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Studio 9 | Beitrag vom 09.02.2015

Kongress in Berlin"Neue Deutsche" wollen sich einmischen

Von Kemal Hür

Porträt von Esra Kücük (imago/Jens Jeske)
Auch Esra Kücük, die Leiterin der Jungen Islamkonferenz, engagiert sich unter dem Schirm der "Neuen Deutschen Organisationen". (imago/Jens Jeske)

Mehr Vielfalt in Medien, Kultur und Politik - das wollen die Teilnehmer des Kongresses "Neue Deutsche Organisationen" in Berlin. Sie haben einen Migrationshintergrund, wollen sich aber nicht mehr in klassischen Migrantenvereinen engagieren, sondern bilden neue Initiativen, in denen sie ihre Stimmen bündeln.

Sie tragen Namen wie: Deutsch Plus, Typisch Deutsch, Buntesrepublik, Deutscher Soldat oder Neue Deutsche Medienmacher. 170 zumeist junge Menschen aus 80 Vereinen und Initiativen aus allen Teilen Deutschlands kamen nach Berlin zum 1. Bundeskongress der Neuen Deutschen Organisationen. Initiiert wurde der Kongress von Ferda Ataman. Sie ist die Leiterin des Mediendienstes Integration und Mitglied des Vereins Neue Deutsche Medienmacher.

"Es wurde Zeit, dass wir uns treffen. Denn in ganz Deutschland haben wir festgestellt, dass sich Initiativen gründen, die nicht mehr in diese klassischen Migrantenvereine gehen und auch nicht mehr in Ausländerbeiräte oder so was reinwollen, sondern diese sollten sich kennenlernen, weil wir meinen, dass da ganz viele Gemeinsamkeiten sind. Deswegen ist es an der Zeit, sich zu treffen, vernetzen und Gemeinsamkeiten festzulegen."

Die eindeutigste Gemeinsamkeit ist, dass sich alle als Teil der deutschen Gesellschaft verstehen, aber einer pluralistischen neuen deutschen Einwanderungsgesellschaft. Sie wollen nicht mit ihren Defiziten wahrgenommen werden und sich nicht als Vertreter ihrer Herkunftsländer verstanden wissen. Ihre Vereine und Initiativen helfen benachteiligten Schülern, unterstützen Flüchtlinge, engagieren sich politisch, sozial und kulturell. Ferda Atamans Verein Neue Deutsche Medienmacher möchte mehr Vielfalt in den Medien erreichen.

"Wir haben auch Künstlerorganisationen gefunden, die sich ebenfalls in gleichem Sinne organisieren und die dafür sorgen wollen, dass es mehr Vielfalt gibt unter Schauspielern, im Kulturbereich, in den Museen und so weiter. Und es gibt einen Klub, die heißen Denkerinnen, und die wollen zum Beispiel auf dem literarischen Feld mehr Vielfalt."

"Notwendigkeit, die Stimme zu bündeln"

Zwei Tage lang diskutierten die Teilnehmer des Kongresses über Themen der Integration, Partizipation, Medien, Politik, Wirtschaft und Bildung - und darüber, wie sie sich als neue Deutsche in all diesen Bereichen einmischen können. Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich auch mit der Frage, ob aus diesem Kongress heraus ein Dachverband Neuer Deutscher Organisationen entstehen soll. Diese Gruppe leitete Farhad Dilmaghani vom Verein Deutsch Plus.

"Es gab einen Grundkonsens unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, das zu institutionalisieren. In welcher Form, darüber haben wir noch nicht konkret gesprochen. Wir haben die Ziele uns überlegt, die Verfahrensweise. Wie machen wir das partizipativ, sodass alle mitgenommen werden, dass auch Deutschland in der Fläche berücksichtigt wird? Wir haben auch festgestellt, dass es neue deutsche Organisationen mit unterschiedlichem Reifegrad gibt. Aber die Notwendigkeit, die Stimme zu bündeln - das war eigentlich allen klar."

Unterstützt wurde der Kongress von der Stiftung Mercator, der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesintegrationsbeauftragten Aydan Özoğuz. Sie bezeichnete die Neuen Deutschen als "das deutsche Volk des 21. Jahrhunderts". Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, sprach von hybriden Identitäten der Kongressteilnehmer:

"Unser Anliegen als Bundeszentrale ist, das Thema Teilhabe und Partizipation als ein ur-demokratisches Anliegen allen zugänglich zu machen und damit die neuen deutschen Organisationen viel stärker als Partner von Demokratiebildung in Deutschland sichtbar zu machen."

Eine Fortsetzung des Kongresses wurde bereits beschlossen. Und der Ort steht fest. Der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt, lud auf der Abschlussveranstaltung die Teilnehmer zum zweiten Treffen nach Nürnberg ein.
Die Ergebnisse des ersten Kongresses werden heute Vormittag auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt werden.

 

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