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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 14.05.2008

Killer als Kulturtouristen

Neu im Kino: "Brügge sehen und sterben" und "Paranoid Park"

Vorgestellt von Hannelore Heider

"Brügge sehen und sterben" ist eine rabenschwarze Krimikomödie voll britischem Humor, in der zwei Killer nach einem verpatzten Auftrag im belgischen Brügge "geparkt" werden. Weil sie sich langweilen, kommt es zu mancherlei Verwicklungen. Gus van Sants "Paranoid Park" taucht ein in die Lebenswelt jugendlicher Skater und beschreibt collageartig einen mysteriösen Todesfall.

"Brügge sehen und sterben"
GB 2008 Regie und Drehbuch: Martin McDonath. Darsteller: Colin Farell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes, Clémence Poésy. 107 Minuten, ab 16 Jahren

Eine perfekte Krimikomödie! Im Spielfilmdebüt des oscarpremierten Kurzfilmers Martin McDonath mischt sich ein verblüffend einfacher Plot mit brillanten Dialogen, exzellenten Darstellern, rasanter Action und britischem Humor der schwärzesten Sorte.

Colin Farell (Ray) und das irische Schwergewicht Brendan Gleeson (Ken) sind zwei Auftragskiller, die nach einem verpatzen Job von ihrem Boss Harry (Ralph Fiennes) in der belgischen Kleinstadt Brügge "geparkt" werden. Während sie auf einen Anruf vom Boss warten, der weitere Instruktionen bringen soll, vertreiben sie sich notgedrungen die Zeit mit Sightseeing in der schönen mittelalterlichen Stadt, die Ray freilich nur "Scheißkaff" nennt. Ken genießt, Ray trudelt langsam in den Wahnsinn, denn die vorweihnachtliche Stimmung birgt genug Melancholie, um Rays Gewissensqualen am kochen zu halten: Er hat außer einem Priester, wie es Auftrag war, aus Versehen auch noch einen kleinen Jungen erschossen und ist in höchstem Maße Selbstmord gefährdet.

Während Ken die Kirchtürme und Kanäle der Stadt erkundet und versucht, seinen Kumpel in bessere Stimmung zu versetzten, sucht Ray sein Heil in einer Frauenbekanntschaft, die natürlich zu einer recht skurrilen Beziehung gerät.

Zwei ungleiche Kumpane, ein hysterischer Boss, und ein bizarrer Auftrag führen dazu, dass sich die beiden Freunde und Killer mit geladenen Pistolen gegenüberstehen. Doch das ist noch lange nicht der Showdown!

"Paranoid Park"
USA/Frankreich 2007. Regie, Drehbuch: Gus Van Sant. Darsteller: Gabe Nevins, Taylor Momsen, Jake Miller, Lauren McKinney. 85 Minuten, ab 16 Jahren

Regisseur Gus van Sant mit den Hauptdarstellern seines Films "Paranoid Park" beim Fimfestival Cannes 2007. (AP)Regisseur Gus van Sant mit den Hauptdarstellern seines Films "Paranoid Park" beim Fimfestival Cannes 2007. (AP)Der Titel gebende "Paranoid Park" ist ein ebenso wirklicher wie unwirklicher Ort auf Erden, eine illegal errichtete Skaterbahn, auf der sich jugendliche Außenseiter und sozial Ausgegrenzte so weit wie möglich in die Lüfte erheben. Der Held dieser Romanverfilmung, der 16-jährige Alex (Gabe Nevins) wird von einem Freund dorthin mitgenommen. Das Flair dieses Ortes fasziniert den Jungen, der von Elterntrennung bis Schulstress wohl den normalen Alltag eines Jugendlichen heute erlebt.

In genau diesen Alltag aber wird ein eigentlich traumatisches Erlebnis integriert. Denn auf der Skaterbahn ist ein Mord, wie die Polizei vermutet, geschehen, wir aber wissen, es war ein Unglücksfall, der einem Menschen das Leben gekostet hat.

In der von Gus Van Sant auch hier wieder genutzten, collageartigen Erzählweise aus bruchstückhaften, ständig die Perspektive wechselnden Rückblenden, dokumentarischen Super-8-Aufnahmen der Skater und der Erzählerstimme des Jungen, schält sich das Ereignis langsam heraus, auch die Versuche des Jungen, mit Schuld, Angst etc. umzugehen. Doch die filmischen Bemühungen, in den für Erwachsenen gänzlich unzugänglichen, jugendlichen Kosmos einzudringen, versanden. Am Ende gibt es weder eine Läuterung, noch sind wir der Erklärung oder dem Verständnis ein Stück näher gekommen.

Das ist kein Unvermögen, sondern Absicht, die schon Gus Van Sants Porträt des Skandalmusikers Curt Cobain in "Last Days" und das jugendliche Gewaltdrama "Elephant" so faszinierend wie schwierig anzuschauen machte.

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