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Interview / Archiv | Beitrag vom 09.12.2015

Juristin bewertet Zschäpes Erklärung"Das kann zum Eigentor werden"

Brigitte Koppenhöfer im Gespräch mit André Hatting und Dieter Kassel

Die Angeklagte Beate Zschäpe sitzt am 09.12.2015 im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München (picture alliance / dpa / Tobias Hase)
Beate Zschäpe ließ vor Gericht eine Erklärung verlesen. (picture alliance / dpa / Tobias Hase)

Der NSU-Prozess hat mit Beate Zschäpes Erklärung eine neue Wende genommen. Damit tue sich die Angeklagte aber keinen Gefallen, sagt die ehemalige Richterin Brigitte Koppenhöfer. Und: Der vorsitzende Richter mache seinen Job sehr gut - unter der Richter-Robe seien jedoch "ganz normale Menschen versteckt".

Die im NSU-Prozess angeklagte Beate Zschäpe hat sich - nach knapp 250 Verhandlungstagen - erstmals zu den Beschuldigungen geäußert. Als sogenannte Teileinlassung hat Zschäpe einen Text vor Gericht verlesen lassen. Brigitte Koppenhöfer, ehemalige Vorsitzende Richterin am Landesgericht Düsseldorf, hält diese Entscheidung für wenig sinnvoll – sie sei in keiner Weise juristisch, sondern nur in der Person Zschäpes begründbar, die offenbar nicht länger schweigen wolle.

"Eine Teileinlassung wird in der Regel immer nur gegen den Angeklagten verwertet. Ein Schweigen ist ganz normal. Jede Angeklagte, jeder Angeklagte darf natürlich auch schweigen, und das hat keine nachteiligen Folgen. Bei einer Teileinlassung kann man sich aber um Kopf und Kragen reden, wie wir sagen. Das kann dann zum Eigentor werden."

Der Richter: ruhig und strukturiert

Koppenhöfer, die selbst einige brisante Gerichtsverfahren leitete und einen ausgezeichneten Ruf genießt, findet Lob für den Richter Manfred Götzl: Dieser leite den NSU-Prozess besonnen  und strukturiert und mache seine Arbeit offensichtlich sehr gut. Ungeachtet dessen seien natürlich auch Richter nicht vollkommen unbeeinflusst durch die Medienberichterstattung.

Die Richterin Brigitte Koppenhöfer im Sitzungssaal des Landgerichts in Düsseldorf; Aufnahme vom Januar 2008 (picture-alliance/ dpa)Die ehemalige Richterin Brigitte Koppenhöfer. (picture-alliance/ dpa)

"Man darf sich da nicht vertun: Unter der Robe sind ja ganz normale Menschen versteckt. Die Robe macht einen ja nicht automatisch zu einem unabhängigen Menschen. Natürlich liest man die Zeitung und guckt fern. Und natürlich wird man dadurch auch beeinflusst. Es gibt auch eine Menge Untersuchungen, die das bestätigen."

"Mit dem Fuß gegen die Wand"

Doch wenn man um die eine eigene Beeinflussbarkeit wisse, dann könne man damit auch professionell umgehen. Sie selbst habe als Richterin in solchen belastenden Situationen "im Beratungszimmer schon mal gegen die Wand getreten – und mir dabei den Fuß verstaucht". Auch gebe es am Gericht die Kammer und den Senat als Rückzugort, wo man offen reden könne.

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