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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 04.01.2012

"Jonas"

Harmlose und bedeutungslose Schulerlebnisse

Von Hans-Ulrich Pönack

Christian Ulmen als "Jonas" (picture alliance / dpa / Delphi Filmverleih)
Christian Ulmen als "Jonas" (picture alliance / dpa / Delphi Filmverleih)

Robert Wilde schafft es mit seinem Kino-Erstling "Jonas" nicht, das Publikum zu fesseln. Die Geschichte um einen 18-Jährigen, der noch einmal die Schulbank drückt und seine dauerbraven Mitschüler provozieren soll, wirkt zumeist belanglos.

Der 1969 in Wien geborene Filmemacher begann seine Laufbahn beim Kinderprogramm des Österreichischen Rundfunks, wo er auch erste dokumentarische Arbeiten realisierte. "Jonas" ist der Kino-Erstling von Robert Wilde, der dieses Projekt gemeinsam mit Hauptakteur Christian Ulmen entworfen hat. Thema: Eine Art "Die Feuerzangenbowle" heute. Ulmen, 1975 in Neuwied geboren, ehemaliger MTV-"Typ", wechselt gerne zwischen TV-(Serien)- und Kinoarbeiten ("Herr Lehmann"/2003). War zuletzt, komisch-verklemmt, in zweimal "Männerherzen" zu erleben.

Christian Ulmen ist einer, der sich was traut, sich wandlungsfähig zeigt. Deshalb imponiert zunächst, wie er als 36-Jähriger in die Rolle eines etwas debilen, aber irgendwie auch netten, pausbäckigen 18-Jährigen mit Langhaarpony, Turnschuhen und Lässig-Jeans schlüpft, der – nach einem Sitzenbleiber-Doppel - nunmehr versucht, an einer echten brandenburgischen Gesamtschule doch noch seinen Schulabschluss zu machen. Also mischt er sich unter "Gleichaltrige" und spielt Schüler auf Probe. Nicht als Pfeiffer, mit den drei f, sondern als Jonas - schelmischer Bazi und Stichwortgeber.

Dies ist die Sache. Eine Art gestellte Reality-Show mit Spielfilm-Motiven. Was macht so ein "alter Bruder" heute in der Penne. Inmitten "echter" Schüler. Und einer vermeintlichen deutschen Schulwirklichkeit, in der die Mädels und Jungs allerdings ziemlich dauer-brav sind, freundlich labern, sich "anständig" benehmen - sieht man mal von "Schwächen" im Unterricht ab. Mobbing, Gewalt, gar Drogen sind kein Thema.

Dieser Ulmen-Jonas tritt als eine Art "gemütlicher Moderator" auf, um sein reales Umfeld zu "Reaktionen" zu bewegen. Dies allerdings wirkt zumeist belanglos, TV-gerecht, "Fernseh-toll". Also nervig. "Jonas", der Film, ist eine matte experimentelle Chose für das Nachmittagsfernsehen, nicht für die große Kinoleinwand geeignet. Dort wirkt der Streifen mehr und mehr "verloren".

Habt Ihr deutschen Filmhersteller wirklich nichts Anderes zu denken, zu bieten außer diesem "Ganz-Nett-Kram", der so harmlos, eigentlich unwichtig und vor allem bedeutungslos ist? Täglich platzen doch die spannenden Themen nur so aus den Nachrichten und ihr macht auf schulische Leckerli-Performance? Ergebnis: Ungenügend plus.

Deutschland 2011, Regie: Robert Wilde, Darsteller: Christian Ulmen, 110 Minuten

Weiterführende Informationen:

Filmhomepage "Jonas"

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