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Lesart / Archiv | Beitrag vom 16.02.2016

KrimisBrillante Geister blicken in die Zukunft

Thomas Wörtche im Gespräch mit Andrea Gerk

Daniel Craig als James Bond in einer Szene des Kinofilms "Spectre" (picture-alliance / dpa/Sony)
Nicht nur in James-Bond-Filmen, sondern auch in der KriminalIiteratur spielt der neue Kalte Krieg bereits eine Rolle. (picture-alliance / dpa/Sony)

Der neue kalte Krieg ist schon längst in die Kriminalliteratur eingezogen, sagt der Experte Thomas Wörtche. Er freut sich vor allem darüber, dass auch das Genre der Politthriller wieder auflebt.

"Es gibt eine ganze Menge Autoren, die sich die Lage heute anschauen", sagte der Krimiexperte Thomas Wörtche über die Entwicklung von Spionageromanen im Deutschlandradio Kultur. Als Beispiel nannte er den 2013 verstorbenen US-Autor Tom Clancy und dessen Buch "Command Authority". Der Schriftsteller sei eigentlich ein alter kalter Krieger gewesen und habe den Ukraine-Konflikt in seinem Werk vorweggenommen. "Damals noch fiktional, aber was dann passiert ist tatsächlich  hatte er schon so ein bisschen in seinem Buch drin", sagte Wörtche. "Es ist natürlich lustig, dass der alte kalte Krieger dann sozusagen den neuen Kalten Krieg wieder zwischen Nato und Russland gefunden hat."

Beruhigungsreden

Die Floskel vom "neuen Kalten Krieg" diene allerdings als eine Art Beruhigungsrede, als ob es die alten Verhältnisse noch gebe, sagte Wörtche. Einige Autoren griffen das heute sehr viel klüger auf und widmeten sich den komplizierteren Verhältnissen. Als Beispiel nannte der Krimiexperte den US-Autor Olen Steinhauer, der sich 2014 mit dem Nahen Osten befasst habe. "Da sehen die Fronten dann ganz anders aus." Da sei der Politthriller als intellektuelles Spiel schon bedeutend weiter als die politische Rhetorik in der Realität.

Wiederkehr der Politthriller

Krimis hätten schon immer auf politische Konflikte reagiert, sagte der Experte. "Aber, was zur Zeit  wirklich erfreulich zu beobachten ist, dass das gute alte Genre des Politthrillers wiederkommt." Autoren solcher Bücher müssten sich sehr gut auskennen, um eine gewisse Plausibilität zu erzielen. "Sie müssen brillante Geister sein, sie müssen nicht nur 1-A-Schriftsteller sein, weil das ja auch schwierig darzustellen ist, sondern sie müssen sich auskennen auf der Welt." Sie müssten wissen, wie etwas läuft und gut recherchieren. Außerdem müssten sie einen visionären oder prophetischen Charakterzug haben. "Wenn das funktioniert, macht es einen Höllenspaß zu lesen."

Tom Clancy, Command Autority. Kampf um die Krim, Heyne Verlag, 24,99 Euro.

Olen Steinhauer, Die Kairo-Affäre, Blessing Verlag, 19,99 Euro.

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