Sonntag, 26. April 2015MESZ17:46 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsKritik an der Festung Europa
Ein Dutzend Flüchtlinge drängen sich auf einem kleinen Boot im Mittelmeer, bevor sie auf das Schiff der Küstenwache gelangen können. (picture alliance / dpa / Alessandro Di Meo)

Der Schriftsteller Navid Kermani fragt in der "FAZ" nach den Fluchtgründen der Flüchtlinge. Hauptursache für den aktuellen Anstieg der Zahlen sei der Zerfall staatlicher Ordnung in Nordafrika. Kermani kritisiert, dass Europa den Verfall nicht aufgehalten habe.Mehr

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Fazit

Chris Dercon als Castorf-Nachfolger Der Neue am Traditionshaus
(picture alliance / dpa / Rainer Jensen)

Chris Dercon, designierter Intendant der Berliner Volksbühne, holt ein fünfköpfiges Künstlerteam an das Theater. Fünf Namen aus den Bereichen Theater, Tanz und Film präsentiert Dercon: zwei Choreographen sind dabei - für die Tanzlandschaft Berlins ein Gewinn.Mehr

Premiere in BonnKreuzzug des Lichts
Eine Mine im Kongo, in der unter anderem Coltan geschürft wird. Um diese Rohstoffe gibt es immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen in dem Land.  (JUNIOR D. KANNAH / AFP)

Eine mystische Schifffahrt zum europäischen Abgrund im Kongo und ein komplexer, großartiger, wichtiger Abend: "Das Herz der Finsternis" nach Joseph Conrad am Theater Bonn, inszeniert von Jan-Christoph Gockel. Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.09.2009

Krieg in der Podestlandschaft

Marius von Mayenburg inszeniert Hebbels "Nibelungen" an der Schaubühne

Von Eberhard Spreng

Die Berliner Schaubühne am Lehniner Platz (AP Archiv)
Die Berliner Schaubühne am Lehniner Platz (AP Archiv)

Die Premiere von Friedrichs Hebbels "Die Nibelungen" bildet einen vielversprechenden Auftakt der neuen Spielzeit an der Schaubühne Berlin.

Da kommt ein Holzfäller in eine gelangweilte Männergesellschaft. Er hat seine Axt mitgebracht. Die Klinge blinkt gefährlich, aber der Mann scheint milde. Sebastian Schwarz spielt den Siegfried als Kumpel aus dem Wald, der zwei jungen Damen die Köpfe verdreht. In Marius von Mayenburgs Inszenierung von Hebbels zu Lebzeiten erfolgreichstem Theaterstück sitzen Leute von heute auf einer aus Bühnenpodesten zusammengesetzten Steigung, vor der nichts weiter als ein paar einfache Stapelstühle stehen. Alles, was der Stoff an Fantasy, an operesker Urgewalt, an romantischem Wabern in der germanischen Gattungshöhle sonst hervortreibt, ist hier zugunsten einer schlanken, sprachbewussten und konzentrierten Aufführung getilgt.

In diesem Schauspielertheater um die ewigen Kriege zwischen Männern und Frauen gelingt in dem durchgängig jungen Ensemble vor allem dem hervorragenden Christoph Luser eine vielschichtige Charakterzeichnung des Hagen, aber auch der Gunther des Robert Beyer, ein nachdenkliches Kerlchen mit plötzlich und überraschend hervorbrechender Angriffswut, und Sebastian Schwarz als Siegfried überzeugen.

Am Ende, wenn sich Kriemhilds Hass auf die sich in einem Bündnis um Hagen zusammengeschlossenen Männer in ein gewaltiges Blutbad verwandelt hat, sitzt sie inmitten der Podestlandschaft und die rote Soße fließt und rieselt wie in einem modernen Springbrunnen um sie herum. Mayenburg leistet sich wenige starke Bilder, aber diese prägen sich ein in einer ansonsten ganz dem Wort vertrauenden Arbeit. Die Schaubühne beginnt ihre Spielzeit vielversprechend.

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Externe Links:

Schaubühne am Lehniner Platz