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Tonart | Beitrag vom 17.02.2016

Jamie Lawson: "Jamie Lawson""Ich wollte ein Album machen, das Trost spendet"

Moderation: Haino Rindler

Ein Mann spielt auf einer Akustikgitarre. (imago/Westend61)
Jamie Lawson ist seit rund 20 Jahren Musiker, nun ist der Singer-Songwriter mit seinem Album "Jamie Lawson" auf Platz 1 in Großbritannien gelandet. (imago/Westend61)

Singer-Songwriter Jamie Lawson ist mit seinem gleichnamigen Album in seiner Heimat Großbritannien plötzlich auf Platz eins gelandet. Nun will er die Pop-Charts im Rest der Welt stürmen. Ein Gespräch über Erfolg und sein großes Thema "Liebe".

Haino Rindler: Über dem Album steht der Titel 'Jamie Lawson'. Aber es geht um ein viel größeres Thema, nämlich um Liebe, um den Trost, der in einer guten Beziehung steckt, aber auch um die Zerbrechlichkeit der Liebe. Es gibt sehr viel Selbstzweifel in den Texten, auch Doppelbödigkeit. Was interessiert Sie an dem Phänomen Liebe?

Jamie Lawson: Ich denke, das Album basiert definitiv auf dem Thema Liebe - so wie es doch fast immer in Songs um die Liebe geht. Und das ist doch eigenartig. Ich wundere mich ehrlich, warum Liebe so omnipräsent ist. Vielleicht weil jeder glaubt, da mitreden zu können. Aber egal ob das so ist, die Liebe bleibt letztlich ein Mysterium. Und deshalb kann man sie gut in Töne fassen. Was ich machen wollte, war ein Album, das einem Trost spendet. Als ich jünger war, habe ich immer dann gesungen, wenn ich etwas durchstehen musste. Diesen Trost, den mir das Singen damals gab, will ich auch jetzt vermitteln. Besonders in Songs wie "Someone for everyone" oder "Let Love hold you now" - Songs, die sagen: Es ist alles in Ordnung. Am Ende sollte ein sehr warmes, herzliches Album stehen. Ich hatte immer ein Problem damit, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Aber mit Musik konnte ich etwas sagen. Und ich denke, das läuft ganz gut.

"Ich hoffe, mein Album bietet ein bisschen mehr räumliche Weite"

Rindler: Sie sind in Plymouth geboren, in einer Hafenstadt. Haben Sie eine besondere Beziehung zum Wasser?

Lawson: Ich glaube schon. Ich fühle mich immer etwas unwohl, wenn kein Wasser in der Nähe ist. Jetzt lebe ich in Manchester, das ja nicht an der Küste liegt. Aber ich fahr oft an einen See oder an einen Fluss. Ich mag diesen weiten Raum, den einem das Wasser gibt. Das will ich auch auf meine Musik übertragen: einen weiten Raum schaffen, in dem dich die Instrumente umgeben. Die Musik, die man zurzeit im Mainstream-Radio hören kann, ist ja oft beengend, fast bedrückend. Immer dieser eine Beat. Alles ist auf Maximum komprimiert. Ich finde das nicht sehr entspannend. Ich hoffe, mein Album bietet ein bisschen mehr räumliche Weite, in der man sich gerne aufhält.

Rindler: Musikalisch kann man da bisweilen Irish Folk erkennen, aber auch Americana oder Pop. Die Produktion haben Sie in die erfahrenen Hände von Will Hicks gelegt. Hat er Ihre Handschrift getroffen?

Lawson: Man braucht immer jemanden, um sich die Sache etwas leichter zu machen. Will kam durch Ed Sheeran, der auch auf dem Album zu hören ist. Ich habe mit Ed darüber gesprochen, wie ich den Sound gerne hätte, mit einem Sinn für Platz und Raum. Und er wusste sofort, dass Will der Richtige war. Und tatsächlich, Will hat genau das gemacht, was ich mir für das Album vorgestellt habe. Ich bin glücklich darüber, wie es geworden ist.

Jamie Lawson ist gespannt auf seinen Erfolg in Deutschland

Rindler: Nun sind Sie an einer Stelle angekommen, an der Sie - Jamie Lawson - nach Amerika fahren, große Hallen füllen ... Würden Sie, wenn Sie zurückblicken, an Ihrer Karriere etwas ändern? Würden Sie irgendetwas anders machen?

Lawson: Das ist eine gewaltige Frage! Ich schätze, ich kann nicht sagen, dass ich alles anders machen würde. Letztlich wollte ich ja dahin, wo ich jetzt bin. Vielleicht wäre es schön gewesen, schon als Kind zu wissen, wo es mich einmal hinbringen würde. Es ist wie ein Spiel. Viele meiner Freunde und Bekannten sind geniale Sänger und Songwriter, aber sie haben aufgehört, weil sie einen Job finden mussten oder Familien gegründet haben. Ich habe weiter gemacht, vielleicht aus Sturheit, vielleicht, weil ich zu faul war, etwas anderes zu machen. Keine Ahnung - letzteres wahrscheinlich. Aber jetzt habe ich dieses erfolgreiche Album, das sich allein in England 100.000 Mal verkauft hat. Da ist es aufregend, zu sehen, ob das auch in Deutschland funktioniert oder in den Staaten. Ich bin echt gespannt - ein schöner Gedanke ist es jedenfalls.

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