Seit 18:00 Uhr Nachrichten
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 18:00 Uhr Nachrichten
 
 

Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 05.01.2007

Kalter Krieg im Nahen Osten

1957 verkündete US-Präsident Eisenhower seine Pläne zur Eindämmung des Kommunismus

Von Ralf Geißler

Gamal Abdel Nasser, hier als 36-jähriger Revolutionsgeneral, wurde 1954 ägyptischer Staatspräsident. (AP Archiv)
Gamal Abdel Nasser, hier als 36-jähriger Revolutionsgeneral, wurde 1954 ägyptischer Staatspräsident. (AP Archiv)

Mit militärischen Drohungen und Wirtschaftshilfe wollten die USA in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts die Ausbreitung des Kommunismus stoppen. Die Eisenhower-Doktrin sollte den Einfluss der Sowjetunion auf den Nahen Osten begrenzen. Vor 50 Jahren stellte US-Präsident Dwight D. Eisenhower sein Konzept im Kongress vor.

"Unser Land unterstützt ohne Ausnahme die volle Souveränität und Unabhängigkeit jeder Nation im Nahen Osten."

US-Präsident Dwight D. Eisenhower stellt im Kongress seine außenpolitischen Grundsätze vor. Es ist der 5. Januar 1957, die Geburtsstunde einer neuen Doktrin - der Eisenhower-Doktrin. Der Präsident will jedem Land im arabischen Raum mit Geld und Militär helfen, das sich vom Kommunismus bedroht fühlt.

"Das vorliegende Gesetz handelt von der Möglichkeit einer kommunistischen Aggression - direkt und indirekt. Wir müssen dafür sorgen, dass jede Machtlücke im Nahen Osten zum Guten gewendet wird, und zwar nicht durch ausländische Besatzer, sondern durch eine Stärkung der unabhängigen Länder in der Region."

Eisenhowers Rede fällt in die Hochphase des Kalten Krieges. Im arabischen Raum sind Mitte der 50er Jahre viele Staaten noch unentschlossen, ob sie sich auf die Seite des Ostblocks oder des Westens schlagen sollen. Viele Kolonialmächte sind gerade erst abgezogen. Eisenhower fürchtet, dass die Sowjetunion das Vakuum nutzen könnte, um Verbündete zu gewinnen. Grund für seine Annahme war die Suez-Krise.

Am 26. Juli 1956 hatte Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser den Suez-Kanal verstaatlichen lassen. Das führte wenig später zum Krieg. Die ehemaligen Kolonialmächte Frankreich, Großbritannien sowie das Nachbarland Israel marschierten in Ägypten ein. Die Armee Nassers war der Übermacht der Angreifer gnadenlos unterlegen. Dass sich die Besatzer trotzdem wieder zurückziehen mussten, verdankte Ägypten nicht zuletzt dem sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow. Er hatte mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht, sollte die Unabhängigkeit Ägyptens nicht gewahrt werden. Nach einer UNO-Resolution mussten Israel, Großbritannien und Frankreich wieder abziehen. Die Sowjetunion hatte einen neuen Verbündeten gewonnen: Staatschef Abdel Nasser, der fortan von einem arabischen Einheitsstaat träumte.

"Der arabische Nationalismus entspringt den Gefühlen der Araber, er entspringt ihren Herzen. Sie möchten würdevoll und unabhängig sein. Der arabische Nationalismus ist Plan und Tat eines jeden Arabers. Er ist in ihren Herzen, in ihren Blut, ihren Gefühlen, in ihren Körpern."

Nasser wünschte ein geeintes Arabien unter sozialistischem Vorzeichen. In dieser Situation ersann Eisenhower seine Doktrin. Er fürchtete, dass sich andere arabische Staaten dem ägyptischen Modell anschließen könnten, oder kommunistische Parteien mit sowjetischer Finanzhilfe an Einfluss gewännen.

Eisenhower: "In der jetzigen Situation ist das größte Risiko, dass sich ehrgeizige Despoten verkalkulieren. Wenn die machthungrigen Kommunisten, ob nun irrtümlich oder korrekt, annehmen, dass der Nahe Osten sich nicht angemessen verteidigen kann, könnte sie das zu einem bewaffneten Angriff verleiten."

Zwei Mal wurde die Eisenhower-Doktrin angewandt: Im April 1957 entsandten die USA eine Flotte, um Jordaniens König Hussein zu unterstützen. Ein Jahr später sicherten US-Truppen die Macht des prowestlichen libanesischen Präsidenten Camille Chamoun gegen islamische Aufständische. Trotzdem konnte die Eisenhower-Doktrin nicht verhindern, dass sich Ägypten und Syrien 1958 zur Vereinigten Arabischen Republik zusammenschlossen. Auch Nassers Popularität nahm nicht ab. Im Nahen Osten lief es wie in Europa auf ein Patt beider Blöcke hinaus. Das erkannte auch Eisenhower an, als der sowjetische Staatschef Chruschtschow 1959 die USA besuchte. Beide Politiker gaben sich versöhnlich. Eisenhower sprach wie Chruschtschow von friedlicher Koexistenz.

Eisenhower: "Lasst die Zeit zeigen, welches System das bessere ist. Wenn die Menschen meinen, euer System ist besser, dann wird sich das beweisen. Wenn die Menschen aber glauben unser System ist besser, dann lasst sie unseres nehmen. Versuchen wir, uns nicht gegenseitig zu begraben. Wenn ihr unter eurem System leben wollt, Gott sei mit Euch."

Im selben Jahr wurde die Eisenhower-Doktrin formal aufgegeben. Sie hatte den kommunistischen Einfluss im Nahen Osten nicht zurückdrängen können. Stattdessen wuchs in der arabischen Bevölkerung der Anti-Amerikanismus. Die regelmäßige Präsenz der US-Truppen löste bei der islamischen Bevölkerung zunehmend Unbehagen aus.

Kalenderblatt

75. Todestag von Walter SpiesKünstler im Paradies
Kecak (Monkey Dance), created by German artist and choreographer Walter Spies in the 1930s drawing on elements of the Hindu epic the Ramayana, Bali, Indonesia, Southeast Asia, Asia  (imago stock&people / Luca Tettoni)

Der Maler und Komponist Walter Spies lebte und arbeitete 16 Jahre auf der indonesischen Insel Bali. Mit seinen Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen revolutionierte er die balinesische Malerei und machte das Eiland in Europa und Amerika bekannt.Mehr

125. Geburtstag Oliver HardyEin Schwergewicht der Komik
18. Januar 1951: Die legendären Komiker Stan Laurel (l) und Oliver Hardy (r) mit einer Geburtstagstorte im Billancourt Studio in Paris. (picture alliance / dpa / keystone)

Oliver Hardy, das war der Dick im legendären Duo "Stan und Ollie", in Deutschland vor allem bekannt als "Dick und Doof". Seine Lebensrolle als großspuriger Möchtegern-Mann-von-Welt, dem bei besten Absichten immer alles misslingt, spielt er fast 30 Jahre. Mehr

Carl LaemmleDer Mann, der Hollywood erfand
(picture alliance / dpa / Stefan Puchner)

Vom Tellerwäscher zum Millionär - die Lebensgeschichte von Carl Laemmle klingt wie das perfekte Amerika-Klischee. Ein deutscher Einwanderer arbeitet sich hoch und wird in Los Angeles zum ersten Filmmogul der Kino-Geschichte. Vor 150 Jahren wurde er geboren.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur