Fazit / Archiv /

"Je mehr Öffentlichkeit, umso besser"

Klaus Staeck sieht im Fall von Ai Weiwei einen positiven Effekt der internationalen Kritik

Klaus Staeck im Gespräch mit Jürgen Liebing

Klaus Staeck, seit 2006 Präsident der Akademie der Künste in Berlin
Klaus Staeck, seit 2006 Präsident der Akademie der Künste in Berlin (AP)

Der Präsident der Akademie der Künste in Berlin geht davon aus, dass die Freilassung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei einem gewissen politischen Kalkül geschuldet ist. Aber auch der öffentliche Druck habe eine Rolle gespielt.

Klaus Staeck, der sich in vielen Interviews für Ai Weiwei und andere chinesische Dissidenten eingesetzt hat, ist der Meinung, dass die Freilassung Weiweis auch eine Folge der scharfen internationalen Kritik gewesen ist. Wie Staeck im Deutschlandradio Kultur sagte, habe die Akademie der Künste in dieser Frage eine sehr deutliche Position vertreten:

"Je mehr Öffentlichkeit, umso besser, denn das Schlimmste, was jemandem passieren kann in seiner Situation, ist, wenn er vergessen wird, und ich hoffe, dass diese Öffentlichkeit, die ja doch schon beeindruckend war von vielen, vielen Seiten her, dass die diese Freiheit jetzt auch mitbewirkt hat."

Der Akademie-Präsident zeigte sich davon überzeugt, dass Weiwei nach einer gewissen Pause schon bald wieder an die Öffentlichkeit treten werde:

"Er wird natürlich unter dem Eindruck der Haft erstmal selber eine Ruhepause einlegen, um nachzudenken, wie er sich weiter äußert, denn Ai Weiwei ist einer der bekanntesten Künstler, und Künstler finden doch, das hoffe ich jedenfalls, immer einen Weg, das Subversive ist auch der Kunst nun mal eigen, und ich denke, er wird einen Weg finden, um sich zu äußern."

Wie Staeck weiter sagte, hat bei der Freilassung Ai Weiweis auch die bevorstehende Europareise des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao eine Rolle gespielt, denn die Inhaftierung des Künstlers wäre sonst immer wieder angesprochen worden:

"Unsere Politiker haben sich ja zum Teil auch ganz klar geäußert, zuletzt der Kulturstaatsminiter Bernd Neumann hier bei uns in der Akademie, während einer großen Veranstaltung. Also da wurden schon sehr klare Worte gesprochen in Richtung Meinungsfreiheit, und dass wir alle mit einem gewissen Unverständnis reagiert haben und empört waren, so, wie das damals gelaufen war, das war schon eine Provokation, und zwar eine deutliche."

Nach der Freilassung hofft Staeck, baldmöglichst mit Ai Weiwei Kontakt aufnehmen zu können, denn der Künstler war während seiner Haft Anfang Mai von den Mitgliedern der Akademie in die Sektion Bildende Kunst gewählt worden. Die Mitgliedschaft trete aber erst in Kraft, wenn der Gewählte auch zustimme. Dazu habe Ai Weiwei bisher keine Gelegenheit gehabt.

Das vollständige Gespräch können Sie mindestens bis zum 13.12.2011 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.


Links auf dradio.de:

"Aktuell" vom 22.6.2011: Ai Weiwei ist frei - Chinesischer Künstler aus Haft entlassen
Chinesische Regierung will mit Freilassung Ai Weiweis "Gesicht wahren" - Tilman Spengler: Ausland sollte seinen Einfluss nicht überschätzen

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons"Der größte Dramatiker der Menschheit"

William Shakespeare - eine zeitgenössische Darstellung des erfolgreichsten Bühnenautors aller Zeiten.

Anlässlich des 450. Geburtstages von William Shakespeare geht es in der Kulturpresseschau vor allem um den Lyriker und Schauspieler. "Er zeigt den Menschen und die Welt so böse wie sie sind", schreibt der "Tagesspiegel".

 

Fazit

Williams-Beuren-SyndromÜber das Glück

Louise Archambault, Regisseurin des Films "Gabrielle", posiert am 26.09.2013 in Hamburg am Cinemaxx-Kino auf dem roten Teppich.

In "Gabrielle“ bringt die Frankokanadierin Louise Archambault eine 22-Jährige mit Williams-Beuren-Syndrom vor die Kamera. Herausgekommen ist ein feinfühliger, engagierter Film, der jetzt ins Kino kommt.

LateinamerikaEchos der Verbrechen

In der venezuelanischen Stadt Altamira ist am 24.02.2014 ein vermummter Demonstrant zu sehen, der einen Schild aus Wellblech trägt und von Qualm umgeben ist.

In Venezuela reißen die Proteste gegen Präsident Maduro, gegen Kriminalität, Korruption und hohe Inflation nicht ab. Immer wieder gibt es Tote und Verletzte. Inzwischen nehmen Künstler gegen die Gewalt Stellung.

MuseenSchluss mit den Inhalten!

Entworfen hat der Künstler Olafur Eliasson "Dein Audioguide" für die Kunstsammlung in Düsseldorf

Der dänisch-isländische Lichtkünstler Olafur Eliasson hat die Video-App "Dein Audioguide" entwickelt. Das Museum wird mit ihr als geist- und erkenntnisfreier Raum präsentiert.