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Thema / Archiv | Beitrag vom 07.09.2009

Kiez gegen Knete

Von Axel Schröder

Die Anwohnerinnen und Anwohner rund um die Hamburger Bernhard-Nocht-Straße haben mit einem Straßenfest gegen die geplante Luxussanierung ihres Kiezes protestiert.

"Bezirksversammlung" nennen die Initiatoren das Straßenfest am vergangenen Sonnabend. Getränkestände, eine Hüpfburg, Imbissbuden säumen die Bernhard-Nocht-Straße. Und Info-Stände, an denen über das Projekt berichtet wird, gegen das die Organisatoren kämpfen. Einer der Organisatoren ist der Künstler Christoph Schäfer, wohnhaft Bernhard-Nocht-Straße:

"Ja, das hier ist die Bezirksversammlung gegen das Bernhard-Nocht-Quartier von der Initiative 'No BNQ', zusammen mit der 'Hafenstraße Anwohnerinnen und Anwohner', viele Läden aus der Nachbarschaft hier in St. Pauli, nehmen sich das 'Recht auf Stadt'. Und konkret geht es um einen Investor, 'Köhler und von Bargen oHG', die hier einen halben Block aufgekauft haben - 15 Häuser – und den Luxus modernisieren wollen."

… und gegen diese scheibchenweise Luxussanierung, gegen die – stadtsoziologisch gesprochen - Gentrifizierung wehren sich viele St. Paulianer. Christoph Schäfer entschuldigt sich für eine Minute, muss eine Ansage durchs Mikrofon machen, kündigt ein Puppentheaterstück für Kinder an: "Kasperle und der Miethai" steht auf dem Spielplan, ringsum sitzen Kinder, erwartungsfroh.

Der Protest gegen die Aufwertung ganzer Stadtteile nimmt in Hamburg schon seit Jahren an Schärfe zu: zuerst forcierte die Stadt die Sanierung des Schanzenviertels: kleine, kreative Läden oder genossenschaftliche Projekte müssen wegen steigender Mieten dichtmachen. Die Lücken füllen finanzstarke Ketten: McDonalds, Starbucks, Levis eröffnen dort genauso ihre Läden wie kleine teure Edelboutiquen. Das gleiche drohe nun St. Pauli, so Christoph Schäfer:

"Es gibt kaum noch Räume, wo man was ausprobieren kann, für originelle Ideen von Läden , die sich eben nicht an so ein totales Massenpublikum wenden, sondern die etwas Eigenes haben, was eine Stadt auch ausmacht. Und da schneidet sich die Stadt auch ins eigene Fleisch an dieser Stelle."

Und langsam scheint die Stadt das auch zu merken: die Polizei griff nicht ein, als Ende August mehrere Dutzend Künstler unter Schirmherrschaft des Malers Daniel Richter das historische und verfallene Hamburger Gängeviertel besetzten. Dort will ein Holländischer Investor die denkmalgeschützten Häuser abreißen und Premiumbüro- und Wohnraum errichten. Ob demnächst auch die Häuser im zukünftigen Bernhard-Nocht-Quartier besetzt werden? Christoph Schäfer will sich dazu nur vage äußern:

"Ich will jetzt einfach mal so salopp sagen: Man kann da keine Mittel ausschließen, um dagegen vorzugehen."

Zunächst einmal wird die Lage entspannt bleiben, so Schäfer, er setzt auf kreativen Widerstand gegen das Projekt. Was die Investoren vom Gegenwind für ihr Projekt halten, ist unklar: die Immobilienexperten Helmut Köhler und Andreas von Bargen wollten sich auch nach mehrfachen Anfragen nicht zu dem Thema äußern.

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