Freitag, 31. Oktober 2014MEZ18:19 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsSein und Online
Ein Internetnutzer hat ein Tablet auf dem Schoß, darauf ist eine Facebook-Illustration zu sehen. Seine Beine sind über eine Sofalehne geschwungen. 

Im Computer gibt es keine große Pause wie im Theater: Der Besucherschwund der Analog-Bühnen beschäftigt heute mehrere Feuilletonisten. Sind Twitter und Facebook schuld oder gar die "Blogwarte", von denen einer schreibt? Mehr

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Fazit

Goethe 2.0Das Leben eines Universalgenies digital
Auf dem Bild "Goethe in der römischen Campagna" von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein liegt Goethe hingebettet vor einer italienischen Landschaft

Es ist eines der größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik: "Propyläen. Forschungsplattform zu Goethes Biographica", nennt es sich. Wird der moderne Mensch den alten Dichter durch die digitalen Medien besser verstehen? Mehr

Filme der WocheSolidarität in den 80ern und heute
Die belgischen Brüder Jean-Pierre (l) and Luc Dardenne (r) bei der Vorstellung ihres Films "Zwei Tage, eine Nacht" beim Valladolid International Film Festival in Spanien, aufgenommen am 18.10.2014

Engagement, Kooperation und Mitgefühl auf der Leinwand: Das mitreißende britische Sozialdrama "Pride" punktet mit Spaß und Pointen; "Zwei Tage, eine Nacht" der Gebrüder Dardenne zeigt den Kampf einer Angeschlagenen in einem Klima sozialer Kälte.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.09.2009

Krieg in der Podestlandschaft

Marius von Mayenburg inszeniert Hebbels "Nibelungen" an der Schaubühne

Von Eberhard Spreng

Die Berliner Schaubühne am Lehniner Platz
Die Berliner Schaubühne am Lehniner Platz (AP Archiv)

Die Premiere von Friedrichs Hebbels "Die Nibelungen" bildet einen vielversprechenden Auftakt der neuen Spielzeit an der Schaubühne Berlin.

Da kommt ein Holzfäller in eine gelangweilte Männergesellschaft. Er hat seine Axt mitgebracht. Die Klinge blinkt gefährlich, aber der Mann scheint milde. Sebastian Schwarz spielt den Siegfried als Kumpel aus dem Wald, der zwei jungen Damen die Köpfe verdreht. In Marius von Mayenburgs Inszenierung von Hebbels zu Lebzeiten erfolgreichstem Theaterstück sitzen Leute von heute auf einer aus Bühnenpodesten zusammengesetzten Steigung, vor der nichts weiter als ein paar einfache Stapelstühle stehen. Alles, was der Stoff an Fantasy, an operesker Urgewalt, an romantischem Wabern in der germanischen Gattungshöhle sonst hervortreibt, ist hier zugunsten einer schlanken, sprachbewussten und konzentrierten Aufführung getilgt.

In diesem Schauspielertheater um die ewigen Kriege zwischen Männern und Frauen gelingt in dem durchgängig jungen Ensemble vor allem dem hervorragenden Christoph Luser eine vielschichtige Charakterzeichnung des Hagen, aber auch der Gunther des Robert Beyer, ein nachdenkliches Kerlchen mit plötzlich und überraschend hervorbrechender Angriffswut, und Sebastian Schwarz als Siegfried überzeugen.

Am Ende, wenn sich Kriemhilds Hass auf die sich in einem Bündnis um Hagen zusammengeschlossenen Männer in ein gewaltiges Blutbad verwandelt hat, sitzt sie inmitten der Podestlandschaft und die rote Soße fließt und rieselt wie in einem modernen Springbrunnen um sie herum. Mayenburg leistet sich wenige starke Bilder, aber diese prägen sich ein in einer ansonsten ganz dem Wort vertrauenden Arbeit. Die Schaubühne beginnt ihre Spielzeit vielversprechend.

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Externe Links:

Schaubühne am Lehniner Platz