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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 30.07.2009

Kampf zwischen Kultur und Gewalt

Torsten Krol: "Kleine Kannibalen", Karl Blessing Verlag, München 2009, 432 Seiten

Der Dschungel bildet eine der Kulissen. (AP)
Der Dschungel bildet eine der Kulissen. (AP)

Die Spur des Holocaust führt in dem Roman "Kleine Kannibalen" bis nach Südamerika. Hinter dem Schriftstellernamen Torsten Krol vermuten Intersider ein Pseudonym von Stephen King.

Er ist Schriftsteller, heißt Torsten Krol und gibt an, im australischen Outback zu leben. Mehr weiß man über ihn nicht. Mit seinem Verlag und seinem Literaturagenten verkehrt er ausschließlich per E-Mail. Vor zwei Jahren, 2007, erschien Torsten Krols erster Roman "Callisto oder die Kunst des Rasenmähens", der furiose Kritiken bekam. Nun ist Torsten Krols zweiter Roman "Kleine Kannibalen" erschienen.

Während es in Krols erstem Roman viel zu lachen gab, bleibt dem Leser von "Kleine Kannibalen" das Lachen meist im Halse stecken, - und das soll es auch. Der Stoff entwickelt sich zu einem gewichtigen Sinnbild für die ganze Menschheit und den Kampf zwischen Kultur und Gewalt, - thematisiert am Holocaust. Der Roman führt in den südamerikanischen Dschungel. Wir schreiben das Jahr 1946. Eine deutsche Kriegswitwe reist mit ihren zwei Söhnen, 12 und 16 Jahre alt, nach Venezuela, um dort ihren Schwager zu heiraten. Nach der Zeremonie besteigt die Familie ein Flugzeug, um zu einem tief im Regenwald gelegenen Ölfeld zu fliegen, wo der Ehemann als Arzt arbeitet. Das Flugzeug stürzt mitten im Dschungel ab. Die Familie wird von einem Indianerstamm aufgenommen, der noch nie einen Weißen gesehen hat, mit Ausnahme eines deutschen Ethnologen, der dort seit zehn Jahren lebt. Das ist das Szenario.

Dann stellt sich heraus, dass der Neu-Ehemann und Arzt Klaus Linden ein ehemaliger KZ-Arzt ist, der zusammen mit anderen geflüchteten Nazis eine neue Nazi-Organisation in Südamerika aufbauen will, während sich Gerhardt Wentzel, der Ethnologe aus Berlin als Jude entpuppt, der 1936 aus Deutschland geflohen ist.

Erzählt wird der Roman von Erich, dem 16-jährigen Sohn der Familie, der sich nun zwischen drei Welten wiederfindet: der Welt der Nazis, der Welt der Kultur und der Welt der Yayomi-Indianer im Orinoko-Dschungel. Das erinnert an Grass´ "Beim Häuten der Zwiebel".

"Kleine Kannibalen" ist ein überbordendes Buch, Action ohne Ende, viel Sex, Mord, Drogen, Philosophie, Märchen, Fabel, Ethnologie, Verbrechen, Politik, Psychologie, - atemlos erzählt, detailreich, keine Sekunde langweilig.

Insider vermuten, dass der Name Torsten Krol ein Pseudonym ist; vieles spricht für Stephen King: 1.) Torsten Krol behauptet, im australischen Outback zu leben. Im Jahr 2007, als Krols Debütroman erscheint, betritt Stephen King ohne Vorankündigung eine kleine Buchhandlung im australischen Outback, signiert seine vorrätigen Bücher und verschwindet kommentarlos. Der "Spiegel" berichtete darüber Rätsel ratend. 2.) Hinter dem Namen Krol verbirgt sich das polnische Wort für König, -King = König = Krol. 3.) Stephen King hat schon zwei Mal mit Pseudonymen die Kritiker bewusst zum Narren gehalten, als Richard Bachmann und als John Swithen. 4.) Der deutsche Verlag stand in E-Mail-Kontakt mit Torsten Krol. Als man erwähnte, dass ein deutscher Kritiker (d. Verf.) vermutet hatte, Torsten Krol sei Stephen King, hat Krol den Kontakt mit seinem deutschen Verlag schlagartig abgebrochen und seine E-Mail-Adresse gelöscht.

Man lese "Kleine Kannibalen" wie einen Stephen King-Roman.

Besprochen von Lutz Bunk

Torsten Krol, Kleine Kannibalen,
aus dem Englischen übersetzt von Gunnar Kwisinski,
Karl Blessing Verlag München 2009, 432 Seiten, 19.95 €.

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