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Studio 9 | Beitrag vom 16.02.2015

Karneval in Köln und DüsseldorfJecken lassen sich den Rosenmontag nicht verderben

Von Moritz Küpper

Beim Karneval in Düsseldorf: Ein Wagen mit Papst Franziskus - Motto: Schlagen, aber mit Würde! (Imago)
(Imago)

Ganz ließ sich die Angst vor einem möglichen Anschlag nicht verdrängen, doch die allermeisten Jecken in Köln und Düsseldorf wollten trotz der unsicheren Weltlage feiern. Und ob Papst, Pegida oder Putin - keiner blieb verschont.

Petrus meinte es gut mit den Jecken in Köln – und einem Rosenmontags-Zug, der unter denkbar schlechten Voraussetzungen um 10:11 Uhr gestartet war: Doch am Tag nach der Absage des Braunschweiger Umzugs sowie nach einer wochenlangen Diskussionen rund um einen erst durch eine Internet-Abstimmung ausgewählten "Charlie-Hebdo"-Wagen in Erinnerung an das Attentat von Paris, der dann wieder gestrichen wurde, strahlte über der Domstadt die Sonne – und die Jecken feierten ausgelassen...

Niederschlag gab es nur in der Form von Kamelle: Rund 400 Tonnen davon, also Schokolade, Bonbons, Blumensträuße und Spielzeug,  wurden auf dem rund sieben Kilometer langen Zugweg verteilt – was die rund 1,3 Millionen Jecken natürlich gut fanden: "Ja, war super, alles toll. Wie jedes Jahr. Genauso so schön, wie jedes Jahr." - "Der Frohsinn ist angesagt."

Media Junkies, Kölner Moschee und Putinator

"Social jeck – kunterbunt vernetzt", so das diesjährige Motto im Kölner Rosenmontagszug, dem größten im Lande. Und dementsprechend waren auch die Wagen: Eltern, die ihre Kinder verzweifelt aus den Sozialen Netzwerken ziehen wollten oder ein Media Junkie, der gleichzeitig mit Laptop, Tablet, Smartwatch und Smartphone arbeitet. Ansonsten war die Nachwuchssuche der Bundeswehr ein Thema, der langsame Bau der Moschee in Köln wurde mit der Fertigstellung des Kölner Doms nach 750 Jahren verglichen und auch Russlands Präsident Wladimir Putin fuhr mit: Er hatte sich – analog zu Transformers – in den Putinator gewandelt, der alles platt macht. Das einzige internationale Thema. Von Sorgen war nach der Absage von Braunschweig nur hier und da etwas zu spüren:

"Ja, ich hatte Bedenken, da bin ich ehrlich drin. Wir stehen sonst immer hinten, wo so viele stehen, da haben wir uns heute nicht hingestellt." Aber ein anderer sagt: "Man hat das im Hinterkopf, aber ich finde, man sollte da keine allzugroße Angst haben. Ich sehe das ganz locker."

Trotz religiösem Fanatismus - "Das Leben geht weiter"

Vereinzelt kam es zu Überprüfung von einzelnen Personen durch Polizeibeamte, die aber ansonsten am Zug-Rand nicht zu sehen waren. Vielmehr wollten sich die Kölner nicht unterkriegen lassen.

"Nö, das ist ja Tradition hier in Köln und von daher ist es auch klar, dass man immer hierhin geht." Und ein anderer Teilnehmer sagt: "Man darf sich da nicht Bange machen lassen von einigen Fanatikern. Man sollte so leben wie normal. Das Leben geht weiter."

Und auch die Charlie-Hebdo-Episode fand ein versöhnliches Ende: Denn kurzfristig wurde der aus dem Programm genommen Wagen durch einen neuen Charlie-Hebdo-Wagen ersetzt. Ganz ohne Besatzung, einzig eine graue Wand zierte den, auf dem – mit aller Ironie und in Kölsch – stand: „Das ist, was überbleibt – das freudesprühende Grau." Doch zusätzlich gab es noch einen weiteren, bunteren Überraschungswagen, auf dem ein Clown auf einem abgesägten Buntstift-Beet ein verbliebenes Buntstift-Pflänzchen gießt, auf dem "Narrenfreiheit" stand – was den Kölnern gut gefiel:

"Ich finde ihn ganz schön umgesetzt. Er ist auch nicht zu hart und auch nicht zu weich."

"Ich glaube, gerade ihm Karneval darf man sich so was nicht nehmen lassen."

"Das ist eine wichtige Sache, auf jeden Fall und das sollte man nicht vernachlässigen. Auch, wenn man damit provoziert. Sollt man trotzdem machen."

Und auch im Düsseldorfer Zug – traditionell ja politischer – war Extremismus und Terror ein Thema: So lieferten sich beispielsweise zwei Skelette – Al-Quaida und der IS – beim Armdrücken einen, Zitat: "Terrorwettkampf". Doch abseits der Wagen bestand in keiner der Karnevalshochburgen ein Anhaltspunkt für konkrete Gefährdung, wie die Polizei allerorts mitteilte. Und so war der Rosenmontag in Rheinland ein buntes, fröhliches Treiben im Sonnenschein.

Mehr zum Thema:

Wirtschaftsfaktor Karneval - Mehr als ein finanzielles Bonbönchen
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 17.02.2015)

Rosenmontag - Der "Konfetti-Krieg" in Halle
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 13.02.2015)

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