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Lesart | Beitrag vom 19.01.2016

Konservativer Umbruch in Polen Schriftsteller über PiS-Regierung uneins

Der Schriftsteller Artur Becker im Gespräch mit Frank Meyer

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Die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo (Radek Pietruszka, dpa picture-alliance)
Die neue Regierung unter der polnischen Regierungschefin Beata Szydlo erntet unter vielen Schriftstellern Kritik, aber bei einigen auch Zustimmung. (Radek Pietruszka, dpa picture-alliance)

Unter Polens Schriftstellern gibt es unterschiedliche Reaktionen auf den Kurs der neuen PiS-Regierung. Der deutsch-polnische Schriftsteller Artur Becker zitiert einige von ihnen: darunter auch nationalkonservative Befürworter.

Auch unter den polnischen Schriftstellern fänden sich prominente Autoren, die die neue PiS-Regierung unterstützen, sagte der deutsch-polnische Schriftsteller Artur Becker im Deutschlandradio Kultur. "Selbstverständlich gibt es solche und nicht nur unter den Trivialautoren oder unter Autoren, die einfach im Internet publizieren können und meinen, Dichter zu sein", sagte er. Es gebe auch großartige Schriftsteller, die sehr konservativ seien. "Hier muss man natürlich Jaroslav Marek Remkewic nennen, der eine sehr dialektische Gestalt ist."  Er sei schon ein alter Mann, der bereits "schöne pro-kommunistische Gedichte und Texte" geschrieben habe, als in Polen noch der Kommunismus geblüht habe.  

Paradebeispiel konservativen Denkens  

Anfang der 1980er Jahre habe er dann das sehr wichtige Buch "Polnische Gespräche im Sommer 1983" verfasst, das die Zeit des Kriegsrechts in Polen thematisiere. "An ihm sieht man, wie sich ein Schriftsteller politisch entwickeln kann."  In den letzten 15 Jahren sei er zu einem sehr nationalkonservativen oder rechten Schriftsteller geworden. Becker verwies auf das Gedicht nach dem Flugzeugabsturz des polnischen Präsident Lech Kaczyński im April 2010 über dem russischen Smolensk geschrieben habe. "Das war ein Paradebeispiel eines solchen konservativen Denkens." Es sei sprachlich sehr gut geschrieben, aber man hätte statt Lech Kaczyński auch Stalin schreiben können: "Die selbe Rhetorik."

Brief an das böse Volk 

Becker zitierte aber auch zahlreiche andere Schriftstellerkollegen, die sich sehr kritisch äußerten. So sei paradoxerweise ausgerechnet in der katholischen Wochenzeitung ein sehr guter Text des Autoren Andrzej Stasiuk erschienen. "Ich habe mich gestern kaputt gelacht, weil er schrieb sehr ironisch eine Art Brief an das böse Volk", sagte Becker. Daran könne man sehen, dass es in den Zeitungen einige Reaktionen von Schriftstellern gebe, die auch im Ausland bekannter seien. "Es gibt ja auch sehr viele Reaktionen von den Jüngeren, die sich in der demokratischen KOD-Bewegung zur Verteidigung der Demokratie bewegen."

Der Schriftsteller Artur Becker wuchs in Bartoszyce (Masuren) als Sohn deutsch-polnischer Eltern auf. Seit 1985 lebt er in Deutschland, wo er seither Romane, Erzählungen, Gedichte und Aufsätze verfasst und als Übersetzer tätig ist. Im Mai erscheint sein neuer Essayband "Kosmopolen".

Artur Becker: Kosmopolen
Essays
Verlag Weissbooks, Frankfurt 2016
670 Seiten, 36 Euro

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