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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 28.03.2012

"Kings of Devil's Island"

Hartes Drama über den Missbrauch junger Strafgefangener

Von Hannelore Heider

Stellan Skarsgard spielt den Gefängnisdirektor in "Kings of Devils Island". (picture alliance / dpa / Justin Lane)
Stellan Skarsgard spielt den Gefängnisdirektor in "Kings of Devils Island". (picture alliance / dpa / Justin Lane)

Ein junger Straftäter soll auf einer Gefangeneninsel als Arbeitssklave Zucht und Ordnung lernen. Doch er lehnt sich auf gegen die sadistischen Wärter und gegen seine Mitinsassen. Am Ende rebellieren die Gefangenen und können nur von Kanonen aufgehalten werden.

Die Handlung des Filmes beginnt Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf einer steinigen, Meer umtosten Nordseeinsel. Der jung Straftäter Erling wird in Fesseln an Land in die Jugendstrafanstalt Bastoy geführt. Fürderhin soll er dort seines Namens beraubt als Nummer C 19 die Regeln der Gesellschaft lernen. So erklärt es Direktor Hakon Bestyreren (Stellan Skarsgard) dem neuen Zögling, wohl ahnend, dass es ein schweres Stück Arbeit wird, den zornigen jungen Mann zu brechen.

Denn genau darum geht es in dieser Strafkolonie, wo die Jungs als Arbeitssklaven gehalten werden. Genau deshalb stellt der Direktor dem Neuankömmling auch einen gleichaltrigen Insassen als Vorbild hin. Olav (Trond Nilssen) hat nur noch wenige Monate bis zu seiner Entlassung, wenn er sich weiter so gut führt. Aus der Erfahrung vieler Gefängnisfilme, und genau so beginnt auch dieser, weiß der Zuschauer, das dies zum zentralen Konflikt werden wird.

Trotzdem bleibt der harte, düstere Film bis zum Ende spannend. Er ist vor dem brutalen Geschehen des Missbrauchs der Jungen in jeglicher Form und vor gnadenlosen Natur vor allem ein psychologisches Drama, in dem sich die beiden so unterschiedlichen jungen Helden nicht nur der sadistischen Wärter erwehren, sondern auch moralische Entscheidungen von großer Tragweite treffen müssen. Denn während Erling um jeden Preis, auch der gnadenlosen Bestrafung seiner Mitinsassen, fliehen und Olav seine privilegierte Stellung als Entlassungskandidat nicht gefährden will, entwickelt sich um sie herum eine Tragödie, die letztlich zur Rebellion der Insassen führen wird, die nur mit Soldaten und Kanonenbooten niedergeschlagen werden kann.

Die entwürdigenden Lager gab es bis in die fünfziger Jahre, der Aufstand auf der Jugendgefängnisinsel beruht auf wahren Begebenheiten und es war sicher ein Anliegen der Filmemacher, diese nationale Schande auf zu arbeiten. Dass sich ein so berühmter Charakterdarsteller wie Stellan Skarsgard in diesen Dienst stellt, verschafft dem Film auch internationale Aufmerksamkeit, was bei dem allgemeingültigen Thema der Gewalt gegen Jugendliche in jeder Form und im Sinne gesellschaftlicher Konformität sehr wünschenswert ist. Er spielt den introvertierten Gefängnisdirektor distanziert und differenziert als einen Mann, der nach vermeintlich ehrenwerten Überzeugungen handelnd dem Machtmissbrauch Vorschub leistet. Die beiden jungen Hauptdarsteller sind ihm an intensivem Spiel und Glaubwürdigkeit dabei ebenbürtig.

Norwegen 2011, Regie: Marius Holst, Darsteller: Stellan Skarsgård, Benjamin Helstad, Kristoffer Joner, Trond Nilssen, 116 Minuten, o.A.

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