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Thema / Archiv | Beitrag vom 25.01.2013

Kakao und Kinderarbeit

Afrikanische Kinder schuften für unseren Schokoladengenuss

Von Alexander Göbel

Ein ivorischer Kakaobauer hält geerntete Kakaobohnen in seinen Händen. (picture alliance / dpa / Gbekide Barnus)
Ein ivorischer Kakaobauer hält geerntete Kakaobohnen in seinen Händen. (picture alliance / dpa / Gbekide Barnus)

Elf Kilogramm Schokolade isst jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr. Der Kakao dazu stammt zumeist aus der Elfenbeinküste. Doch der Markt ist schwierig. Die Preise schwanken und um die gewaltige Nachfrage zu stillen, arbeiten auf den Plantagen oftmals auch Kinder - ohne Lohn.

Victor Kaboré steht unter einem Kakaobaum in seiner kleinen Plantage und wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht. Die Zeit läuft – die gelben Kakaoschoten sind reif und müssen gepflückt werden. Seinen Abnehmern, den Zwischenhändlern in Abidjan, hat Victor versprochen, bald ein paar Tonnen Kakaobohnen zu liefern. Die Geschäfte laufen schlecht : Die Preise sind mal wieder im Keller.

"Wir wissen nicht, wie wir durchkommen sollen ... woher sollen wir das Geld nehmen, damit die Kinder in die Schule gehen können ? Und wenn jemand krank ist, können wir uns das Krankenhaus nicht leisten."

Seine eigenen sechs Kinder müssen mithelfen – sie schleppen tonnenweise Schoten, mit Macheten lösen sie dann die Bohnen heraus, zum Trocknen. Die scharfen Klingen sind gefährlich für die Kleinen – ihre Arme und Beine sind übersät mit entzündeten Schnittwunden. Doch darauf kann Victor keine Rücksicht nehmen. Löhne kann er keine zahlen, deswegen beschäftigt er Kinder. Alles, was er verdient, muss er in Pestizide investieren, um seine übernutzte Plantage zu erhalten.

Weil seine eigenen kleinen Arbeitskräfte nicht reichen, hat Victor weitere Kinder gekauft. Den 13-jährigen Daniel zum Beispiel, im Nachbarland Burkina Faso.

"Die Arbeit macht mich sehr müde – manchmal verletzen wir uns dabei."

Seit fünf Jahren hat Daniel seine Eltern nicht mehr gesehen, zur Schule geht er nicht. Seit damals, als Victor ihn einfach abgeholt und auf die Plantage gebracht hat. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO schuften 800.000 Kinder auf Kakao-Plantagen in der Elfenbeinküste; fast in Drittel der Kinder zwischen 5 und 17 Jahren.

Kinder sind die Zielgruppe für die Hersteller. Dass dafür anderswo Kinder schuften müssen,wissen die Hersteller seit Langem – ob Kraft, Ferrero, Ritter, Mars, Nestlé, Cargill, Barry Caillebaud – alle sind auf Kakao aus der Elfenbeinküste angewiesen. Dieser Kakao trägt mit dazu bei, dass die Schoko-Industrie weltweit geschätzte 90 Milliarden Dollar pro Jahr umsetzt.

Schon 2001 hatten die großen Kakao-Konzerne mit einem internationalen Protokoll versprochen, die Kinderarbeit zu stoppen. Sie wollten Geld investieren,um Schulen und Krankenstationen zu bauen – sie wollten den Bauern helfen, damit sie Lohnarbeiter einstellen können. Nach einer Studie der US-amerikanischen Tulane-Universität haben davon zwischen 2001 und 2009 aber lediglich 4 Prozent der Kakaobauern profitiert.

Mehr zum Thema bei dradio.de:
"Nicht soviel Fair-Trade-Schokolade auf dem deutschen Markt, wie ich mir das wünsche" - Geschäftsführer des Vereins TransFair über Kinderarbeit in der Elfenbeinküste, (DKultur, Thema)

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