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Thema / Archiv | Beitrag vom 10.05.2011

Korruption, mafiöse Strukturen und ein riesiger Schwarzmarkt

Jagdbesessene Scheichs investieren Millionen für Falkenjagd

Von Heike Wipperfürth

Die reichen Söhne des Wüstenstaates Bahrain vor der Küste Saudi-Arabiens gehen einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nach - der Jagd mit den Falken (picture alliance / dpa)
Die reichen Söhne des Wüstenstaates Bahrain vor der Küste Saudi-Arabiens gehen einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nach - der Jagd mit den Falken (picture alliance / dpa)

Falken gelten als Symbol für Macht und Autorität. Die Jagd mit den Greifvögeln ist ein luxuriöses Hobby, vor allem der reichen Ölscheichs, die Millionen für einen Falken investieren - und auch illegale Wege für den Kauf eines Tieres beschreiten.

Schon seit 4,000 Jahren fasziniert die Beizjagd mit abgerichteten Falken die Menschen im Mittleren Osten. Aufgrund ihres scharfen Auges und der Schnelligkeit, mit der sie ihre Beute töten, gelten Falken als Symbole für Macht und Autorität. Besonders beliebt sind die seltenen Gerfalken, sagt Alan Parrot, ein Amerikaner, der lange als Falkner für reiche Araber tätig war. Heute ist er einer der schärfsten Kritiker der Falkenjagd in den arabischen Ländern.

"Es ist eine Macho-Sache, um ihr Ego zu befriedigen, denn der Gerfalke ist der größte und schnellste Falke der Welt. Es gibt Araber, die bis zu drei Millionen Dollar für einen wilden Gerfalken auslegen. Sie hausen in gekühlten Gebäuden, die an Gefriertruhen erinnern."

Gerfalken sind in Grönland und in den nordischen Ländern zuhause, deshalb leiden sie besonders unter dem Wüstenklima. Früher haben Beduinen einheimische Falken zum Jagen gefangen und nach ein paar Monaten wieder freigelassen. Heute ist die Beizjagd ein luxuriöses Hobby vor allem der reichen Ölscheichs. Die Falken für die Jagd stammen offiziell aus Züchtungen. Doch noch immer werden illegal gefangene Wildfalken aus der ganzen Welt, zumeist aber aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, in den Mittleren Osten gebracht – ein Schwarzmarkt mit einem geschätzten Volumen von 300 Millionen Dollar, sagt Parrot, der die Falkenschutzorganisation " Union for the Conservation of Raptors” gründete. Denn nur wer einen Wildfalken zähmt, der gilt etwas als arabischer Falkner. Parrot schätzt, dass jährlich zwischen 7,000 und 14,000 Wander- Ger- und Würgfalken nach Saudi Arabien, Bahrain, Kuwait und in die Vereinigten Arabischen Emirate geschmuggelt werden, um die Falkensammlungen der Scheichs zu bereichern.

"Die Vögel, die ich früher im Mittleren Osten verkauft habe, sind alle elendig verendet. Ich kann mich nur reinwaschen, indem ich der Sache ein Ende bereite."

Parrot ist überzeugt, dass die jagdbesessenen Scheichs und Prinzen ihr Geld und ihren Einfluss massiv einsetzen, um an edle Falken zu gelangen. Korruption und mafiöse Strukturen würden so befördert werden.

"Jeder, der sich in den Weg stellt, wird bestochen, eingeschüchtert oder umgebracht."

Traditionelles Jagdwild der arabischen Beizjagden ist übrigens die Kragentrappe –ihr Fleisch gilt als Aphrodisiakum. Weil sie auf der arabischen Halbinsel längst ausgerottet wurde, werden diese Tiere oft mit viel Geld und Aufwand in anderen Ländern eingefangen und lebend importiert. Oder die Jagdgesellschaften fliegen mit ihren Falken gleich nach Pakistan, wo es die Kragentrappe noch in freier Wildbahn gibt. Das alles finde abgeschottet von der Öffentlichkeit statt, sagt Parrot, die Scheichs ließen sich nicht gerne in die Karten gucken. Doch auf seiner Website dokumentiert er die Hintergründe des Falkenschmuggels. Parrot weiß, wovon er spricht. Er prangert die Machenschaften des Geschäfts mit den Falken an, seit er 1999 eine Bande in der Mongolei beim Schmuggeln erwischte. Parrot wurde damals fast zu Tode geprügelt.

"Es ist ein Geschäft mit Frischfleisch, wie Prostitution. Es muss gestoppt werden."

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