Thema / Archiv /

Josef Winkler: Mit Schmerz auseinandersetzen

Büchner-Preisträger vergleicht seine Arbeit mit der eines Sportlers

Das Archivbild zeigt den österreichischen Schriftsteller Josef Winkler in Klagenfurt.
Das Archivbild zeigt den österreichischen Schriftsteller Josef Winkler in Klagenfurt. (AP Archiv)

Aufgabe seiner Literatur sei es, sich mit den Wunden der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen, sagt der österreichische Schriftsteller Josef Winkler. Er sei damit sehr weit gegangen und deshalb in seiner katholischen Heimat "ein Verfluchter". Seine Arbeit mit Sprache sei für ihn immer auch eine Auseinandersetzung mit der früheren Sprachlosigkeit.

Der neue Büchner-Preisträger Josef Winkler fühlt sich in seinem Heimatort Kamering in Kärnten als "Verfluchter". "Ich habe natürlich einiges zerstört", sagte Winkler am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. Die Bevölkerung dort habe ihre eigenen katholischen Riten und wolle mit unangenehmen Dingen nichts zu tun haben.

Wenn sich etwa ein Jugendlicher das Leben genommen habe "und die Erde einmal auf ihm drauf ist", sei das Thema abgeschlossen. Aufgabe seiner Literatur sei es jedoch "sich mit diesen Wunden, mit diesem Schmerz auseinanderzusetzen". Er sei damit sehr weit gegangen. "Und jetzt schauen sich die Leute das an und sagen, es ist entsetzlich, es ist furchtbar – sie wollen damit nichts zu tun haben." Winkler: "Deswegen bin ich dort ein Verfluchter."

Inzwischen sehe er die Vergangenheit allerdings etwas distanzierter, sagte der Büchner-Preisträger. Er habe die Auseinandersetzungen seiner Kindheit und Jugend in mehreren Variationen dargelegt und damit gleichzeitig die Verzweiflung "'nieder-geschrieben' - also niedergehalten durch das Schreiben". Die Wut sei daher jetzt "zum Teil draußen". Er sehe das Ganze mittlerweile etwas sarkastischer und ironischer.

Seine Auseinandersetzung mit der Sprache sei für ihn immer auch eine "Auseinandersetzung mit der Sprachlosigkeit – mit der Angst in die damalige Sprachlosigkeit zurückzufallen". Dadurch entstehe ein Kampf, den er zu gewinnen versuche. "Man legt sich wie ein Stabhochspringer die Latte hoch. Und wenn man einmal bei 2 Meter drüber gekommen ist, dann will man da immer wieder drüber."

Sie können das vollständige Gespräch mit Josef Winkler mindestens bis zum 1.11.08 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.



Mehr bei deutschlandradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Thema

Behandlungsfehler"Man gerät in einen gesellschaftlichen Tabubereich"

Eine Ärztin läuf allein einen Flur einer Krankenstation in einem Berliner Krankenhaus entlang. 

Als gesunde Frau lässt sich eine Journalistin operieren. Nach der Operation ist sie ein Pflegefall, doch der Arzt muss keine Rechenschaft ablegen. Unter dem Pseudonym Johanna Dark beschreibt die Frau ihr Leiden in einem Buch.

Russland "Nationalismus niemals so stark erlebt wie heute"

Der Kreml in Moskau

Das neue kulturpolitische Leitbild in Russland richte sich gegen Demokratie und Toleranz, sagt die Historikerin und Menschenrechtsaktivistin Irina Scherbakowa. Sie spricht von einem "blühenden Nationalismus".

ÜberwachungDeutschland muss genauer hinschauen

Überwachung Internet Computer Ausspähen Datenschutz

Deutsche Firmen stehen im Verdacht, an Staaten wie Bahrain Technologien geliefert zu haben, mit denen Menschrechtsaktivisten überwacht wurden. Eine neugegründete Initiative fordert jetzt eine Export-Prüfung wie bei Panzern.