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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 05.10.2011

"Kein Mittel gegen die Liebe"

Gegenentwurf zum gemeinen Verzweiflungsmovie

Von Hans-Ulrich Pönack

Kate Hudson spielt die Rolle einer schwerkranken Frau (picture alliance / dpa / Justin Lane)
Kate Hudson spielt die Rolle einer schwerkranken Frau (picture alliance / dpa / Justin Lane)

Originell und tief berührend: Nicole Kassel erzählt die Geschichte einer jungen Powerfrau, die sich auf keinen Fall die Stimmung vermiesen lassen will - auch nicht von einer Krebs-Diagnose.

Natürlich darf man das: eine ans Herz knallende, lustige Romantik-Komödie um eine lebenslustige junge (blonde) Frau zu erzählen, die an unheilbarem Krebs erkrankt ist. Wie einst: Was haben wir uns 1970 über den Film und (später) das Buch tränenreich empört: "Love Story", ein unvergessener Bestseller. Sowohl als Film (von Arthur Hiller) wie auch als Roman (von Erich Segal). Die Geschichte um die innige Liebe der Studenten Oliver (Ryan O'Neal) und Jenny (Ali MacGraw). Er aus reichem konservativem Bürgerhaus, sie die Tochter einfacher italienischer Einwanderer, die an einer Blutkrankheit leidet und kurz nach beider Hochzeit stirbt. Ein weltweites Seufzen war zu vernehmen. Unterstützt von der feinen Klagemusik von Francis Lai.

"Kein Mittel gegen die Liebe", Originaltitel: "A Little Bit of Heaven", kommt ähnlich daher. Allerdings mit einer intensiven Powerfrau namens Marley als Blickfang (Kate Hudson). Die gerne solo lebt, ihre Freiheit über alles schätzt. Genauso wie ihr Netzwerk mit guten Freunden, die sie – weitgehend – so akzeptieren, wie sie ist. Wie sie sein will. Unabhängig. Beziehungslos. Mit praktischen Affären. Und einem tollen Job, der gut leben lässt. Doch dann erwischt es die sympathische Kreativkraft einer Werbeagentur in New Orleans. Die Diagnose ist verheerend: Darmkrebs. Doch Marley will sich nicht nach unten ziehen lassen. Zumal sie ja auch schon mal mit Gott kommuniziert. Der eine Sie ist und so blendend aussieht wie Whoopi Goldberg.

Zudem - durch ihre Erkrankung lernt Marley Dr. Julian Goldstein kennen. Den etwas schüchternen, attraktiven Helfer, der fortan kaum noch von ihrer Seite weicht (Gael Garcia Bernal). Kitsch as kitsch can? Keineswegs. Auch kein peinliches Süßholzgeraspel. Vielmehr die Geschichte einer couragierten jungen Frau, die sich ihre Stimmung auf gar keinen Lebensfall vermiesen lassen will. Solange es nur geht, möglich ist, machbar bleibt. Obwohl daran so einige in ihrer Umgebung verzweifeln: Sowohl eine sehr gute Freundin, die sich "das fröhliche Elend" nicht antun kann, wie auch ihre gluckenhafte besorgte Mutter (Kathy Bates), mit der Marley angenervt dauernd im Clinch liegt. Zumal sich ihre Eltern untereinander auch ständig weiterfetzen. Wie schon immer und ewig. Das heißt - keine Zeit für viele Tränen, dazu gilt es für Marley viel zu sehr, "die Crew" drumherum einigermaßen zusammenzuhalten. Auch ihren bisweilen überforderten Doktor. Doch egal wie, solange noch Leben da ist, wird gelebt. Und geliebt. Basta. Und wenn dann nicht mehr, gibt es wenigstens die schönste New Orleans-bunte jazzige Trauerfeier, die es je im Kino gab. Motto: Champagner statt Selters. Farbe statt Düsternis.

Emotional, ja. Natürlich. Aber keineswegs blöd. Ganz im Gegenteil. Der nach ihrem (mit Kevin Bacon hauptrollenbesetzte) Debütfilm "The Woodsman – Der Dämon in mir"/2004) zweite Kinofilm der38-jährigen New Yorkerin Nicole Kassel entpuppt sich als unverkrampfter Gegenentwurf zum gemeinen Verzweiflungsmovie. Eine Frau hadert zwar mit ihrem Schicksal, nimmt es aber an. Bemüht sich eben nicht um Aufgabe, Trostlosigkeit, totale Verzweiflung, sondern versucht auf ihre pointierte Weise damit umzugehen. Ohne Krampf und Schreierei, sondern mit viel Klugheit und Humor. So schwer es auch fällt. Dies hinzukriegen ist der Verdienst von Kate Hudson. Die 31-jährige Tochter von Goldie Hawn, die sich längst als Hollywood-Leckerli herausgeschält hat ("Almost Famous – Fast berühmt"; "Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen?") trifft Ton und (An-)Spannung ihrer Marley präzise. Ohne Duselei und Kotz-Mitleid. Dafür reichlich sensibel und vor allem glaubhaft fröhlich. Im wehmütigen Rahmen. Ihr Partner, der mexikanische Indie-Star Gael Garcia Bernal (32/"Amores Perros"; "Die Reise des jungen Che"), hat vor allem die Aufgabe, nett-vorsichtigen Charme-Beistand zu leisten. Die Oscar-Ladies Kathy Bates ("Misery") und Whoopi Goldberg ("Ghost – Nachricht von Sam") sowie der urige Wirbelwind Lucy Punch als Freundin Sarah, der knuddlige Kleinwüchsige Peter Dinklage ("Station Agent") als charmanter Escort-Boy und Hollywood-Urgestein Treat Williams ("Hair") als überforderter Dad bilden das famose Dream Team um Marley-Kate.

Der ernste Spaß-Film "Kein Mittel gegen die Liebe", nach dem ersten Drehbuch der Autorin Gren Wells, unterhält originell wie tief berührend.

USA 2010; Regie: Nicole Kassel; Hauptdarsteller: Kate Hudson, Gael Garcia Bernal, Kathy Bates; Länge: 107 Minuten

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