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Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.02.2011

Kammerspiel mit starker Bildsprache

Iranischer Film "Die Scheidung von Nader und Simin" auf der Berlinale

Asghar Farhadi im Gespräch mit Holger Hettinger

Asghar Farhadi im Berlinale-Studio von Deutschlandradio Kultur.  (Deutschlandradio - Nicolas Hansen)
Asghar Farhadi im Berlinale-Studio von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio - Nicolas Hansen)

Bereits zum zweiten Mal stellt der iranische Regisseur Asghar Farhadi mit "Die Scheidung von Nader und Simin" einen Film im Wettbewerb vor. Er wird als heißer Kandidat auf einen Preis gehandelt. 2009 erhielt er für "Elly …" den Silbernen Bären.

Der Film handelt von einem Ehepaar, dass den Iran verlassen möchte und nur noch auf den Tag der Abreise wartet . Doch dann will Nader seinen an Alzheimer erkrankten Vater nicht allein in der Heimat zurücklassen. Simin reicht daraufhin die Scheidung ein und geht zurück zu ihren Eltern. Zur Unterstützung der Pflege des Vaters engagiert Nader eine junge Frau. Diese ist schwanger und arbeitet darüber hinaus ohne die Erlaubnis ihres Ehemanns. Die Sache wird dramatisch, als Nader seinen Vater eines Tages gefesselt und verwirrt vorfindet.

Bereits vor zwei Jahren erhielt der 1972 geborene Regisseur für seinen Film "About Elly" den Silbernen Bären für die Beste Regie. Der Film, der im Januar unter dem Titel "Elly …" in unsere Kinos kam, erzählt vom Lebensgefühl der 20- bis 30-jährigen Iraner, die in Großstädten leben, medial vernetzt sind und dennoch mit einem Bein in der Tradition ihres Landes stehen.

Asghar Farhadi war zu Gast im Berlinale-Studio von Deutschlandradio Kultur. Lesen Sie hier einen Ausschnitt aus dem Gespräch:

Holger Hettinger: Ich habe das soziale Milieu in Ihrem neuen Film wiedererkannt. Auch "Die Scheidung von Nader und Simin" spielt in der Mittelschicht, in die jemand aus der unteren Klasse einbricht. Dann kommt es zum Drama. Ist das Ihr Thema?

Asghar Farhadi: Man könnte sogar so weit gehen und sagen, dass "Die Scheidung von Nader und Simin" die logische Entwicklung von "About Elly" ist. (…) Der Zuschauer merkt sofort, dass er es mit einem sozialen Thema zu tun hat.

(…)

Holger Hettinger: Ihr Film bezieht ein Großteil seiner Wirkung aus der sehr mächtigen Bildsprache. Ich würde behaupten, dass ich mittlerweile sogar erkennen würde: Das ist ein Film von Asghar Farhadi - weil die Bildsprache dieses kammerspielartig Intensive hat, diese extreme Verdichtung auf engstem Raum. Auf der anderen Seite habe ich manchmal das Gefühl, dass der Film zu schweben scheint, traumartige Sequenzen hat. Das hat mich so ein bisschen an Fellini erinnert. Gibt es so etwas wie Einflüsse des europäischen Kinos im Hinblick auf Ihre ästhetische Vorstellung von Film?

Asghar Farhadi: Ich werde durch jeden Film, den ich sehe, irgendwie auch geprägt und beeinflusst. Aber das stimmt, dass das italienische Kino eine besondere Stellung hat - nicht nur für mich, sondern auch für viele andere iranische Regisseure und Filmemacher, da es vielleicht Ähnlichkeiten zwischen der sozialen Struktur Italiens mit Iran gibt, speziell nach dem Krieg. Und Fellini spielt natürlich eine sehr, sehr große Rolle dort und es kann sein, dass ich auch durch ihn beeinflusst worden bin. Mein Lieblingsfilm, den ich in der Jugend gesehen habe, ist natürlich "La Strada". Und die Farben in unserer Fahne sind wie bei den Italienern: Grün, Weiß und Rot.

Sie können das vollständige Gespräch mindestens bis zum 17.7.2011 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.


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"Elly"
Berlinale-Studio

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