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Religionen / Archiv | Beitrag vom 17.01.2016

KinderbuchReligiöse Fragen kinderleicht beantwortet

Von Kerstin Poppendieck

Bischöfe und Priester sitzen mit Gesangbüchern und Bibeln in der Hand im Kölner Dom.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Was Religion ausmacht: Kinder haben ihre ganz eigenen Fragen dazu. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

In dem Buch "Wie heißt dein Gott eigentlich mit Nachnamen?" werden diese und andere Kinderfragen zu den fünf Weltreligionen beantwortet. Ein Kompendium mit einzigartigen Fotocollagen des Künstlers Jan von Holleben, der die Bilder zusammen mit Kindern angefertigt hat.

Marie und Anna blättern durch das Buch auf ihrem Schoß. Die Beiden suchen ein ganz bestimmtes Bild.

"Ähm, hier. Also das soll zeigen, wie wir sozusagen alle gemeinsam einen Gott haben, und wie wir uns ein Versprechen geben. Aber manche halten das nicht ein."

Auf dem Foto stehen sich die zehnjährige Marie und ihre neunjährige Schwester Anna gegenüber. Beide geben sich die Hand, so als würden sie ein Versprechen besiegeln, doch Maries Finger sind hinter ihrem Rücken gekreuzt. Die Frage zu diesem Foto lautet: Sagt man in allen Religionen Amen? In der Antwort im Buch heißt es dazu:

"Amen ist das letzte Wort und gleichzeitig ein Ausruf: Mit ihm beenden Juden und Christen ihr Gebet. Muslime sagen auf Arabisch 'Amin'. Das Wörtchen ist sehr kurz. Und doch so bedeutungsvoll wie ein Eid. In ihm steckt nämlich ein Versprechen. Wer 'Amen' sagt oder 'Amin', der versichert Gott: So sei es. Was ich gesagt habe, das gilt."

Sagt man in allen Religionen Amen? ist eine von über 70 Fragen, die die Journalistin Jane Baer-Krause zusammen mit einem Team von Religionsexperten in dem Buch beantwortet. Sie ist die Leiterin des Internetprojektes religionen-entdecken.de, die einzige interreligiöse Kinder-Webseite Deutschlands. Hier können Kinder unter anderem Fragen rund um das Thema Religionen stellen. Für das Buch hat Jane Baer-Krause Fragen zu den fünf Weltreligionen von der Internetseite ausgewählt.

"Wie beten Angehörige der einzelnen Religionen, was essen die, wie ziehen die sich an, welche Feste feiern die, warum gibt es welche Regeln? Warum trägt die Muslima ein Kopftuch? Die eine ja und die andere nicht? Also solche Dinge, die die Kinder wirklich in ihrem Umfeld sehen."

Mit kindlicher Logik hinterfragen

Fragen, die aus einer kindlichen Logik entstehen, und die von den Experten kindgerecht beantwortet werden. Kurze, prägnante Sätze, oftmals pragmatisch und immer positiv. Ein Beispiel: Auf die Frage, warum den Hindus Kühe heilig sind, heißt es unter anderem: In Indien herrscht große Armut. Und Kühe versorgen die Menschen mit lebensnotwendigen Dingen. Deshalb verehren Hindus sie als Mutter allen Lebens.

"Ja, wie bei jedem anderen anspruchsvollen Thema geht's natürlich vor allem darum, komplizierte Sachverhalte mit einfachen Worten zu erklären. Und das setzt wiederum voraus, dass wir einen Sachverhalt erstmal selber kapieren. Und ich behaupte einfach mal, dass es die Religion da in einigen Punkten mit dem Schwierigkeitsgrad der höheren Mathematik aufnehmen könnte."

Das merkt man den Texten des Buches allerdings nicht an. Doch so unterhaltsam sie sich auch lesen, erst im Zusammenspiel mit den beeindruckenden Fotokollagen des Künstlers Jan von Holleben wird das Buch zu etwas Einzigartigem. Seine Bilder stellen die Texte nach, kommentieren sie kreativ, witzig und originell. Für ihn war das Thema Religion allerdings eine ganz besondere Herausforderung.

"Weil es ja in vielen Religionen auch dieses Fotoverbot, sag ich mal, gibt, oder dieses 'Du sollst dir kein Bildnis machen' von Gott. Und es natürlich auch mittlerweile eine gesellschaftliche Dramaturgie zu dieser ganzen Religionsfrage gibt, was darf man eigentlich darstellen und was nicht, was ist gefährlich? Und irgendwann hab ich einfach so für mich entschieden, dass ich natürlich keinen Gott darstellen werde, sondern wenn dann werden wir das Ganze sowieso auf einer abstrakteren Ebene bearbeiten oder wir werden Beispiele aus dem Alltag nehmen, die dann mit der Situation zu tun haben."

Mit über 80 Kindern hat Jan von Holleben zusammengearbeitet. Vor allem die Fotos, die in seinem Berliner Atelier entstanden, sind außergewöhnlich. Bei seiner Interpretation der Entstehung der Erde stehen sechs Kinder vor einer weißen Wand und heben die Hände über den Kopf. Über dem ersten Kind schwebt eine Glühbirne, über dem zweiten blaue Schnüre als Symbol für Wasser, weiter geht es mit Steinen und Stöckchen, Tieren aus Hartgummi und einer kleinen Puppe. Nur das siebte Kind sitzt nichts tuend am Boden.

Porträts mit Spielzeugen und Süßigkeiten

Neben den Kindern arbeitet Jan von Holleben vor allem mit Spielzeugen und Süßigkeiten. Nachdem er im ersten Schritt die Kinder fotografiert, arrangiert er im zweiten Schritt die entstandenen Fotos der Kinder mit den unterschiedlichsten Gegenständen vom Spielzeugauto über ein Teesieb bis hin zum Gummibärchen. So entstehen bunte Fotokollagen, bei denen es viel zu entdecken gibt. Marie, Anna und Odric sind drei der Kinder, die bei dem Projekt mitgemacht haben. Neben dem Spaß, den sie dabei hatten, haben sie auch viel über andere Religionen gelernt.

Marie: "Ja sehr. Also wir sind ja auf einer evangelischen Schule. Da lernen wir zwar auch viel, aber hier hab ich noch was dazu gelernt. Was das bedeutet, wenn man dann zum Beispiel auf jemanden trifft, und der dann einen begrüßt in einer anderen Sprache und dann was von dem Gott erzählt und man selber das erstmal gar nicht versteht, aber durch den Gott ist man dann doch irgendwie verbunden, weil alle haben ja eigentlich den gleichen Gott."

Anna: "Ich find es spannend, da findet man was ganz Neues raus. Dass sie andere Götter haben, sich anders anziehen und sehr viel anders machen."

Odric: "Ich wusste gar nicht, dass es Religionskriege gibt. Ich hab nämlich in diesem Buch ein Bild gesehen, wo es darum ging, Religionenkrieg ist das gut oder schlecht. Aber ich muss mir das noch durchlesen."

Auf dem Bild dazu sieht man acht Kinder, die sich in zwei Gruppen gegenüberstehen. Doch anstatt sich mit Waffen zu bekriegen, bewerfen sie sich mit bunten Blüten, deren Wurfbahn einen Regenbogen zwischen den beiden Kindergruppen ergibt.

Es ist ganz leicht, sich in dem Buch festzulesen. Man findet immer wieder Fragen, die neugierig machen und deren Antwort man nicht kennt, egal ob als Kind oder Erwachsener. Deshalb ist es auch ein Buch, das Eltern und Kinder gemeinsam lesen können. Es geht nicht darum, sich kritisch mit den einzelnen Religionen auseinander zu setzen, sondern respektvoll und positiv die unterschiedlichen Weltreligionen vorzustellen. Sowohl die Autorin Jane Baer-Krause als auch der Fotokünstler Jan von Holleben wünschen sich, mit diesem Buch Vorurteile abzubauen und vielmehr neugierig auf andere Religionen zu machen.

Jane Baer-Kraus / Jan von Holleben: Wie heißt dein Gott eigentlich mit Nachnamen? Kinderfragen zu fünf Weltreligionen.
Gabriel Verlag, Stuttgart 2015
184 Seiten, 16,99 Euro

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