Donnerstag, 24. Juli 2014MESZ12:46 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsSchnapsidee auf der Zunge
Die Flasche steht auf einer Handfläche.

Die Umwandlung der Beuys'schen "Fettecke" in fünfzigprozentigen Schnaps ist Thema in den Feuilletons. Die "Welt" lässt den Vorwurf, die Künstler hätten sich an Beuys versündigt, nicht gelten. Mehr

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Fazit

AusstellungGipfeltreffen dreier Großmeister
Eine Frau steht vor einer großformatigen Fotografie.

Superhelden-Fotos von Andreas Gursky, Jeff Walls Fotos von Alltagsfiguren und Zeichnungen von Neo Rauch. Die Ausstellung in der Kestnergesellschaft Hannover sei ein "visuelles Experiment", erklärt Kurator Veit Görner. Es ist ihm gelungen.Mehr

ShakespeareKleines Kino-Wunder
Filmszene aus "Viel Lärm um nichts" ("Much Ado About Nothing") von Joss Whedon

Es darf gestaunt werden: eine Shakespeare-Adaption, die im Hier und Heute spielt, dabei lustvoll die Sprachgewalt des Dichters feiert, nicht ins Grobe abgleitet, und die dennoch brüllend komisch ist.Mehr

Film Noir Originelle Mordmethoden
Der chinesische Schauspieler Fan Liao ("Bai Ri Yan Huo"/ "Feuerwerk am helllichten Tage") posiert am während der 64. Internationalen Filmfestspiele in Berlin mit dem Goldenenen und Silbernen Bären. Liao wurde mit dem Silbernen Bären als bester Darsteller ausgezeichnet, der Film gewann den Goldenen Bären.

"Feuerwerk am helllichten Tage" von Dao Yinan war der große Gewinner bei der letzten Berlinale. Aber abgesehen von einer der originellsten Mordmethoden der Filmgeschichte (Schlittschuh) hat Film eigentlich nichts, was den Preissegen rechtfertigt.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.07.2012

Kulturkritiker: Eine Absage an das Frankreich-Bild Sarkozys

Für den französischen Kulturwissenschaftler Jürgen Ritte hat Sarkozy "einen eigenwilligen Umgang mit Daten"

Jürgen Ritte im Gespräch mit Gabi Wuttke

Mit Nicolas Sarkozys Abtreten von der Staatsspitze nimmt das Land auch Abschied von seinem Frankreich-Bild.
Mit Nicolas Sarkozys Abtreten von der Staatsspitze nimmt das Land auch Abschied von seinem Frankreich-Bild. (picture alliance / dpa / Christophe Karaba)

Nach Einschätzung von Jürgen Ritte, Literaturprofessor an der Sorbonne, ist die Absage der französischen Kulturministerin Aurélie Filippetti an die Einrichtung eines Hauses der französischen Geschichte nicht den fehlenden Finanzen geschuldet, sondern habe politische Hintergründe.

Geld sei nicht das entscheidende Argument, erklärte Ritte: "Das entscheidende Argument ist ein politisches, denn das Projekt eine Maison de l'Histoire de France, also ein Haus der französischen Geschichte, in etwa nach dem Vorbild des deutschen Hauses der Geschichte (...) einzurichten, war von vornherein politisch sehr umstritten." Die Initiative für das Projekt von Nicolas Sarkozy sei bestimmt gewesen von der ganz eigenen Geschichtsvision des nunmehr abgewählten französischen Staatspräsidenten. "Und diese Geschichtsversion war, wie man zuletzt ja noch gesehen hat im Wahlkampf, sehr stark auf die Herausarbeitung einer französischen nationalen Identität ausgerichtet, und das haben viele Historiker für sehr tendenziell gehalten."

Dabei habe man sich "abgearbeitet" an "Sarkozy, dem konservativen Politiker", betonte Ritte. Allerdings sei diese Annahme, Sarkozy habe mit diesem Maison de l'Histoire de France - ebenso wie in seinen Reden - seinen ganz eigenwilligen Umgang mit den Daten der französischen Geschichte pflegen wollen, nie dingfest belegt worden. Der Vorwurf sei hier, Sarkozy sehe die Geschichte des Landes als eine "eingleisige Erfolgsgeschichte hin zur Herausbildung der nationalen Identität". Insbesondere die Zuwanderer aus Nordafrika wären in dieser Version der französischen Geschichte außen vor geblieben, sagte Ritte.

Hinzugekommen sei der Fokus auf die französische Nation als eine ausschließlich katholisch-christliche Kultur, unterstrich Ritte. Für die Gegner der Sarkozy-Idee sei dies der entscheidende Angriffspunkt: "Frankreich ist eben auch in großen Teilen ein muslimisch geprägtes Land inzwischen mit einem Bevölkerungsanteil von über sechs Millionen." Frankreich sei kein Land, das man allein auf solche christlich-abendländischen Wurzeln zurückführen könne.

Das vollständige Gespräch können Sie bis zum 16.12.2012 als
MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

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Links bei dradio.de:

Das Erbe des Nicolas Sarkozy
Kampf um Deutungshoheit über den 1. Mai