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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 29.11.2014

Krank durchs KrankenhausWas tun gegen gefährliche Keime?

Gäste: Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow, Vivantes Kliniken Berlin, und Prof. Dr. Arne Rodloff, Universität Leipzig

Moderation: Klaus Pokatzky

Ein Mediziner bekommt am 18.02.2014 in einer Klinik in Baden-Württemberg vor einer Operation ein Paar Handschuhe angezogen. (picture-alliance / dpa / Felix Kästle)
Ein Mediziner bekommt vor einer Operation ein Paar Handschuhe angezogen. (picture-alliance / dpa / Felix Kästle)

Rund 40.000 Menschen sterben hierzulande jährlich an der Folgen einer Krankenhausinfektion. Zwei Experten erklären den Hygienenotstand, die Gefahr durch multiresistente Keimvarianten - und wie Patienten sich schützen können.

Ohne sie könnten lebensbedrohliche Krankheiten nicht bekämpft, Organe nicht transplantiert werden: Antibiotika. Lange galten sie als medizinische Wunderwaffe, doch sie drohen wirkungslos zu werden. Resistente Keime, denen Antibiotika nichts anhaben können, sind weltweit auf dem Vormarsch.

Jedes Jahr infiziert sich etwa eine Million Patienten in deutschen Krankenhäusern mit Keimen, darunter auch mit den gefährlichen multiresistenten Varianten - rund 40.000 sterben daran.

Was tun gegen Antibiotikaresistenzen und gefährliche Keime?

"Die Keime sind nicht grundsätzlich gefährlich",

sagt Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Vivantes Kliniken Berlin. "Wenn sie jedoch in Wunden, Lunge, Blase oder Blutbahn gelangen, verursachen sie Infektionen, die auch sehr dramatisch verlaufen können – von der einfachen Wundinfektion bis zur Sepsis mit dem Tod als Folge."

Die Gründe: "Zum einen werden die Hygienevorschriften an vielen Krankenhäusern nicht korrekt durchgeführt. Zum anderen werden Antibiotika immer wieder ungezielt eingesetzt. Die Folge ist, dass die normale Bakterienflora abgetötet wird. Der resistente Keim bleibt und kann sich sogar noch besser entwickeln."

Negativ sieht der Hygiene-Experte auch den wachsende Kostendruck in den Krankenhäusern – und den Mangel an Fachkräften:

"Wir haben in Deutschland circa 170.000 Ärzte, davon sind etwa 300 Ärzte für Hygiene."

Sein Rat für Patienten:

"Wenn ein stationärer Klinik-Aufenthalt oder ein invasiver Eingriff anstehen, sollte der Patient sich vorab informieren, ob das Krankenhaus eine Abteilung für Hygiene oder Hygienefachpersonal hat. Auch kann der Patient darauf achten, dass Ärzte und Pflegepersonal sich vor einer Behandlung stets die Hände desinfizieren."

Infektionskrankheiten nehmen in den Industrieländern zu

"Dieses Thema ist deshalb so brisant, weil Infektionskrankheiten auch in den Industrieländern wieder zunehmen und die Mittel dagegen an Wirksamkeit verlieren“,

sagt Prof. Dr. Arne Rodloff, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie an der Universität Leipzig. Er warnte bereits vor mehr als zehn Jahren:

"Beispielsweise kommen jährlich 250.000 Menschen in der Bundesrepublik wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus, jeder Zehnte stirbt daran. Weitaus mehr Fälle werden ambulant behandelt. Das Antibiotikum, das bisher gegen die Pneumokokken, also die Erreger der Lungenentzündung, eingesetzt wurde, hat jedoch eine steigende Versagerrate; die liegt jetzt bei 20 Prozent. Das bedeutet: Die Pneumokokken werden resistent!"

Krank durchs Krankenhaus – Was tun gegen gefährliche Keime?

Darüber spricht Klaus Pokatzky von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Klaus-Dieter Zastrow und Arne C. Rodloff. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen und Fragen stellen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de.

Mehr zum Thema:

Gesundheit - Alles steril?
(Deutschlandradio Kultur, Reportage, 27.01.2014)

"Nicht genügend Hygienefachleute in den deutschen Krankenhäusern"
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 22.10.2012)

Kontrollierte Sauberkeit
(Deutschlandradio Kultur, Zeitreisen, 04.04.2012)

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