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Religionen / Archiv | Beitrag vom 30.05.2009

"Kirchentag lohnt sich immer"

Jugendliche auf dem 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen

Von Ita Niehaus

Eröffnungsgottesdienst des Evangelischen Kirchentages in Bremen (AP)
Eröffnungsgottesdienst des Evangelischen Kirchentages in Bremen (AP)

Hunderttausende Menschen kamen nach Bremen zum 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Unter ihnen waren auch zahlreiche Jugendliche. In Gruppen und meistens auch gut gelaunt, bevölkerten sie die Innenstadt und die rund 2500 Veranstaltungen.

Lydia: "Ich fand es gut. Ich habe mich überall wohl gefühlt, auch als Jugendlicher. Auch dass Jugendliche viele Projekte gemacht haben, man hat viele Jugendliche getroffen, die einen auch angesprochen haben, das fand ich toll."

Dennis: "Großartig. Kirchentag lohnt sich immer – wegen der Menschen. Man lernt ganz viele Menschen kennen und lernt ganz viel von deren Freude an diesem Tag und dadurch ist man natürlich selbst auch begeistert."

Diese Begeisterung war in Bremen überall zu spüren.

Für viele Jugendliche war der Kirchentag ein großes Glaubensfest. Und sie machten die Erfahrung, dass Kirche auch ganz anders sein kann: Fröhlich, locker und unbeschwert

Aber für die Jugendlichen war der Bremer Kirchentag keineswegs nur eine große Party. Er hatte für sie auch einen ganz klaren politischen Akzent: In Diskussionen suchten sie nach neuen Werten angesichts von Weltwirtschaftskrise und Klimawandel. Immer wieder zu hören war aber auch der Wunsch nach mehr innerkirchlicher Beteiligung.

Stephanie Walter: "Ich würde mir ganz konkret wünschen, dass wir im Präsidium irgendwann nicht nur das Recht haben, unsere Meinung beizutragen, da auch schon auf diese Weise was bewegen können, aber auch da bald ein Stimmrecht haben."

Doch Stephanie Walter, die 26 Jahre alte Vorsitzende des Jugendausschusses, sieht die evangelische Kirche da auf einem guten Weg. Die Jugendlichen waren in Bremen so stark beteiligt wie nie zuvor – sie moderierten auf der Bühne, halfen bei der Organisation und gestalteten das Programm mit. Rechtsextremismus etwa war erstmalig ein großes Thema auf einem Kirchentag.

Stephanie Walter: "Der ist entstanden in Jugendausschuss, auch in Rücksprache mit ev Jugendlichen vor Ort, die gesagt haben, hey das ist bei uns ein Thema, das ist ein Problem, damit haben wir uns schon beschäftigt und wir würden uns das wünschen, dass das auch hier weiterbearbeitet wird und so haben wir das weiter getragen."

Für Karina und Matze war nicht nur das eine wichtige Erfahrung.

Karina: "Wir waren auf verschiedenen Bibelarbeiten, dass die Bibelarbeiten ganz anders aufgelegt und aufgearbeitet werden und dass man, je nachdem zu wem man geht und was man sich anhört, ganz viele verschiedene Sachen hört."

Matze: "Was ich auf jeden Fall mitnehme, ist die tolle Stimmung, natürlich auch das Gefühl, mit sehr vielen Leuten gemeinsam zu singen, die Erfahrung, Gemeinschaft und Freiheit erleben zu können, ohne abhängig zu sein."

Viele der Jugendlichen engagieren sich in ihren Gemeinden. Der 16 Jahre alte Matze aus Ibbenbüren betreut Konfirmanden. In Bremen hat er viele Ideen gesammelt, die er in seiner Gemeinde umsetzen möchte. Zum Beispiel wie man durch Gemeinschaftsspiele aktiv auf andere zugehen kann - auch mit ganz einfachen Mitteln wie einem Seil.

Matze: "Dieses Seil wurde auf Spannung gehalten im Kreis und egal wie schwer man war, man konnte über dieses Seil drüber gehen, allein dadurch dass von 15 Leuten dieses Seil einfach unter Spannung gehalten wurde. Vertrauen, das große Gemeinschaftsgefühl hierbei und Gemeinschaft zu stärken."

Renke Brahms, der Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche, zieht eine positive Bilanz. Wichtig ist ihm vor allem Eines in Zeiten der Krise:

Renke Brahms: "Dass sie mitgenommen haben, ihre Fragen, ihre Zweifel werden ernst genommen, sie finden ne Heimat im Glauben, sie dürfen sich in ganz offener Weise mit Glaubensdingen auseinander setzen. Das hat aber auch etwas zu tun mit einer Antwort auf die Losungsfrage 'Mensch, wo bist du?' Dass sie sagen können, ja hier bin ich, ich übernehme Verantwortung."

Seine Hoffnung: Dass die Jugendlichen, diese Erfahrungen - aktiv beteiligt gewesen zu sein, ernst genommen worden zu sein - in ihre Gemeinden mitnehmen.

Renke Brahms: "Sich zu Wort melden und zu sagen, dass sind unsere Interessen, wir wollen uns einbringen und wir wollen auch beteiligt werden an Entscheidungen. Wir wollen nicht nur im Keller landen in den Jugendräumen. In der Gemeinde vor Ort sagen, wir wollen auch in der Form von Gottesdiensten, Veranstaltungen, aber auch von Mitbeteiligung in den Gremien beteiligt werden – dafür einzustehen."

Auch die Evangelische Kirche, von der kleinsten Gemeinde bis zum Präsidium, kann einiges lernen von den Jugendlichen.

Nantje Gloy: "Dass die Kirche vielleicht manchmal offener mit neuen Ideen der Jugend umgeht, mehr einbindet. Also dass Konfirmandenunterricht ein bisschen interaktiver gestaltet werden. Gerade da kann man die Kinder und Jugendlichen für Glauben begeistern und das passiert leider oft nicht."

Stephanie Walter: "Ich glaube, dass Jugendarbeit oder Jugendliche an Kirche zu binden dann funktioniert, wenn Freiraum geschaffen wird, wenn Jugendlichen auch Verantwortung übertragen wird und wenn das Gefühl entsteht, dass man was selbst gemacht hat – also der selbst gestrichene Jugendkeller, zu dem hat man ne ganz andere Verbindung, oder auch das eigene Gestalten in Projekten, mal den Jugend-Gottesdienst organisieren, Konfirmandenfreizeiten begleiten."

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