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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.12.2011

Jena rockt gegen Rechts

Thüringen will ein Zeichen gegen Terror setzen

Von Blanka Weber

Der Musiker Udo Lindenberg (rechts) und der SPD-Politiker Sigmar Gabriel in Jena. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
Der Musiker Udo Lindenberg (rechts) und der SPD-Politiker Sigmar Gabriel in Jena. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)

Rockmusiker wie Peter Maffay, Udo Lindenberg und die Band Silly luden in Jena zu einem Konzert gegen Rechtsextremismus ein - und 50.000 Besucher kamen. Nach dem Skandal um die mangelhafte Aufklärung rechter Gewalt sollte so das angekratzte Image des Freistaats verbessert werden.

"Könnt ihr mich hören."

Anna Loos im gestreiften Shirt und Jeans. Mit ihrer Band Silly war sie auf der Bühne in Jena:

"Wir wollen gar nicht so viel quatschen. Es werden heute genug Reden gehalten. Den nächsten Song, den wir spielen, spielen wir für all die Politiker, die heute hier sind. Wir sind für ein Verbot der NPD. Vielleicht gehen alle Politiker mal nach Hause in ihr Parteien-Wohnzimmer und sind auch dafür! Für euch: Kapitän ... "

Rock gegen Rechts - für eine bunte Republik, das war der Slogan des Abends. Die Band Silly mit Anna Loos waren zu Gast, ebenso Kowsky aus Berlin, Peter Maffay und mittendrin Udo Lindenberg:

"Wir sind 50.000 Leute hier. In Gedanken sind wir fünf Millionen Leute."

Udo Lindenberg, wie immer mit schwarzem Hut und Sonnebrille. Ihm ist das Konzert zu verdanken. Er war Initiator und wollte damit ein Zeichen setzen, in Jena:

"Und es ist klar, das Image darf nicht kaputtgemacht werden durch eine terroristische Mörderbande, die eine Blutspur durch Deutschland zieht."

Neben ihm auf der Bühne - Politiker wie Jürgen Trittin und Siegmar Gabriel. Es sei eine klare Botschaft gegen Rechts, so der SPD-Politiker:

"Ich will einmal Danke sagen, Danke an Udo Lindenberg und Peter Maffay und all die, die gekommen sind."

Das Thüringer Wirtschaftsministerium förderte das Konzert, denn die eigentliche Image-Kampagne des Landes liegt derzeit auf Eis. Es gilt, ein schlechtes Image zu reparieren, das wissen alle Politiker und nicht nur Udo Lindenberg, der oft in Thüringen privat zu Gast ist, gibt sein Bestes - an dem nasskalten Abend mitten in den Parkauen der Stadt:

"Ein geiles Publikum, ist noch ein bisschen Regen, das sind aber die Freudentränen, die von oben kommen, dass es möglich geworden ist, in so kurzer Zeit, das waren ja nur wenige Tage, Kompliment. Kompliment."

Bevor er mit dem Panik-Orchester auftritt, rockt Julia Neigel, früher besser bekannt unter dem Künstlernamen Jule Neigel, im schwarzen Leder-Look über die Bühne. Altbekannte Songs - das Publikum feiert. Jung und alt wippen nebeneinander. Unter einem Zeltdach werden Regencapes verteilt. Julia Neigel genießt das Bad im Publikum, wird von Wogen getragen und ihr Gitarrist übernimmt.

Die Stimmung ist gut - das Signal auch. Bevor das Terror-Trio aufflog, galt Jena in Thüringen als Stadt der Wissenschaften. Namhafte Forschungsinstitute sind hier angesiedelt, die Universität genießt weltweiten Ruf und die Kultur lädt jeden Sommer zur Arena mit internationalen Gästen ein. Seit Jahren! Das will Jena, will Thüringen ein Stück zurück ins Bewusstsein holen.

Auch die Ministerpräsidentin ist an dem Abend zu Gast:

"Das ist ein ganz wichtiges Signal, was zeigt, tausende Menschen stehen zusammen. Jena, Thüringen, Deutschland ist weltoffen."

Christine Lieberknecht ist seit zwei Jahren Thüringens Ministerpräsidentin. Vielleicht werden sich nun ihre Amtsvorgänger fragen lassen müssen, warum erst jetzt die Spur des Terror-Trios und des Umfeldes auffliegen konnten. Kein Tag vergeht, an dem nicht von neuen Verdächtigen, Beschuldigten oder Helfershelfern die Rede ist:

"Es gibt diese Verquickung zwischen der NPD und den Rechtsterroristen und das hat eine neue Qualität und Thüringen steht dafür, dass wir ein NPD Verbot wollen und das dieses auch zum Erfolg kommt."

Denn das erste Verbotverfahren scheiterte auch an den V-Leuten des Verfassungsschutzes in Thüringen, die gut bezahlt NPD und Heimatschutz damit finanzierten.

Nun also - Rock gegen Rechts und ein kräftiges Signal, dass Jena nicht so ist, wie es wahrgenommen wird.

Mann: "Also Jena ist zu Unrecht in den Negativ-Schlagzeilen. Also Probleme gegen Rechts, die gibt's, aber nicht so, wie es dargestellt wird in den Medien."

Eines wünschen sich an dem Abend alle: dass rechte Szenen kein Thema mehr sind.

"Es sind meistens junge Leute, die nicht wissen, was damals gewesen ist und dass so was propagiert wird und dass es Anhänger gibt, muss verboten und ausgemerzt werden."

Anna Loos singt bewusst den Song vom Teufel - und Peter Maffay gibt seinem Publikum an diesem Abend eines mit auf den Weg:

"Noch etwas, Freunde, ich sehe viele junge Leute und ich wünsche mir, dass die nachfolgenden Generationen nicht erleben müssen, dass sich die Geschichte hier in Deutschland wiederholt."

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