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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 18.05.2011

"Joschka und Herr Fischer"

Staatstragende Hommage an den ehemaligen Außenminister

Gesehen von Hannelore Heider

Szene aus "Joschka und Herr Fischer" (X-Verleih - Nadja Klier)
Szene aus "Joschka und Herr Fischer" (X-Verleih - Nadja Klier)

Dass Pepe Danquart großartige Dokumentarfilme machen kann, braucht er uns eigentlich nicht mehr zu beweisen, dass der Erfolgsverwöhnte mit diesem Film ein Risiko einging, war ihm sicherlich bewusst. Trotz der ja bekanntermaßen turbulenten Biografie seines prominenten Helden, war auf Action diesmal nicht zu hoffen, eine der Stärken Pepe Danquarts, die er beispielsweise in dem großartigen Radrennfilm "Höllentour" ausspielte.

Pepe Danquart hat zur Bewältigung der Stofffülle des 60-jährigen Helden eine ungewöhnliche und riskante Darbietungsform gewählt. Er stellt Joschka Fischer in sein eigenes Museum, nur notdürftig kaschiert durch das Anliegen, mit seiner auch die Biografie Nachkriegsdeutschlands zu erzählen.

Der ehemalige Außenminister steht also in einem dunklen Saal, voll gehängt mit gläsernen Projektionswänden, auf die aus Archivmaterial zusammengestellte Dokumentarfilme zu jeweils einem Abschnitt seines Lebens geworfen werden. Fischer tritt in seriösem Anzug heran und kann sich dazu verhalten, er fügt Anekdoten ein, erklärt und bewertet das Gesehene.

Vielleicht hatte sich Pepe Danquart mehr Provokation von diesem Vorgehen erwartet, doch staatstragend lässt sich Fischer nicht aufs Glatteis führen. Er wägt genau ab und sagt, was man als Zuschauer eh erwartet hätte. Da in diesen Passagen auch noch geschnitten wurde, ist der dokumentarische Wert zweifelhaft, zumal es keine Nachfragen gibt.

Als Korrektiv werden "Exkurse" eingespielt, Statements von Künstlern oder Politikern wie Katharina Thalbach, Daniel Cohn-Bendit bis zur Band Fehlfarben. Sie schildern die jeweils aufgerufene Zeit aus ihrer Sicht, aber die Auswahl der Zeitzeugen ist so willkürlich wie das Ergebnis dürftig, denn widersprochen wird Joschka oder Herrn Fischer nicht.

So entsteht nach 140 sehr langen Filmminuten der Eindruck einer weihevollen Veranstaltung, die niemanden irritieren oder provozieren muss. Am Ende steht da ein Mann, der die Herausforderungen des Lebens (immerhin!) angenommen und das Beste für sich daraus gemacht hat. Nun soll's gut sein damit und Herr Fischer kann das üppige Geschenk eines Künstlerfreundes gelassen entgegen nehmen - ein unguter Eindruck, zumindest für mich.

BRD/Schweiz 2011, Regie: Pepe Danquart, FSK: ohne Angabe, 140 Minuten

Filmhomepage Joschka und Herr Fischer

Links bei dradio.de:
"Schule des Lebens" - Interview mit Pepe Danquart

Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

"Schule des Lebens"

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