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Lesart / Archiv | Beitrag vom 02.07.2015

Jury-Präsident zum Bachmann-WettbewerbArrivierte Autoren scheuen das Risiko

Hubert Winkels im Gespräch mit Joachim Scholl

Literaturjournalist Hubert Winkels, Jury-Präsident des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt (picture alliance/Uwe Zucchi)
Hubert Winkels, Literaturredakteur beim Deutschlandfunk und Jury-Präsident des Wettbewerbs. (picture alliance/Uwe Zucchi)

In Klagenfurt liest die junge Schriftsteller-Generation wieder um die Wette. Am Ende winkt der mit 25.000 Euro dotierte Bachmann-Preis. Der Literaturjournalist Hubert Winkels, neuer Jury-Präsident, sagt, warum die Mischung aus alten und jungen Hasen beim Wettbewerb stimmen sollte.

Hubert Winkels, langjähriger Literaturredakteur beim Deutschlandfunk, ist der neue Jury-Präsident des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt. Seine wichtigste Bedingung für die Übernahme des Vorsitzes war: "Es sollte sich nichts ändern. Denn in Klagenfurt wollen immer alle alles ändern." Damit soll ein wenig Ruhe einkehren, meint Winkels.

Schmunzelnd erinnert sich Winkels, der den Wettbewerb in Klagenfurt schon lange begleitet: "Früher fand ich es absolut kritikwürdig, wie man dort live über die Autoren herfiel. Diese Meinung hat sich aber im Laufe der Zeit geändert."

Was Winkels als Jury-Präsident aber wichtig ist: Die Juroren sollen sich vor den Lesungen schon intensiv mit den Texten beschäftigen und diese gut kennen, bevor der Autor aufs Lesepodium schreitet.

Nicht nur Debütanten

Nach Sichtung der Texte sei er "guter Dinge", es seien einige spannende Werke dabei, auch interessante Autoren, darunter die in der letzten Zeit stark von den Medien gehypte, erst 23-jährige Ronja von Rönne. Er sei jedoch froh, dass auch erfahrene Autoren lesen werden und nicht nur Debütanten auf dem Podium Platz nehmen werden. "Es ist tatsächlich nicht als Anfängerwettbewerb gedacht. Aber da man sich einem so hohen Risiko aussetzt, wenn man da liest, sind arrivierte Autoren natürlich nur sehr zögerlich bereit, das zu tun. Das ist der einzige Grund - sonst könnte da im Prinzip auch Günter Grass gelesen haben."

Und was gäbe es Schlimmeres und Vernichtenderes für einen renommierten Autor, als auf das milde Desinteresse der Juroren zu stoßen? Da sei es schon besser "interessant verrissen zu werden", sagt Winkels, denn das habe dem einen oder anderen Autor am Ende einen Buchvertrag beschert oder steigende Verkaufszahlen. Auf jeden Fall aber: öffentliches Interesse.

 

14 Autorinnen und Autoren lesen in Klagenfurt

Beim diesjährigen Wettbewerb um den prestigeträchtigen Bachmann-Preis treten 14 Autorinnen und Autoren mit unveröffentlichten Texten vor die Jury. Die Preise werden am Sonntag, dem 5. Juli, verliehen. Der Hauptpreis ist mit 25.000 Euro dotiert. Er ist nach der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) benannt.

In diesem Jahr stehen im Bachmann-Wettbewerb zehn Autorinnen vier Autoren gegenüber. Die Mehrzahl der Teilnehmer lebt in Deutschland:

Saskia Hennig von Lange (Frankfurt am Main)
Nora Gomringer (Bamberg)
Katerina Poladjan (Berlin)
Ronja von Rönne (Berlin)
Sven Recker (Berlin)
Peter Truschner (Berlin)
und Monique Schwitter (Hamburg).

Mit dabei ist etwa auch Tim Krohn. Der gebürtige Westfale wuchs in der Schweiz auf und lebt heute im Val Müstair.

Hier finden Sie die vollständige Teilnehmer-innen-Liste.

 

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