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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.12.2008

Kommissions-Vorsitzender der Bundesärztekammer fordert Debatte über Organtransplantation

Professor Hans Lilie im Gespräch mit Hanns Ostermann

Herbstlaub liegt auf der Skulptur eines Grabmals auf dem Alten Friedhof in Freiburg. (AP)
Herbstlaub liegt auf der Skulptur eines Grabmals auf dem Alten Friedhof in Freiburg. (AP)

Der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, Professor Hans Lilie, hat eine breite gesellschaftliche Debatte über Organtransplantationen angeregt. Lilie sagte, es sei nicht entscheidend, dass jeder Deutsche einen Organspendeausweis habe, sondern dass die Angehörigen wissen, was sich der Verstorbene nach seinem Tod wünsche.

Viele Menschen regelten alle Fragen rund um ihren eigenen Tod wie Bestattung und Erbschaft. Dazu solle auch die Organspende gehören. "Dann wird der Organspendeausweis praktisch entbehrlich."

Eine Kommerzialisierung von Organspenden, wie sie derzeit gefordert wird, hält der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transplantationsmedizin für unbrauchbar. So gibt es Überlegungen, Organspender bei Krankenkassen-Beiträgen zu entlasten. "Diese Anreize greifen alle nicht wirklich", so Lilie. Stattdessen müsse die Gesellschaft lernen, mit diesen Problemen umzugehen. Es brauche eine viel breitere Aufklärung und mehr Engagement für das Thema.

Weiterhin erteilte Lilie, Professor für Straf- und Medizinrecht an der Universität Halle, auch den Forderungen nach einer Widerspruchslösung bei Organentnahmen eine Absage. Danach können allen Toten Organe entnommen werden, sofern sie nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen haben. "Dass Schweigen eine Zustimmung ist, das kennen wir in unserer Rechtsordnung nicht", sagte Lilie. Ein Umstand, der etwa in Österreich anders sei, wo die Widerspruchslösung praktiziert wird.

Entgegen der landläufigen Meinung sei es auch nicht die Widerspruchslösung, die im häufig genannten Beispiel Spanien die Zahl der Organspender erhöht habe, sondern die bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Krankenhäuser. "Die meisten Länder, die die Widerspruchslösung haben, praktizieren die erweiterte Zustimmungslösung. Denn es wäre doch unmenschlich und ethisch kaum vertretbar, ohne mit den Angehörigen zu sprechen, einem Verstorbenen die Organe zu entnehmen."

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