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Lesart | Beitrag vom 10.01.2017

Klassiker in einfacher SpracheBücher für Analphabeten und andere Nichtleser

Ralf Beekveldt im Gespräch mit Frank Meyer

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Eine Frau sitzt lesend auf einem Sofa. Das Buch ist der Mittelpunkt des Bildes. (imago/ Westend61)
Etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland bleibt die Welt der Literatur verschlossen (imago/ Westend61)

Bücher auch denen näherzubringen, denen das Lesen schwerfällt - das hat sich Ralf Beekveldt zum Ziel gesetzt. Sein Verlag "Spass am Lesen" gibt Bücher in einfacher Sprache heraus. Darunter auch Klassiker oder Bestseller wie "Tschick".

2,5 Millionen Analphabeten, dazu fünf Millionen funktionale Analpheten und 13 Millionen, die nur fehlerhaft lesen und schreiben können - mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland haben Schwierigkeiten mit dem Lesen. 

Vielen von ihnen könnte man dennoch Bücher zugänglich machen, meint Ralf Beekveldt, Geschäftsführer des Verlages "Spaß am Lesen". Sein Verlag "Spaß am Lesen" gibt Bücher in einfacher Sprache heraus: sowohl solche, die eigens in einfacher Sprache geschrieben wurden, als auch Übersetzungen von Klassikern. "Einfache Sprache hat keine Fremdwörter, ein Satz mit höchstens einem Komma, Sätze mit nur acht Wörtern, keine Metaphern", erläuterte Beekveldt im Deutschlandradio Kultur. Gegenüber der für Behinderte entwickelten "Leichten Sprache" sei das ein Sprachniveau höher.

"Tschick" in einfacher Sprache - geht das?

Das Programm des Verlages bestehe sowohl aus neu geschriebenen Werken als auch aus "Übersetzungen" von bestehenden Werken in einfache Sprache. Darunter zum Beispiel Wolfgang Herrndorfs Bestseller "Tschick". Oder Klassiker wie "Der Graf von Monte Christo" oder "Jane Eyre". Ralf Beekveldt kann sich sogar vorstellen, Nietzsche in einfacher Sprache herauszubringen. "Das ist dann eine Herausforderung für unsere Übersetzer, das weiß ich, aber trotzdem sollten wir das versuchen."

Wenn man Literatur in einfach Sprache übersetze, gehe einiges vom Zauber des Originals verloren, räumt Beekveldt ein. Aber diese Verluste müsse man hinnehmen. "Das sind eigentlich Nicht-Leser, die normalerweise nie ein Buch lesen. Die sind nicht in der Lage, die Originalfassung zu lesen", so Beekveldt. Aber: "Manchmal haben wir auch in der vereinfachten Version, dass da ein neuer Zauber hineinkommt. Das passiert auch mal. Und der wirkliche Zauber ist selbstverständlich, dass Leute, die nie ein Buch lesen, dann plötzlich doch ein Buch lesen. Das ist doch auch zauberhaft." (uko)

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