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Literatur / Archiv | Beitrag vom 20.09.2011

Kritiker mit Beißhemmung

Von Sieglinde Geisel

Weichgespült? Scharfe Literaturkritiker, wie Marcel Reich-Ranicki, scheinen der Vergangenheit anzugehören (AP)
Weichgespült? Scharfe Literaturkritiker, wie Marcel Reich-Ranicki, scheinen der Vergangenheit anzugehören (AP)

Im Verriss wird die brave Literaturkritik zum Spektakel: Der Rezensent wetzt genüsslich das Messer, der gebeutelte Autor redet von Hinrichtung – und das Publikum amüsiert sich. Doch im gegenwärtigen Feuilleton ist der Verriss in Verruf geraten.

Die Kritiker haben eine Beißhemmung: Statt die Fetzen fliegen zu lassen, lobhudeln sie und verteilen Nettigkeiten und Empfehlungen oder ergehen sich in Inhaltsangaben.

Liegt es daran, dass sich im Literaturbetrieb Kritiker und Autoren zu gut kennen? Trauen sich die schlecht bezahlten Rezensenten keine Verrisse mehr zu, weil sie nicht als Spielverderber gelten wollen und den Ausschluss aus dem Betrieb fürchten? Oder wirkt ein scharfes Urteil wie Sand im kommerzialisierten Literaturbetrieb? Autoren und Kritiker geben Auskunft.

Manuskript zur Sendung als PDF-Dokument oder im barrierefreien Textformat.

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