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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 02.11.2014

Kata Karate Wer tritt denn da in die Luft?

Beim Kata Karate geht es um Technik, Timing, Kraft und Spannung

Von Elmar Krämer

Eine Karate-Trainerin hat ihren schwarzen Gürtel mit beiden Händen auf dem Rücken umfasst, während sie das Training ihrer Schüler kritisch beobachtet. (picture alliance/dpa-Zentralbild / Hans Wiedl)
Eine Karate-Trainerin mit schwarzen Gürtel beobachtet kritisch das Training ihrer Schüler. (picture alliance/dpa-Zentralbild / Hans Wiedl)

Um dich herum, nichts als Feinde – aus Luft. Und du musst sie mit kunstvollen Tritten und Schlägen abwehren. Darum geht es im Kata Karate, der hohen Schule des Karate. Akrobate-Einlagen inklusive.

In Karate-Filmen gibt es immer den Bösen, der trainiert um andere fertig zu machen.

Film Karate Kid: "Zuerst schlagen, hart schlagen, keine Gnade Sir!"                                          

Und es gibt den schwächlichen Außenseiter.                                                           

In der Regel wird er von den Bösen verprügelt, gerät dann an einen alten Meister und lernt von diesem auf exotischem Wege Karate.                                                                                                            

Film Karate Kid: "Nicht vergessen atmen, dass sehr wichtig."

Meist gibt es dann irgendwann die Szene, in der der Gute im Sonnenaufgang auf einem Hügel steht und für den Laien merkwürdig anmutende Bewegungen ausführt – Tritte und Schläge in die Luft, mal schnell mal langsam und in einer seit mehreren hundert Jahren festgelegten Reihenfolge. Diese Bewegungen nennt man Kata. Und einer der sich damit auskennt, ist Guido Wallmann, Kata-Landestrainer für Berlin:

"Kata ist die übermittelte Form der geheimen Techniken der alten Meister. Das sind Angriffs- und Verteidigungselemente. Dann besteht die natürlich aus Arm- und Beinangriffen und Abwehren. Die haben das nicht so wie heute in den Computer geschrieben und weitergegeben, sondern haben die Geheimnisse in Bewegungen verschlüsselt und ihren besten Schülern weitergegeben, so dass die das über Generationen erhalten mögen. Man muss sich vorstellen, du stehst zentral in einem Raum und überall um dich herum sind imaginäre Gegner und gegen alle Gegner führst du Abwehr- und Angriffstechniken durch, in die Luft. Also es ist kein Gegner da, du musst ihn dir vorstellen dabei."

Meister-Katas mit akrobatischen Sprüngen und spektakulären Tritte

25 Katas gibt es im Shotokan-Karate, dem Stil den Wallmann seit rund 30 Jahren trainiert. Zu jeder Gürtelprüfung muss mindestens eine Kata gezeigt werden. Von den Anfänger-Katas, in denen die Grundtechniken trainiert werden, bis zu den Meister-Katas, in die auch akrobatische Sprünge und spektakuläre Tritte eingebaut sind. Vom weißen bis zu den schwarzen Gürteln, eine Kata gehört immer dazu. Und jede Kata hat einen japanischen Namen:                                                                      

"Es gibt zum Beispiel den Namen Bassai-Dai. Das heißt eine Festung erstürmen, das ist eine sehr starke und kraftvolle Kata, dann gibt es zum Beispiel Unsu, da ist das charakteristische, die Anfangsbewegung, den Himmel Teilen, hier geht es um ein ganz vielfältiges Repertoire unterschiedlicher Bewegungsformen, das ist mal schnell, da wird gesprungen, da wird viel gedreht und gewendet, also das ist eine ganz wilde und feurige Kata."

Präzise Techniken, Konzentration, Kraft, Timing, Spannung und Entspannung – Kata gilt als die hohe Schule des Karate. Und oft sind die Katas auch der Grund dafür, dass Schläger ganz schnell wieder mit dem Karate aufhören.                                                                                         

"Abgesehen davon, dass eine Kata konditionell anstrengend ist. Das Anstrengende, ist eigentlich der dauerhafte Willen sich immer wieder zu perfektionieren und zu hinterfragen und stetig danach zu suchen, seine Techniken und sein Karate zu verbessern und die Kata ist da ein guter Gradmesser."                                                                                                                         

In seiner Karateschule Dokan steht Wallmann im weißen Karateanzug vor seinen Schülern – mehrmals in der Woche wird hier Kata trainiert. Männer und Frauen, Jungs und Mädchen stehen in einer Reihe und machen synchron die gleichen Bewegungen. Das hat zwar etwas tänzerisches aber durch die kraftvollen Tritte und Schläge auch martial kämpferisches. Und wenn dann das sogenannte Bunkai geübt wird, d.h. mit Partner, dann sieht man, dass sich hinter so mancher tänzerisch anmutenden Bewegung in der Kata eine effektive Selbstverteidigungstechnik verbirgt – wenn der Karateka weiß, was er da macht und die Einstellung stimmt:                      

Film Karate-Kid: "Entweder du Karate machen ja oder du Karate machen nein aber nicht Karate machen nur halb."           

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