Seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature
 
Dienstag, 24. Mai 2016MESZ19:39 Uhr

Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.09.2010

"Jane's Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall"

Hans-Ulrich Pönack über einen bewegenden Dokumentarfilm

Der Film zeigt ein Porträt über die Umweltaktivistin Jane Goodall, die in den 60er-Jahren als Verhaltensforscherin weltberühmt wurde, und noch heute als engagierte UN-Friedensbotschafterin kämpft.

"Jane's Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall" ist von Lorenz Knauer. Das ist ein Münchner Dokumentarfilmer, der viel für das Fernsehen arbeitet.

Hier nun nähert er sich dokumentarisch, persönlich, bilder-ausdrucksstark einer der spannendsten Frauen unseres Planeten: Dr. Jane Goodall, geboren am 3. April 1934 in London. Deren "internationales" Leben unter dem Motto steht: dass jeder Einzelne von uns tatsächlich in seinem Leben etwas "bewegen" kann. Etwas verändern kann. Positiv verändern kann. Nicht nur gedanklich, planerisch, sprachlich, sondern "direkt": Mit "Es-Machen".

Am besten ist es, sofort einfach anzufangen. Jeder einzelne Mensch, jedes Individuum, ist "mit im Bot" für die Rettung der Erde. Mit dieser simplen Botschaft reist die Affen-Forscherin und Umwelt-Aktivistin unermüdlich um die Welt. Um Menschen, Organisationen, Institutionen anzusprechen, zu interessieren, zu überzeugen. Hört sich banal, kitschig, klugscheißerisch an? Mag sein, trifft aber hier zu. Denn Jane Goodall lebt seit Jahrzehnten dies erfolgreich wie intensiv und weiterhin unermüdlich vor.

Ihr Lebensweg ist abenteuerlich. Vor über 50 Jahren revolutionierte sie mit ihren Beobachtungen die Primaten-Forschung. Im Dschungel von Tansania. Wurde mit ihren Erkenntnissen und Fotoreportagen weltberühmt. Lebte vor Ort mit "ihren Affen". Um sie kennenzulernen, zu studieren und dadurch zu retten. Jane Goodall ist neben Dian Fossey (Gorillas) und Biruté Galdikas (Orang-Utans) eine der drei Frauen, die auf Anregung des Paläontologen Louis Leakey Anfang der 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts mit "Dauerbeobachtungen" von Menschenaffen begannen. 1965 promovierte sie mit ihren verblüffenden, einzigartigen Langzeitstudien an der Universität von Cambridge.

Viele Erkenntnisse über Schimpansen begründen sich fortan auf ihre "direkten" wissenschaftlichen Arbeiten. 1977 richtete Jane Goodall das "Jane Goodall Institute for Wildlife Research, Education and Conservation" ein, das ihren Namen und ihre wissenschaftliche Arbeit auf der ganzen Welt bekannt machte und das es inzwischen in bereits 27 Ländern gibt. Das JGI unterstützt Programme, die über Ausbildungs-, Umwelt- und Naturschutz, Entwicklungs- und Erforschungsmaßnahmen einen Beitrag zur Verbesserung der Bedingungen für Menschen, Tier und Umwelt leisten.

Ende der 80er-Jahre gab Jane Goodall ihre Forschungsarbeit auf, um sich künftig mit ihrer ganzen Energie dem globalen Umweltschutz und der Erhaltung der Natur sowie und vor allem dem Schutz von "nicht privilegierten" Mitmenschen zu widmen. 1991 gründete sie mit einigen Kindern in Tansania die Aktion "Roots & Shoots" (Wurzeln und Sprösslinge). Inzwischen existieren an die 10.000 Gruppen in 120 Ländern. Hierbei entwickeln Kinder und Jugendliche eigene Ideen und Projekte im Bereich Natur- und Umweltschutz.

Der Film begleitet die Aktivistin auf ihren vielen Reisen über die Kontinente. Jahr für Jahr ist Jane Goodall mehr als 300 Tage rund um den Globus unterwegs, um mit ihrem Wissen, ihrem überzeugenden Charisma, ihrem sensiblen Charme Menschen "zu mobilisieren". Zugleich verwendet er frühere persönliche Filmdokumente, führt Interviews mit hochrangigen Politikern (Michail Gorbatschow), unterstützenden Hollywoodstars (Angelina Jolie, Pierce Brosnan) und natürlich auch immer wieder mit der Protagonistin selbst. Nähert sich diskret dem privaten Menschen Jane Goodall. Ihr gigantischer Reise-Bogen von der Kanalküste bei Bournemouth bis zu den Ebenen von Nebraska, von den Regenwäldern von Gombe bis zu den abschmelzenden Gletschern von Grönland wird dabei faszinierend genutzt, ausgebreitet.

Eine unglaubliche Frau. Die weltweit geschätzt, geachtet, bewundert, verehrt wird. Der "Boston Globe" verglich sie mit Mahatma Gandhi. Vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan wurde sie 2002 zur UN-Friedensbotschafterin ernannt. Von den englischen Königin zur "Dame" geadelt. Von der französischen Ehrenlegion in den Offiziersstand erhoben. Seit Jahren wirbt Jane Goodall für Alternativen zu Tierversuchen. Im Mai 2008 forderte sie das Nobelpreiskomitee auf, endlich einen Nobelpreis für Alternativmethoden zu Tierversuchen zu schaffen.

Der Film "Jane´s Journey – Die Lebensreise der Jane Goodall" entzieht sich "herkömmlicher Filmkritik". Ist als Biografie, als Porträt eines außergewöhnlich guten Menschen und Lebens zu betrachten. Dabei steht nicht nur die Person Jane Goodall im Mittelpunkt und Vordergrund, sondern die bedeutende, wichtige und richtige Vermittlung einer großartigen Botschaft: Hope. Hoffnung. Für unseren Planeten. Diese kann jederzeit umgesetzt werden, "es" kann sofort beginnen. Noch jedenfalls ist es nicht zu spät. Sagt, zeigt, meint diese bewundernswerte wie auch äußerst "unterhaltsame" Powerfrau Jane Goodall. Ein toller Film.

Deutschland/USA 2010. Regie: Lorenz Knauer. Darsteller/Mitwirkende: Jane Goodall, Angelina Jolie, Pierce Brosnan. Keine Altersbeschränkung, 105 Minuten

Filmhomepage

"Sie hat es ja gelebt, was sie predigt"

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsKritiker wüten gegen Cannes-Juroren
Die Cannes-Jury 2016: der französische Regisseur Arnaud Desplechin, der ungarische Regisseur Laszlo Nemes, die französische Schauspielerin Vanessa Paradis, die iranische Produzentin Katayoon Shahabi, der australische Regisseur George Miller, die italienische Schauspielerin Valeria Golino, US-Schauspielerin Kirsten Dunst, der kanadische Schauspieler Donald Sutherland und der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen. (picture alliance / dpa / Ian Langsdon)

Die Gemeinde der internationalen Filmkritiker ist aufgebracht: Die Juroren der Filmfestspiele in Cannes haben den unisono bejubelten deutschen Beitrag "Toni Erdmann" komplett ignoriert. Das sei "völlig unangebracht und unverständlich". Mehr

weitere Beiträge

Fazit

Bob Dylan wird 75Müde Diva mit hellwachen Texten
Bob Dylan bei einem Auftritt am 22.7.2012 während des Vieilles Carrues Festivals im französischen Carhaix (picture alliance / dpa / O. Lejeune)

Unnahbar, seltsam und empfindlich: Als erster radikaler Protestsänger eroberte er mit einem Antikriegslied die Hitparaden. Seit Jahrzehnten enttäuscht Bob Dylan regelmäßig seine Fans und bringt die Welt zum Grübeln. Daran wird auch sein 75. Geburtstag nichts ändern.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

fghjghj