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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.12.2012

Jugendstreiche eines Genies

Der junge Richard Wagner in Leipzig und Magdeburg

Von Claus Fischer

Der Komponist Richard Wagner, Foto eines Gemäldes von 1843 (picture alliance / dpa / Zentralbild)
Der Komponist Richard Wagner, Foto eines Gemäldes von 1843 (picture alliance / dpa / Zentralbild)

Das Jahr 2013 wird auch im Zeichen Richard Wagners stehen. Vor 200 Jahren wurde er geboren. Während man über sein Leben als Herr des Bayreuther Hügels viel weiß, ist über seine Jugendjahre wenig bekannt. Dafür hat er selbst gesorgt, indem er in seiner Biografie Etliches nicht erwähnte.

Musik: Beethoven, Fidelio

Leipzig, im Frühjahr 1829, am Theater wird erstmals Ludwig van Beethovens Oper "Fidelio" aufgeführt. Die Partie der Leonore singt die renommierte Sopranistin Wilhelmine Schröder-Devrient. Im Publikum ein begeisterter junger Mann - Richard Wagner, der fortan weiß:

"Ich werde Musiker!"

Er immatrikuliert sich an der Leipziger Universität und beginnt mit dem Musikstudium. In seiner Freizeit besucht er, wann immer möglich, Konzert- und Theateraufführungen. Vor allem die Opern Carl Maria von Webers begeistern ihn, erzählt der Leipziger Musikwissenschaftler Werner Wolf:

"Im Theater wurde der 'Oberon' erstmals überhaupt in Deutschland gespielt, Uraufführung war ja in London. 'Euryanthe'. Der Beethovenzyklus war 1826, noch zu Beethovens Lebzeiten aufgeführt worden, und er konnte alle Sinfonien kennenlernen."

Die zahlreichen Theaterabende und Gewandhauskonzerte - und nicht zuletzt die damit verbundenen Restaurant- und Kneipenbesuche kosten Geld; der junge Wagner ist permanent klamm. Doch er weiß sich zu helfen: Mehrmals bessert er seinen studentischen Etat mit der unterschlagenen Witwenrente seiner Mutter auf. Das wird schließlich ruchbar und führt zum Ausschluss Wagners aus der Studentenverbindung "Corps Saxonia". Vor dem Tribunal der Kommilitonen rechtfertigt er sein Tun wie folgt:

"Ich bin ein Genie! Für mich gelten andere Werte!"

Musik: Paukenschlag

Bereits ein Jahr nach Studienbeginn komponiert Richard Wagner sein erstes Werk für Orchester. Es wird, so der Musikwissenschaftler Werner Wolf, recht wohlwollend aufgenommen:

"Seine C-Dur-Sinfonie ist erst von der Musikgesellschaft 'Euterpe' aufgeführt worden, und dann aber auch im Gewandhaus. Man mäkelte ein bisschen an Manchem, aber man sagte 'Er ist begabt!'"

Kurz nach der Uraufführung der C-Dur Sinfonie verlässt Wagner seine Geburtsstadt und wird Musikdirektor in Magdeburg. Sein Leben dort verläuft nicht weniger turbulent als zuvor in Leipzig. Hohe Schulden - wütende Gläubiger. Entspannung findet er bei Minna Planer, einer Schauspielerin, die er im Herbst 1836 auch heiratet.

Musik: Hohenfriedberger Marsch

Was das Musikalische betrifft, war die Magdeburger Zeit für Wagner höchst erfreulich. Da die Stadt eine große preußische Division beherbergte, gab es sage und schreibe fünf Militärkapellen, erzählt der Magdeburger Musikwissenschaftler Wolf Hobohm. Vor allem die Blechblasinstrumente faszinieren den jungen Komponisten, durch sie inspiriert, schreibt er 1835 die "Columbus-Ouvertüre".

Hobohm: "Mit sechs Trompeten! Konnte kein Orchester damals besetzen. Selbst in Paris, wo er es versuchte, klappte das nicht, die hatten nicht so viele gute Trompeter."

Musik: Columbus-Ouverture

In Magdeburg komponiert Wagner nicht nur Orchesterwerke, sondern auch seine erste vollständige Oper, Titel: "Das Liebesverbot" Ein sinnenfrohes Drama, das in Palermo zur Zeit des Karnevals spielt. Es entsteht unter dem Einfluss der Bewegung "Junges Deutschland", mit ihr sympathisierte der junge Wagner, trat offen für Freiheit und Demokratie ein - und sogar für die freie Liebe. Viel später, in Bayreuth, wird er sich vehement von diesem Gedankengut distanzieren und damit auch von seiner ersten Oper.

"Die erste Aufführung scheint relativ intakt verlaufen zu sein mit einem relativ großen
Publikum ..."

... erzählt Wolf Hobohm.

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