Seit 22:00 Uhr Alte Musik
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 22:00 Uhr Alte Musik
 
 

Studio 9 | Beitrag vom 16.03.2016

Jerry Lewis wird 90Der Meister des Slapstick-Humors

Von Wolfgang Stuflesser

Beitrag hören
US-Komiker Jerry Lewis durfte 2014 seine Hände in Zement verewigen vor dem Chinese Theatre in Hollywood. (picture alliance / dpa / Michael Nelson)
US-Komiker Jerry Lewis durfte 2014 seine Hände in Zement verewigen vor dem Chinese Theatre in Hollywood. (picture alliance / dpa / Michael Nelson)

In den 1950er- und 60er-Jahren lagen ihm die Fans zu Füßen, und mit dem Schnulzensängern Dean Martin bildete Jerry Lewis das erfolgreichste Komikerduo seit Laurel & Hardy. Doch abseits des Showgeschäfts engagiert sich der Komiker gegen Muskelschwund.

Nein, er hat auch im hohen Alter das Lachen nicht verlernt. Als Jerry Lewis vor zwei Jahren vor dem berühmten Chinese Theater in Hollywood seine Handabdrücke in Zement verewigte, da bat der alte, gehbehinderte Komiker, man möge doch bitte das Rednerpult nicht gleich wegräumen, oder wenigstens jemanden holen, auf den er sich stützen könne.

Die Krankengeschichte von Jerry Lewis wäre kein Stoff für eine Komödie: Prostatakrebs, Herzinfarkt, Wirbelsäulenbruch - über Jahrzehnte war Lewis tablettensüchtig.

Daneben hatte er 60 Jahre lang den Vorsitz einer Organisation von Muskelschwund-Kranken. Die von ihm moderierten Spendengalas brachten mehr als zweieinhalb Milliarden Dollar ein. Für das amerikanische Publikum ist Jerry Lewis Komiker und Menschenfreund zugleich.

Die deutschen Kino- und Fernsehzuschauer werden sich vor allem an die besondere Art seiner Komik erinnern, wie in dieser Szene aus "Der Ladenhüter" von 1963 - Lewis tut, als würde er Schreibmaschine schreiben - aber ohne Schreibmaschine nur mit Mimik und Gestik.

Schon mit fünf Jahren stand er auf der Bühne

Schon mit fünf Jahren stand der kleine Joseph Levitch auf der Bühne - kein Wunder, der Vater trat in Nachtclubs auf, die Mutter spielte Klavier für einen Radiosender.

Mitte der 40er-Jahre fand Lewis einen kongenialen Partner im Schnulzensänger Dean Martin - sie drehten zusammen 16 Kinofilme und wurden das erfolgreichste Komikerduo seit Laurel und Hardy (Dick und Doof).

Keiner konnte solche Grimassen schneiden und seine Stimme so gieksen lassen wie Lewis. Er übernahm zunehmend die Kontrolle seiner Filme, schrieb das Drehbuch, spielte die Hauptrolle und führte auch noch Regie - wie in "Der verrückte Professor".

Jerry Lewis hat den Slapstick perfektioniert - wenn er zum Beispiel in "Immer auf die Kleinen" Minuten braucht, um von der Tür zum Schreibtisch zu kommen, weil er immer wieder auf dem spiegelglatt polierten Boden ausrutscht.

Er steht für körperliche Komik

Klamauk? Ja. Albern? Auf alle Fälle. Aber eben auch unglaublich witzig. Jerry Lewis steht für eine körperliche Komik, die sich jedem erschließt - egal in welchem Alter, mit welchem Schulabschluss und aus welchem Kulturkreis. Er drehte zeitweise zwei Filme pro Jahr, und alle waren Hits.

In einem Interview von 1965 erlebt man einen ernsten Jerry Lewis, der über seinen eigenen Erfolg nachdenkt.

"Ich mache meine Filme immer für ein Publikum von Kindern. Die Eltern schauen sich das dann oft erst nur widerwillig mit ihren Kindern an, aber im Verlauf des Films kriege ich sie auch. Wir sind doch alle Kinder und wollen über die einfachen Dinge lachen."

Nur ein Projekt ist ihm gründlich misslungen. Das sagt er selbst. 1972 wollte er einen tragikomischen Film über den Holocaust drehen - "The Day the Clown cried" kam aber nie in die Kinos. Vor drei Jahren sagte Lewis bei einer Retrospektive in einem Programmkino in Hollywood dazu: Ich habe mich für den Film geschämt und geniert - er war einfach schlecht.

Heute steht Lewis nur noch ab und zu für kleine Nebenrollen und Gastauftritte vor der Kamera. Vermutlich haben die Hollywood-Branchenblätter den Jerry-Lewis-Nachruf schon längst fertig - aber ein großer Komiker wie er dürfte auch diese Tatsache mit Humor nehmen.

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

Candice Fox: "Hades"Ein Krimi, der süchtig macht
Ein australischer Polizeiwagen parkt an einem Tatort. (picture alliance / dpa)

Der Gangster "Hades" trifft in dem gleichnamigen Krimi auf zwei halbtote, elternlose Kinder. Die Zukunft der traumatisierten Geschwister sieht er im australischen Polizeidienst. Candice Fox macht daraus einen Plot mit Sogeffekt.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur