum 16.12.2012 als
MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

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Links bei dradio.de:

Das Erbe des Nicolas Sarkozy
Kampf um Deutungshoheit über den 1. Mai